WS ab 1.3.2017:

Gesprächs- und Selbsterfahrungs-gruppe für Männer

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Kopien_Abdruck nach Absprache

Wenn der «Blick» auf Politik macht_«Infosperber»

Wenn «Miss Europa» sich nicht fotografieren lässt_«Infosperber»

Rentenalter 90 – aber nur für die Allerreichsten_«Infosperber»

Mit Trump zum Züri Zoo. Höcke ist auch ein Zebra.
(Fällander Tagebuch 8)_«Infosperber»

Ein typischer Mensch – Nationalität vor Qualität
(Fällander Tagebuch 7)_ «Infosperber»

Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland_«Infosperber»

5000 namenlose Tote oder Tripptrapp für Xi Jinping
(Fällander Tagebuch 6)_«Infosperber»

Happy to you: Auch für Flüchtlinge, Meere und Frauen
(Fällander Tagebuch 5)_«Infosperber»

Die Heimkehr in den VPOD_Die Schiwoff-Affäre 10_10, «Infosperber»

Der Prozess & das Urteil_Die Schiwoff-Affäre 9_10, «Infosperber»

Lassen Sie sich scheiden_Die Schiwoff-Affäre 8_10, «Infosperber»

Keine Kollege mehr_Die Schiwoff-Affäre 7_10_«Infosperber»

Wer ins Gymi will, soll sich konform verhalten_«Infosperber»

Die Verhaftung_Die Schiwoff-Affäre 6_10_«Infosperber»

Feindpropaganda bestätigt_Die Schiwoff-Affäre 5_10_«Infosperber»

Folgenschwere Übergabe_Die Schiwoff-Affäre 4_10_«Infosperber»

Berliner Tage_Die Schiwoff-Affäre 3_10_«Infosperber»

Die ersten Bilder fallen_Die Schiwoff-Affäre 2_10_«Infosperber»

Der Krieg und sein Ende_Die Schiwoff-Affäre 1_10_«Infosperber»

Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln
(Mailwechsel mit Stefan Howald 4_4)_«Infosperber», «Theoriekritik»

Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie
(Mailwechsel mit Stefan Howald 3_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratische Bewegung von unten aufbauen»
(Mailwechsel mit Stefan Howald 2_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratie ist eine Praxis»
(Mail-Wechsel mit Stefan Howald 1_4)_
«Infosperber», «Theoriekritik»

Hans ist nicht Bhumibol oder Abhitlern & Toleranz
(Fällander Tagebuch 4) _«Infosperber»

US-Wahlen: Grossmaul schlägt Musterschülerin__«Infosperber»

«Terror». 164:70'000. Voten, Quoten und Optionen._«Infosperber», «PS»

Schwindel am Matterhorn
(Fällander Tagebuch 3) «Infosperber»

Trump, Gilli, Köppel, Houellebecq – alle «Araber»_«Infosperber»

Katzenscheisse, Gämsen, Fussabdrücke und Bigbang
(Fällander Tagebuch 2)_«Infosperber»

Tränen und die letzten Cowboys im zahmen Westen_«Infosperber», «PS»

Burka verbieten – und das Abendland ist gerettet_«Infosperber»

Clinton. Trump. Shoemaker. Die Geschlechterwahl
(Fällander Tagebuch 1)_«Infosperber»

NZZ, (K)alter Krieg & die nützlichen Idioten 2016_«Infosperber»

Der Nackte oder Im Engadin steht die Welt kopf
(Engadiner Tagebuch 7=Schluss)_«Infosperber»

Im Namen der Natur zum Zweiten
(Engadiner Tagebuch 6)_«Infosperber»

1. August 2016 oder Im Namen der Natur zum Ersten
(Engadiner Tagebuch 5) _«Infosperber»

Das zunehmende Erschrecken in den Alpen
(Engadiner Tagebuch 4)_«Infosperber»

Keine Ferien von der Welt oder Bündner Gendereien
(Engadiner Tagebuch_3)_«Infosperber»

Ein Tag im Original-Sylter-XXL-Sonnenkorb: 70 Fr.
(Engadiner Tagebuch 2)_ «Infosperber»

Im Engadin wird vor Schüssen noch gewarnt
(Engadiner Tagebuch 1)
_ «Infosperber»

Verschleiern oder «köpfen».
Das ist hier die Frage.
_«Infosperber»

Typischtypisch oder unser Roger ist ein Deutscher_«Infosperber»

Ab mit der «Scheisse» in den (Fernen) Osten_«Infosperber»

«Einen Boateng» oder die Gaulandsche Verteidigung_«Infosperber»

Wenn der «SonntagsZeitungs»-Chef Lehrerlis spielt_«Infosperber»

Fussball & Gewalt machen «Männer»_«Infosperber»

Ein Schlag – Islam gestoppt & Integration gerettet_«Infosperber»

Blick, Bestie, Bin Laden: 3xB und ein Gesicht oder Rupperswil: Die Sehnsucht nach der «Bestie» I & II _«Infosperber»

Die Welt überfordert uns. Andere bringt sie um._
«Bulletin Solidarité sans frontières»

Nicht totzukriegen – Die ewige Rückkehr der Götter_«Infosperber»

Überdruck und andere einfache Erklärungen_«Infosperber»

SVP: Inszenierung einer Ausgegrenzten & Verfolgten_«Infosperber»

Verzweifelte LehrerInnen filmen – verboten_«Infosperber», «P.S.»

Köppels Grinsen und Glättlis Befreiungsschlag_«Infosperber»

Wenn Menschenrechte für Religionen nicht gelten_«Infosperber»

Brüsseler Hokuspokus: Der liebe Gott hat gepfuscht_«Infosperber»

Schule & Gesellschaft scheitern an der Integration_«Infosperber»

Unterwerfung oder Die Aufklärung ist dem Menschen zumutbar_«Die Gazette»

Lieber Seniorenschwemme als Flüchtlingsflut_«Infosperber», «P.S.»

«Pfefferscharf» gegen Menschenrechte I + II _«Infosperber»

Durchsetzen – Jedem & jeder die eigene Verfassung_«Infosperber», «P.S.»

Volk ohne Kopf oder Einfamilienhaus- & Blockkinder_«Infosperber»

Alles hat seine Obergrenze, selbst der Hunger_«Infosperber»

Die SVP, der Wunschzettel & der Mut zur Opposition_«Infosperber»

Lieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack_«Infosperber»

Economiesuisse und der Besuch der alten Dame_«Infosperber»

Integration in Zeiten des Terrors_«Infosperber», «P.S.»

Sexuelle Lehrjahre im «Puff» – aber nur für Männer_«Infosperber», «P.S.»

Geld oder Deutsch! Der Zuger Handel_«Infosperber»

Wer hat in der Schweiz das Sagen? Frauen nicht._ «Infosperber»

(Rechts-)bürgerliche Opposition am Ende_«Infosperber», «P.S.»

Der «Medienberater» des «Tagi» und «das Klageweib»_«Infosperber»

Kunst & Politik = Sich das ganz andere vorstellen_«Infosperber», «P.S.»

Feindbild Mann – fremd, jung, alleinstehend_«Infosperber»

Freie Rede für Köppel. Andersgläubige. Hassprediger_«Infosperber»

«NZZ a. S.» fordert Aussenpolitik in Militärstiefeln_«Infosperber»

Für wie viel nehmen Sie FialaMörgeliWermuth & Co.?_«Infosperber»

Urlaub von Flüchtlingen & anderen Unbilden_ «Infosperber», «p.s.»

Der Ausweis: das Original – der Mensch:
die Kopie
_«Infosperber», «entwürfe»

Griechenland, das missratene Kind – Eine Nachlese_«Infosperber»

Eltern können für ein Kind eine Katastrophe sein_«Infosperber»

Die faulen Griechen oder Der Neid der Tüchtigen_«Infosperber», «p.s.»

Kriminelle Nationalitäten, Kantone & Co._«Infosperber»

Zeitreise Zürich – SchülerInnen kommen zu Wort_«Infosperber»

Israel, z.B., und die uniformierten VerräterInnen_«Infosperber»

«Kill Zone USA» oder Männliche Waffenlogiken_«Infosperber»

Lehrplan 21 oder die Angst vor den SchülerInnen_«Infosperber», «p.s.»

Bacholerette: Mensch Mann, Frau – schön blöd_«Infosperber», «p.s.»

Detektoren statt Psychiater: Blicke in die Zukunft_«Infosperber»

Der Maurer wird nicht Metzger, sondern Bundesrat_«Infosperber»

Ich & Du & «die Schweiz» gehen k.o._«Infosperber»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation_«Infosperber»

Wer nicht arbeitet, soll sterben_ «Infosperber»

Die Schule macht keine Männer (I + II)_ «Infosperber»

Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. _«Infosperber»

Freiheitskämpfer. Soldaten. Mörder. Unmenschen._«Infosperber»

Die Natur- und Mutter-Mythen des Roger K. _«Infosperber»

Mörder(innen) verstehen = selbst Mörder(in) werden_«Infosperber»

Männer oder Opfer, Frauen oder TäterInnen (I + II)_«Infosperber», «p.s.»

Bedroht von Ökonomisierung & Ökologisierung_«Infosperber.ch»

Das böse Spiel am Runden Tisch_ «www.Infosperber»

Vollbeschäftigung für fünf Franken in der Stunde_«Infosperber»

Weniger degustieren – mehr lesen_«Infosperber»

Kauf&Nutzung – Nur mit Bedarfsnachweis _«Infosperber»

Aufklären, aufgeilen, aufhetzen – Paradoxe Bilder _«Infosperber»

«Carlos» oder Es wird weiter «geblickelt» _«Infosperber»

Wenn der Einzelfall öffentlich wird_«Infosperber», «P.S.»

Wer, ganz nebenbei, ist «die Wirtschaft»?_«Infosperber», «p.s.»

Wir lassen Menschen auch verhungern_«Infosperber»

Parallelwelten oder Wenn Not erfinderisch macht _«Infosperber»

«Notnagel» Frauen _«Infosperber»

Eine Goldmedaille macht noch keine Inklusion _«Infosperber»

Wenn eine Baden-Reise öffentlich bedeutsam wird _«Infosperber»

Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen _«Infosperber

Wenn sich nur noch SiegerInnen aufs Podest drängen _«Infosperber»

Betet, freie Schweizerinnen, betet! _«Infosperber»

«… im Zweifel für die (potenziellen) Opfer» _«Infosperber»

Merkblatt für Flüchtlinge und andere Asylanten _«Infosperber»

Schwingerkönig oder Mister Schweiz sind Wurst _«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Bild, das den Krieg beendet _«Infosperber»

Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten _«Infosperber

Wann ist ein Vater (m)ein Vater?_«Infosperber»

Das Stockholm-Syndrom oder Sich vorstellen können, dass es auch ganz anders sein könnte (auf «Infosperber»)
_In: «Schlafes Bruder, wann stirbst du endlich?» «Der Bund» Essay-Wettbewerb - Die 20 Besten. Zürich: Offizin, 2014

Abseits des normierten Schulparcours lernen
_«WOZ - Die Wochenzeitung»

Menschen sind gefragt, wenn sie gebraucht werden _«Infosperber

Eine gesunde Schule wäre eine andere Schule _«Infosperber»

Wenn das Volk zu aktiv wird_«Infosperber»

Wer braucht einen wie Blocher _«Infosperber»

Taten statt Worte oder Die Schule macht keine Männer_Knaben und Mädchen - heute gleichgestellt? Referate und Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule, Chur, 10.4.2014

Das individuelle Treatment oder Der Tag, an dem ich das Telefon abnahm - Ein Dank_unveröffentlicht

Prostitution beschädigt auch den Käufer_«Infosperber» und «p.s.»

Wenn Menschen als Belastung der Natur erscheinen_«Infosperber»

Als gäbe es sie nicht _«Infosperber»

Moralische Konsequenzen_«Infosperber»

Die Angst vor der Gleichheit - Buch-Beitrag zu «Ein Haus verändert das Leben - Geschichten und Visionen», Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Kein Geld für Psychotherapien mit Goldfischen_«Infosperber»

Weniger Staat, mehr Staatsschutz_«Infosperber»

Tarnkappen für alle_«Infosperber»

Verantwortungs-Los_«Infosperber»

Frau Präsidentin - Sie sind der schönste aller oder Herrenwitze und andere Übergriffe_Jahresbericht Frauenberatung Sexuelle Gewalt

Der Mörder steht immer draussen vor der Tür_«Infosperber»

Unbekannt_unveröffentlicht

Das individuelle Treatment
- Ein Dank

Das letzte Wort

Wenn der «Blick» auf Politik macht

Ausländer*innen – das Problem. Integrationsvertrag des Schweizer Boulevardblatts – die Lösung. Oder doch nur ein Werbegag?

Dem Blick geht’s schlecht. Nicht nur ihm. Aber ihm ganz besonders. Von 2005 bis 2015 hat sich die Auflage des Schweizer Boulevardblatts fast halbiert und ist gemäss dem Verband der Schweizer Medien per 2016 auf gerade noch 143‘499 abgestürzt. In der Not kommen Redaktor*innen beziehungsweise Verleger*innen auf Ideen. Sie machen, zum Beispiel, auf Politik. Am Mittwoch, 19. April 2017, verkündet der Chef der Blick-Gruppe Christian Dorer: «Die Politik schaut weg, Blick schaut hin.» Und handelt. Das geht schneller & einfacher als in der realen Politik. Denn gewählte Parlamentarier*innen & stimmberechtigte Bürger*innen, Gutmenschen inklusive, haben nichts zu sagen, wenn der Blick «den Integrationsvertrag für alle Migrantinnen und Migranten» lanciert.

Der Vertrag à la Blick ist eine einseitige Sache. Obwohl schon Berufsschüler*innen wissen müssen, dass Verträge aufgrund gegenseitiger (und am Ende übereinstimmender) Willensäusserungen zustande kommen und alle Beteiligten unterschreiben müssen. Im aktuellen Fall wird das Problem, das der Vertrag zu lösen vorgibt, von der einen Partei definiert – es ist die andere Partei, die Ausländer*innen also. «Im Sorgenbarometer nennen die Schweizer Jahr für Jahr Ausländer als grösstes Problem», versteckt sich der Chefredaktor hinter einer Umfrage. Die Lösung – ein Vertrag mit dem «Problem», ein Integrationsvertrag.

Aber was für eine Vorstellung von Integration haben die Blick-Verantwortlichen? Offensichtlich denken sie nicht an einen interaktiven Prozess, der alle Beteiligten zum Subjekt der Integration macht, alle Betroffenen & ihre Kulturen verändert. Weil sich alle bewegen. Auf dem Boden der Menschenrechte. Die Blicksche Integration ist die Unterwerfung der einen durch die anderen. «Wer bleiben will, soll sich integrieren.» Gibt der Blick den Tarif durch. Und definiert die «Grundlagen des Zusammenlebens», die, vermutlich, im kleinen Kreis formuliert worden sind. Bestehend aus «fünf Werten, fünf Pflichten und fünf Normen. Grundaussagen, die für alle verständlich sind: Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Recht steht über der Religion. Jeder beherrscht eine Landessprache. Und so weiter.»  

Welcher Schweizer Alltag?

Zu den Pflichten gehört laut Blick: «Jeder nimmt am Schweizer Alltag teil.» Nur, was ist der Schweizer Alltag? Das von Alan Cassidy in seinem Blog verspottete eidgenössische Klischee: «Sie beginnen den Tag auf dem Melkschemel und lassen ihn am Alphorn ausklingen. Dazwischen erscheinen Sie pünktlich zur Arbeit. Oder so ähnlich.» Was ist der Schweizer Alltag? Die kaum durch Schlaf unterbrochene Online-Präsenz eines Devisenhändlers, der, digital, durch die globalen Zeitzonen hetzt? Die Nachtschicht einer Altersheimpflegerin? Der Tag eines Kindergärtners, der es am Abend als DJ rocken lässt? Die Frühschicht einer Lebensmitteltechnologin, welche die Produktion von Pommes Chips überwacht und um 14.00h die Kinder vom Mann übernimmt? Die Woche eines Hausbesetzers oder einer Videokünstlerin?

Der Blicksche Integrationsvertrag ist exklusiv. Zwar wird er im Lead noch für «alle Migrantinnen und Migranten» lanciert, aber im massgeblichen Lauftext gilt nur noch: «Jeder Flüchtling soll diesen Vertrag unterschreiben.» Gemeint sind vermutlich alle anerkannten Flüchtlinge, die anderen – die erst ein Asylgesuch gestellt haben, deren Gesuch abgelehnt worden ist sowie die vorläufig Aufgenommenen – sollen ja eben gerade nicht integriert werden, sonst könnten sie sich am Ende noch als «Härtefälle» vor der Ausschaffung drücken. Das heisst, von den total rund 2 Millionen «Migrantinnen und Migranten» bleiben gerade mal knapp 47‘000 potenzielle Vertragsunterzeichne-r*innen zurück. Allzu viel Arbeit wollen sie sich im Hause Ringier ja denn doch nicht machen. Hauptsache, der Vertrag schlägt «hohe Wellen» (BlickamAbend, 19.4.) und bewegt «die Schweiz» (Blick online, 20.4.).

Alle anderen Ausländer*innen und vor allem wir Besitzer*innen eines Schweizer Passes müssen nicht unterschreiben, dass wir – so Elemente des Blickschen Normenkatalogs – unser Gesicht zeigen und einander bei der Begrüssung sowie beim Abschied die Hand reichen. Dass wir – als Andenken an unsere (Geschäfts-)Reisen – keine «Konflikte aus anderen Ländern und Kulturen» in die Schweiz tragen. Dass niemand «aus religiösen Gründen gezwungen werden» darf, «etwas zu tun oder zu unterlassen, das er oder sie nicht will». Ausgenommen Kinder. Die werden in faktisch allen Religionen getauft & in einen spirituell-ideologischen Kontext eingebunden, bevor sie Nein sagen können.

Wohin mit dem Integrationsvertrag?

Mindestens so interessant wie die «15 klaren, für jeden verständlichen Grundaussagen» ist das, was nicht drinsteht. Zwar soll die Freiheit in allen Formen «verteidigt» werden; Gerechtigkeit, gegenseitige Unterstützung, Solidarität allerdings gehören so wenig zu den Grundlagen des Zusammenlebens wie eine nachhaltige Lebensweise und die gewaltfreie Lösung von Konflikten. Zufall? Oder wissen die Verantwortlichen genauso gut wie wir, dass der geblickte Vertrag wertlos ist – weil seine Inhalte und vieles mehr in unseren VerfassungenGesetzenVerordnungen stehen und für alle gültig sind, ob sie nun irgendein Papier unterschreiben oder nicht. Dass, umgekehrt, Sitten & Gebräuche (vom bundesrätlich gestärkten Händeschütteln bis zum gelüfteten Hut) nicht erzwingbar sind – weder bei Schweizer*innen noch bei Ausländer*innen.

Der Blick fordert: «Jeder Flüchtling, der in der Schweiz leben will, soll einen Integrationsvertrag unterschreiben. Damit verpflichtet sich er oder sie, unsere wichtigsten Werte, Pflichten und Normen zu respektieren.» Und verspricht dem auserwählten Zirkel anerkannter Flüchtlinge: «Der Integrationsvertrag gibt Ihnen darüber hinaus die Sicherheit, dass Sie hier willkommen sind – weil Sie uns Schweizern damit versprechen, die Spielregeln einzuhalten.» Wie zeigt der Blick den Betroffenen, dass sie «hier willkommen sind»? Bekommen sie, als Willkommenspräsent, alle das Boulevardblatt? Gratis. Jeden Abend. Von Montag bis Freitag. Ausser am Sechseläuten, dann stehen die integrierten Redaktor*innen vom BlickamAbend womöglich am Zürcher Strassenrand.

Und was passiert mit den Flüchtlingen, die den Marschbefehl des Blicks nicht befolgen? Diesen Vertrag nicht unterschreiben. Chefredaktor Dorer schreibt vollmundig, wer Flüchtlinge integrieren möchte, die dauerhaft hier bleiben, «der muss interessiert sein an klaren Regeln. Und durchgreifen gegen jene, die sie brechen. Wenn es die Politik nicht angehen will, dann tut es eben die Blick-Gruppe.» Steht das Ausschaffungskommando an der Dufourstrasse in Zürich schon bereit?

Und, noch interessanter, was machen jene im Blick gefeierten und alle anderen Migrant*innen – welche die Blicksche Vereinbarung sofort unterschrieben haben, noch unterschreiben werden & glauben «Das hilft einem bei der Integration» (Blick online, 20.4.2017) – mit dem als PDF downgeloadeten & unterzeichneten Vertrag? An den Kühlschrank pinnen? Darüber steht im Blick so wenig wie über den verbindlichen Vertragspartner der gutgläubigen Unterzeichner*innen. Nicht einmal im Kleingedruckten. Post wollen sie offensichtlich auch nicht beim Blick. «Der Integrationsvertrag» – eine Mogelpackung? – «hat aber auch eine wichtige psychologische Bedeutung. Er dient zur Aufklärung und Ermahnung, bietet aber auch die Grundlage für Sanktionen, falls jemand später einmal gegen seine Selbstverpflichtung verstösst.» Selbstverpflichtung. Selbstgeisselung. Vertrag ohne Vertragspartner*in. Alles nur Werbung. Für ein Blatt in der Krise. Oder was?

Siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Rentenalter 90 – aber
nur für die Allerreichsten

Pensionsalter von Lebenserwartung abhängig machen – eine kreative Idee mit unerwarteten Folgen.

«Man ist, was man tut.» Zum Beispiel Weltwoche-Redaktor. Heisst Philipp Gut. Verkauft das als «Grundeinsicht der Anthropologie» und hat sogar Visionen. Zum Beispiel zur eben heftig debattierten «Altersreform». Beim Gut wird das Alter reformiert. Nicht das Rentensystem.

Weil die Arbeit «weder Strafe noch Zumutung» sei, «sondern eine Bedingung der Möglichkeit, ein erfülltes Leben zu führen», und weil wir immer länger leben, was zur volkswirtschaftlichen Belastung wird, sollen wir auch immer länger arbeiten (dürfen). «Wenn der AHV die Mittel fehlen, muss das Rentenalter rauf.» Trotz Roboterisierung & Grenzen des Wachstums. «Mindestens 70.» Verlangt Gut in der neusten Ausgabe des rechtskonservativen Kampfblatts vom 23. März 2017. Meint mit Arbeit ausschliesslich die bezahlte Erwerbsarbeit. Weil nur sie die Kassen füllt. Hausfrauen (und -männer) werden ja nicht pensioniert. In ökonomisierten Gesellschaften gilt halt doch eher: Man ist, was man verdient.

Der Gleichstellungsbeauftragte von der Zürcher Förrlibuckstrasse (Redaktionadresse Weltwoche), das sei zugegeben, hat Ideen. Sogar kühne. Während Linke & Gewerkschafter ihren Frauen noch ein zähneknirschendes Ja zum Rentenkompromiss, AHV für Frauen ab 65 inklusive, abzuringen versuchen, denkt der Gut schon weiter. Viel weiter. «Unter dem Aspekt der Gleichstellung müssten die langlebigeren Frauen sogar bis 74 arbeiten.» Schreibt er. «Dann wären beide [Frauen & Männer, meint er] genau zehn Jahre lang in Pension.» Rechnen: Sechs. «Die Frauen» leben hierzulande durchschnittlich tatsächlich immer noch rund vier Jahre länger als «die Männer».

Die kreative Verknüpfung des Pensionsalters mit der Lebenserwartung ergäbe, zu Ende gedacht, eine ganz neue Rentenformel. Denn: Menschen mit höherem sozioökonomischem Status (Einkommen, Bildung, berufliche Stellung) leben in allen Ländern der Welt länger als jene mit tiefen Löhnen, wenig anerkannten Berufen und Bildungswegen. Bei Anwendung der Gutschen Gerechtigkeitslogik würden die langlebigeren Höhergestellten & Gutverdienenden – ganz im Gegensatz zu heute – deutlich länger erwerbstätig bleiben als die Geringgeschätzten & Armen. Das heisst, Professor*innen & Einkommensmillionär*innen, zum Beispiel, müssten bis 90 auf AHV & Pension warten, während Bau- & Forstarbeiter*innen schon pensioniert würden, bevor sie ihre Berufsausbildung abgeschlossen hätten. Und die Allerärmsten der Welt bekämen, kaum geboren, schon eine Maximalrente.

siehe Infosperber

Das letzte Wort

Wenn «Miss Europa» sich nicht fotogra-fieren lässt (Fällander Tagebuch 9)

Frauenkäse am Fällander Dorfmärt, Süsses oder Saures für Staatssekretärin, Scheidung auf Britisch – «Das können wir doch besser».

19. März 2017

«Was für ein Murks! Das können wir doch besser.» Kommentiert Armin Müller, Mitglied der Chefredaktion, in der Sonntagszeitung das Resultat der grossen Rentendebatten in National- & Ständerat. Meint er «Wir Journalist*innen»? Oder denkt er an die vielen, die gerne beklagen, die politische «Schwatzbude» bringe häufig nur einen «Murks» hervor? Das grosse Palaver im Land & auf der Strasse verrät, dass wir noch Utopien haben, noch daran glauben, die beste aller denkbaren Welten, das sei nicht die real existierende und im besten Fall demokratisch ausgehandelte.

An ausgewählten Tagen stelle ich mir vor, ich sei über eine dieser märchenhaften Nächte am Tisch derer, die entscheiden, vielleicht sogar an den Hebeln der (All-)Macht gelandet. Überlege, was ich in dieser (un)gemütlichen Lage täte. Was die von meinem Handeln Betroffenen in Zürcher Altersheimen, Schweizer Schulen und syrischen Flüchtlingslagern über mich sagen würden. Und bin am Ende ganz froh, dass wir «Gemeinen», die wir das lokale & globale Geschehen in Zeitungen & Fernsehen, Tagebüchern & Facebookposts, an Stamm- und privaten Tischen kommentieren, den Tatbeweis im Allgemeinen nicht real antreten müssen.

Oder wie lange würde es gehen, bis sich, zum Beispiel, zwanzig Journalist*innen, Lehrer*innen, Fussballspieler*innen, Psycholog*innen oder Plattenleger*innen darauf geeinigt hätten, in welchem Hotel & Land, an welchem Meer & Strand sie drei Wochen Ferien miteinander verbringen wollen? Eine im Vergleich zur Rentenreform einigermassen simple Aufgabe. Und wie oft müssten sie während dieser drei Wochen die Koffer packen, um, KompromissKompromiss, an einen anderen Ort zu fahren, wie lange wären die Diskussionen über das dafür geeignete Verkehrsmittel?

25. März 2017

Samstagvormittag. Die Sommersaison des Fällander Dorfmarktes hat vor einer Woche begonnen. Auch der umtriebige Käsehändler ist wieder da und verteilt grosszügig Degustierbissen. Er wolle nicht, dass seine Kund*innen einen Käse kauften, der ihnen zu Hause nicht schmecke, hat mir der Geschäftstüchtige – der den Endbetrag häufig zugunsten der Kund*innen abrundet – verraten. Der Kauende neben mir brummt: «Ein Frauenkäse». Ich vermute Savarin, den Weichkäse, von dem ich jeden Samstag rund hundert Gramm kaufe. Wenn es noch so viel hat. «Da muss ich etwas anderes haben», befindet der Mann. Vielleicht ein Stück des zwei, drei Jahre geschärften Zungenfühlers?

26. März 2017

«Sie muss besonders unvorteilhaft aussehen, Pascale Baeriswyl, die neu gewählte EDA-Staatssekretärin», lese ich im «Politohr» der Sonntagszeitung. Und schon gestern hat los. in der Tagi-Rubrik «Kreuz & verquer» über die Frau – die Christoph Mörgeli am 6. April in der Weltwoche «Burkhalters feministische Geheimwaffe» nennen wird – gespottet: «Agentin 00 Baeriswyl … Unfotografiert und unerkannt kann unsere Chefdiplomatin die Verhandlungen mit der EU agentenmässig unterwandern, und dann völlig unbelastet mit dem wichtigsten Handelspartner über Multilateralismus … bla … bilaterale Beziehungen … bla … Auslegeordnung … bla …»

Und die ganze Häme, weil die Frau – die das Schweizer Boulevardblatt nach ihrer Ernennung zur Chefunterhändlerin EU umgehend zur «Miss Europa» kürt – es dem Blick verwehrt, sie bei einem Interviewtermin zu fotografieren. Die Pressestelle des Eidgenössischen Departementes des Äusseren EDA verweist auf bestehende Fotos, die der Blick am 12. März «PR-Bilder» schimpft, freie Presse statt Imagepflege einfordert – «Bundesräte wie Spitzenbeamte umgeben sich immer mehr mit PR-Leuten, die sich um das Image ihrer Chefs kümmern.» – und das Interview gleich ganz absagt. «Geld her oder ich schiesse», schreien die guten alten Bankräuber; «Süsses oder Saures», rufen die Kinder am importierten Halloween. Bild her oder keine Zeile, kommuniziert der Blick. Auch das ist eine Beschränkung von Freiheit, der Redefreiheit.

29. März 2017

«Heute fällt der Startschuss für das zweijährige Scheidungsverfahren», schreibt der Tagesanzeiger an dem Tag, an dem das britische Austrittsgesuch in Brüssel deponiert wird. Umgehend machen Scheidungs- und Beziehungsmetaphern die Runde. Der Tagesanzeiger redet von einem «Abkommen über die Scheidung oder über eine neue Partnerschaft». Die deutsche Tageszeitung taz berichtet, Premierministerin May wünsche «sich eine ‹tiefe und besondere Partnerschaft› für die Zukunft». Grossbritannien-Korrespondent Peter Nonnenmacher malt den Scheidungskrieg an die Wand: «Erste Scharmützel lassen ahnen, dass die Abschiedsschlacht eine bittere Schlacht werden wird» (Tagesanzeiger).

Das war schon im letzten Juni so, als die Brit*innen sich für den Exit entschieden haben. «Paartherapeut und Scheidungsanwalt» müsse der neue Premier sein, forderte SRF-Korrespondent Urs Gredig, noch bevor Theresa May überhaupt für das Amt kandidierte und nachdem Tagesschau-Moderatorin Cornelia Bösch psychologisiert hatte, zwischen Grossbritannien und der EU, das sei nie «die ganz grosse Liebe» gewesen, wahrscheinlich gebe es eher «einen Rosenkrieg als eine einvernehmliche Trennung». Das sah der Tagesanzeiger ähnlich. Unter dem Titel «EU will schnelle Scheidung» verkündete die «unabhängige Schweizer Tageszeitung»: «Gut möglich, dass die Scheidung schmutzig wird … Eine 40-jährige Beziehung muss gekappt werden.» Stefan Kuzmany notierte am 24.6.2016 auf Spiegel online, eine Wirtschaftsgemeinschaft sei «nun mal keine Liebesbeziehung. Niemand geht für sie stundenlang durch den Regen.» Und der damalige Premier David Cameron machte laut NZZ klar, es gehe um eine «Scheidung ohne Wenn und Aber».

Sonne oder Regen – das Scheidungsbild trifft den Austritt Grossbritanniens aus der EU nicht wirklich. Wie wollte ein Land in ehelicher Verbindung zu einem Staatenbund stehen, dessen Mitglied es (noch) selbst ist? Wie sich von ihm scheiden lassen? Wie soll es zwischen BlinddarmKnieKopf zu einer einvernehmlichen Scheidung vom ganzen Menschen kommen? Nein, hier trennen sich nicht zwei gleichgestellte & autonome Personen. (Wobei einen die Verschmelzungsformeln bei Trauungen sowie der Spruch von der «besseren Hälfte» auch schon mal an Gleichstellung & Eigenständigkeit von Ehepartner*innen zweifeln lassen können.) Der Brexit gleicht dem simplen Austritt aus einem Verein. Bleibt die Frage – ist Grossbritannien die Präsidentin, der Vizepräsident, die Aktuarin, der Kassier oder ein ganz kommunes Passivmitglied?

Wer am Scheidungsbild festhält, schürt englische Allmachtsphantasien. Das britische Königreich wäre in diesem Gemälde nicht bloss gemeines Mitglied eines Staatenbundes, den zu verlassen es sich anschickt, sondern, beispielsweise, die Frau & Mutter, die sich von ihrem Mann scheiden lässt. Nur – wer ist dann der Vater? Alle anderen EU-Mitglieder – Kinder? Sind aber sämtliche EU-Staaten gleichgestellt – bedeutet das Scheidungsszenario dann, dass Grossbritannien all die Jahre mit ihnen in einer Vielehe gelebt hat? Und das ist im abendländischen Europa erlaubt?  

6. April 2017

«Sie ziehen sich aus – wir gehen arbeiten.» So raffiniert & hinterhältig reagieren die Jungen SVP-Frauen auf eine Aktion der Juso-Frauen. Letztere haben für den Zürcher Women’s March am 18. März mit einem Flyer geworben, den 20 Minuten als «gewagt» bezeichnet. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello erläutert das Bild von Frauen, die oben ohne ihre BHs verbrennen: «Es zeigt Frauen mit unterschiedlichen Körpern, unterschiedlicher sexueller Orientierung und Migrationshintergrund … Das Foto ist eine gezielte Provokation, es muss nicht jedem gefallen. Wir wehren uns damit gegen die Normierung des Schönheitsideals und gegen die Binarität der Geschlechter.»

Die Provokation funktioniert fast besser als geplant. SVP-Nationalrat Glarner tut, was er am besten kann – und für die Bewohner*innen des «Zigerschlitzes» eine Beleidigung ist –, er «glarnert». «Oh mein Gott – ist hier nicht Art. 258 des Strafgesetzbuches (Schreckung der Bevölkerung) erfüllt?» (Facebook-Post). Und er ist nicht der einzige: «Innert kürzester Zeit krochen die Hater und Nörgler aus ihren Löchern», schreibt die Geschlechterforscherin & Publizistin Franziska Schutzbach in ihrem Blog am 15. April, «spuckten Gift und Galle, drohten gar mit Vergewaltigung … Solange sich eine Öffentlichkeit durch nicht-Norm-konforme Körper derart provoziert fühlt, dass sie mit Vergewaltigungs-Drohungen und Rassismus reagiert, kann es gar nicht genug Frauen* geben, die mit ihren nicht perfekten Körpern in den Hochglanz-versauten öffentlichen Raum treten.»

Für Anna Fischer von den Jungen SVP-Frauen ist das Juso-Bild «eine Beleidigung für alle selbstbewussten, unabhängigen und hart arbeitenden Frauen in unserem Land – ja sogar für alle Frauen der Welt … Es gibt keine erfolgreiche Frauenrechtlerin, von der man weiss, wie ihre Brüste aussehen», gibt sie im Blick zu Protokoll. Interessant sind ihre inhaltlichen Ausführungen. Es sei ein Problem, «dass junge Eltern – Väter und Mütter – nicht richtig in die Arbeitswelt integriert werden. Aber die Forderung nach Teilzeitstellen sei für Männer wie Frauen wichtig – ‹und sicher keine Genderfrage!›» Der Feminismus, sagt sie, «ist heute überholt!» Der Beweis: «Bei mir zu Hause kocht übrigens mein Freund.»

Und macht damit, paradoxerweise, klar, dass Feminismus & Gender offensichtlich auch in der SVP angekommen sind, zumindest bei den Jungen SVP-Frauen. Denn es ist ja gerade ein Erfolg des Feminismus, dass die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit & Elternschaft thematisiert & gefördert wird, dass das Kochen nicht mehr der «Natur der Frau» zugeschrieben, sondern als Frage sozialer Verhandlung, eben als Genderfrage, gesehen wird.

Siehe auch Infosperber