WS 17_18 ab 23.8.2017:

Gesprächs- und Selbsterfahrungs-gruppe für Männer

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Wenn Identitäten an gestopften Gänselebern hängen_ «Infosperber»

Klaus Rózsa, Fotograf: Budapest – Zürich retour_«Infosperber»

Lieber Kohl in Speyer als Vagabund in Hinterau_«Infosperber»

Vom Knaben zum Mann – Die Angst vor der Gleichheit_«Infosperber»

Schluss mit politischer Korrektheit,
aber richtig
_«Infosperber», «P.S.»

Der Islamist ein Spekulant,
der Unsterbliche tot
_«Infosperber»

Mit Trommeln und Geschrei gegen dunkle Seiten_«Infosperber»

Wenn der «Blick» auf Politik macht_«Infosperber»

Wenn «Miss Europa» sich nicht fotografieren lässt_«Infosperber»

Rentenalter 90 – aber nur für die Allerreichsten_«Infosperber»

Mit Trump zum Züri Zoo. Höcke ist auch ein Zebra.
(Fällander Tagebuch 8)_«Infosperber»

Ein typischer Mensch – Nationalität vor Qualität
(Fällander Tagebuch 7)_ «Infosperber»

Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland_«Infosperber»

5000 namenlose Tote oder Tripptrapp für Xi Jinping
(Fällander Tagebuch 6)_«Infosperber»

Happy to you: Auch für Flüchtlinge, Meere und Frauen
(Fällander Tagebuch 5)_«Infosperber»

Die Heimkehr in den VPOD_Die Schiwoff-Affäre 10_10, «Infosperber»

Der Prozess & das Urteil_Die Schiwoff-Affäre 9_10, «Infosperber»

Lassen Sie sich scheiden_Die Schiwoff-Affäre 8_10, «Infosperber»

Keine Kollege mehr_Die Schiwoff-Affäre 7_10_«Infosperber»

Wer ins Gymi will, soll sich konform verhalten_«Infosperber»

Die Verhaftung_Die Schiwoff-Affäre 6_10_«Infosperber»

Feindpropaganda bestätigt_Die Schiwoff-Affäre 5_10_«Infosperber»

Folgenschwere Übergabe_Die Schiwoff-Affäre 4_10_«Infosperber»

Berliner Tage_Die Schiwoff-Affäre 3_10_«Infosperber»

Die ersten Bilder fallen_Die Schiwoff-Affäre 2_10_«Infosperber»

Der Krieg und sein Ende_Die Schiwoff-Affäre 1_10_«Infosperber»

Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln
(Mailwechsel mit Stefan Howald 4_4)_«Infosperber», «Theoriekritik»

Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie
(Mailwechsel mit Stefan Howald 3_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratische Bewegung von unten aufbauen»
(Mailwechsel mit Stefan Howald 2_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratie ist eine Praxis»
(Mail-Wechsel mit Stefan Howald 1_4)_
«Infosperber», «Theoriekritik»

Hans ist nicht Bhumibol oder Abhitlern & Toleranz
(Fällander Tagebuch 4) _«Infosperber»

US-Wahlen: Grossmaul schlägt Musterschülerin__«Infosperber»

«Terror». 164:70'000. Voten, Quoten und Optionen._«Infosperber», «PS»

Schwindel am Matterhorn
(Fällander Tagebuch 3) «Infosperber»

Trump, Gilli, Köppel, Houellebecq – alle «Araber»_«Infosperber»

Katzenscheisse, Gämsen, Fussabdrücke und Bigbang
(Fällander Tagebuch 2)_«Infosperber»

Tränen und die letzten Cowboys im zahmen Westen_«Infosperber», «PS»

Burka verbieten – und das Abendland ist gerettet_«Infosperber»

Clinton. Trump. Shoemaker. Die Geschlechterwahl
(Fällander Tagebuch 1)_«Infosperber»

NZZ, (K)alter Krieg & die nützlichen Idioten 2016_«Infosperber»

Der Nackte oder Im Engadin steht die Welt kopf
(Engadiner Tagebuch 7=Schluss)_«Infosperber»

Im Namen der Natur zum Zweiten
(Engadiner Tagebuch 6)_«Infosperber»

1. August 2016 oder Im Namen der Natur zum Ersten
(Engadiner Tagebuch 5) _«Infosperber»

Das zunehmende Erschrecken in den Alpen
(Engadiner Tagebuch 4)_«Infosperber»

Keine Ferien von der Welt oder Bündner Gendereien
(Engadiner Tagebuch_3)_«Infosperber»

Ein Tag im Original-Sylter-XXL-Sonnenkorb: 70 Fr.
(Engadiner Tagebuch 2)_ «Infosperber»

Im Engadin wird vor Schüssen noch gewarnt
(Engadiner Tagebuch 1)
_ «Infosperber»

Verschleiern oder «köpfen».
Das ist hier die Frage.
_«Infosperber»

Typischtypisch oder unser Roger ist ein Deutscher_«Infosperber»

Ab mit der «Scheisse» in den (Fernen) Osten_«Infosperber»

«Einen Boateng» oder die Gaulandsche Verteidigung_«Infosperber»

Wenn der «SonntagsZeitungs»-Chef Lehrerlis spielt_«Infosperber»

Fussball & Gewalt machen «Männer»_«Infosperber»

Ein Schlag – Islam gestoppt & Integration gerettet_«Infosperber»

Blick, Bestie, Bin Laden: 3xB und ein Gesicht oder Rupperswil: Die Sehnsucht nach der «Bestie» I & II _«Infosperber»

Die Welt überfordert uns. Andere bringt sie um._
«Bulletin Solidarité sans frontières»

Nicht totzukriegen – Die ewige Rückkehr der Götter_«Infosperber»

Überdruck und andere einfache Erklärungen_«Infosperber»

SVP: Inszenierung einer Ausgegrenzten & Verfolgten_«Infosperber»

Verzweifelte LehrerInnen filmen – verboten_«Infosperber», «P.S.»

Köppels Grinsen und Glättlis Befreiungsschlag_«Infosperber»

Wenn Menschenrechte für Religionen nicht gelten_«Infosperber»

Brüsseler Hokuspokus: Der liebe Gott hat gepfuscht_«Infosperber»

Schule & Gesellschaft scheitern an der Integration_«Infosperber»

Unterwerfung oder Die Aufklärung ist dem Menschen zumutbar_«Die Gazette»

Lieber Seniorenschwemme als Flüchtlingsflut_«Infosperber», «P.S.»

«Pfefferscharf» gegen Menschenrechte I + II _«Infosperber»

Durchsetzen – Jedem & jeder die eigene Verfassung_«Infosperber», «P.S.»

Volk ohne Kopf oder Einfamilienhaus- & Blockkinder_«Infosperber»

Alles hat seine Obergrenze, selbst der Hunger_«Infosperber»

Die SVP, der Wunschzettel & der Mut zur Opposition_«Infosperber»

Lieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack_«Infosperber»

Economiesuisse und der Besuch der alten Dame_«Infosperber»

Integration in Zeiten des Terrors_«Infosperber», «P.S.»

Sexuelle Lehrjahre im «Puff» – aber nur für Männer_«Infosperber», «P.S.»

Geld oder Deutsch! Der Zuger Handel_«Infosperber»

Wer hat in der Schweiz das Sagen? Frauen nicht._ «Infosperber»

(Rechts-)bürgerliche Opposition am Ende_«Infosperber», «P.S.»

Der «Medienberater» des «Tagi» und «das Klageweib»_«Infosperber»

Kunst & Politik = Sich das ganz andere vorstellen_«Infosperber», «P.S.»

Feindbild Mann – fremd, jung, alleinstehend_«Infosperber»

Freie Rede für Köppel. Andersgläubige. Hassprediger_«Infosperber»

«NZZ a. S.» fordert Aussenpolitik in Militärstiefeln_«Infosperber»

Für wie viel nehmen Sie FialaMörgeliWermuth & Co.?_«Infosperber»

Urlaub von Flüchtlingen & anderen Unbilden_ «Infosperber», «p.s.»

Der Ausweis: das Original – der Mensch:
die Kopie
_«Infosperber», «entwürfe»

Griechenland, das missratene Kind – Eine Nachlese_«Infosperber»

Eltern können für ein Kind eine Katastrophe sein_«Infosperber»

Die faulen Griechen oder Der Neid der Tüchtigen_«Infosperber», «p.s.»

Kriminelle Nationalitäten, Kantone & Co._«Infosperber»

Zeitreise Zürich – SchülerInnen kommen zu Wort_«Infosperber»

Israel, z.B., und die uniformierten VerräterInnen_«Infosperber»

«Kill Zone USA» oder Männliche Waffenlogiken_«Infosperber»

Lehrplan 21 oder die Angst vor den SchülerInnen_«Infosperber», «p.s.»

Bacholerette: Mensch Mann, Frau – schön blöd_«Infosperber», «p.s.»

Detektoren statt Psychiater: Blicke in die Zukunft_«Infosperber»

Der Maurer wird nicht Metzger, sondern Bundesrat_«Infosperber»

Ich & Du & «die Schweiz» gehen k.o._«Infosperber»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation_«Infosperber»

Wer nicht arbeitet, soll sterben_ «Infosperber»

Die Schule macht keine Männer (I + II)_ «Infosperber»

Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. _«Infosperber»

Freiheitskämpfer. Soldaten. Mörder. Unmenschen._«Infosperber»

Die Natur- und Mutter-Mythen des Roger K. _«Infosperber»

Mörder(innen) verstehen = selbst Mörder(in) werden_«Infosperber»

Männer oder Opfer, Frauen oder TäterInnen (I + II)_«Infosperber», «p.s.»

Bedroht von Ökonomisierung & Ökologisierung_«Infosperber.ch»

Das böse Spiel am Runden Tisch_ «www.Infosperber»

Vollbeschäftigung für fünf Franken in der Stunde_«Infosperber»

Weniger degustieren – mehr lesen_«Infosperber»

Kauf&Nutzung – Nur mit Bedarfsnachweis _«Infosperber»

Aufklären, aufgeilen, aufhetzen – Paradoxe Bilder _«Infosperber»

«Carlos» oder Es wird weiter «geblickelt» _«Infosperber»

Wenn der Einzelfall öffentlich wird_«Infosperber», «P.S.»

Wer, ganz nebenbei, ist «die Wirtschaft»?_«Infosperber», «p.s.»

Wir lassen Menschen auch verhungern_«Infosperber»

Parallelwelten oder Wenn Not erfinderisch macht _«Infosperber»

«Notnagel» Frauen _«Infosperber»

Eine Goldmedaille macht noch keine Inklusion _«Infosperber»

Wenn eine Baden-Reise öffentlich bedeutsam wird _«Infosperber»

Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen _«Infosperber

Wenn sich nur noch SiegerInnen aufs Podest drängen _«Infosperber»

Betet, freie Schweizerinnen, betet! _«Infosperber»

«… im Zweifel für die (potenziellen) Opfer» _«Infosperber»

Merkblatt für Flüchtlinge und andere Asylanten _«Infosperber»

Schwingerkönig oder Mister Schweiz sind Wurst _«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Bild, das den Krieg beendet _«Infosperber»

Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten _«Infosperber

Wann ist ein Vater (m)ein Vater?_«Infosperber»

Das Stockholm-Syndrom oder Sich vorstellen können, dass es auch ganz anders sein könnte (auf «Infosperber»)
_In: «Schlafes Bruder, wann stirbst du endlich?» «Der Bund» Essay-Wettbewerb - Die 20 Besten. Zürich: Offizin, 2014

Abseits des normierten Schulparcours lernen
_«WOZ - Die Wochenzeitung»

Menschen sind gefragt, wenn sie gebraucht werden _«Infosperber

Eine gesunde Schule wäre eine andere Schule _«Infosperber»

Wenn das Volk zu aktiv wird_«Infosperber»

Wer braucht einen wie Blocher _«Infosperber»

Taten statt Worte oder Die Schule macht keine Männer_Knaben und Mädchen - heute gleichgestellt? Referate und Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule, Chur, 10.4.2014

Das individuelle Treatment oder Der Tag, an dem ich das Telefon abnahm - Ein Dank_unveröffentlicht

Prostitution beschädigt auch den Käufer_«Infosperber» und «p.s.»

Wenn Menschen als Belastung der Natur erscheinen_«Infosperber»

Als gäbe es sie nicht _«Infosperber»

Moralische Konsequenzen_«Infosperber»

Die Angst vor der Gleichheit - Buch-Beitrag zu «Ein Haus verändert das Leben - Geschichten und Visionen», Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Kein Geld für Psychotherapien mit Goldfischen_«Infosperber»

Weniger Staat, mehr Staatsschutz_«Infosperber»

Tarnkappen für alle_«Infosperber»

Verantwortungs-Los_«Infosperber»

Frau Präsidentin - Sie sind der schönste aller oder Herrenwitze und andere Übergriffe_Jahresbericht Frauenberatung Sexuelle Gewalt

Der Mörder steht immer draussen vor der Tür_«Infosperber»

Unbekannt_unveröffentlicht

Das individuelle Treatment
- Ein Dank

Das letzte Wort

Lieber Kohl in Speyer
als Vagabund in Hinterau

An der Leiche eines Bundeskanzlers zerren sie, einen toten Schirmflicker schieben sie herum. Beides hat etwas Satirisches.

Es war still geworden um den Mann, den sie Birne nannten, obwohl er Kohl hiess. Nur noch selten stiess seine Frau, die offiziell seine zweite war, den Pflegebedürftigen – den EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani im Rahmen des Europäischen Traueraktes einen «politischen Giganten» nennt (Spiegel online) – in irgendein Scheinwerferlicht. Seine Söhne aus erster Ehe beklagten sich regelmässig in Büchern und Talkshows über die Familie, die nur auf Wahlplakaten eine heile war. Wenn er am 16. Juni 2017 nicht gestorben wäre, der Mann – den «treulose» Weggefährten wegen der illegalen Entgegennahme von Parteispenden in der Höhe von zwei Millionen, damals noch Mark, zur Rückgabe des Ehrenvorsitzes seiner Partei drängen mussten – wäre, vermutlich, irgendwann einfach vergessen gegangen. Aber der Tod erinnert (manchmal) an ein Leben. Der Tod macht (einige) unsterblich. Denn keiner, ausser Bond, James Bond, stirbt zwei Mal.

Ehe für alle oder geistig-moralische Wende?

24 Stunden nachdem der deutsche Bundestag die Ehe für alle beschlossen hat, wird der Kanzler der «geistig-moralischen Wende» zu Grabe geflogengefahrengetragen. Seine damalige Ankündigung, schreibt der Spiegel am 24. Juni, sei «eine Kampfansage an die Spättruppen der verhassten 68er» gewesen, «die alles als spiessig denunzierten, was für die Generation Kohl Normalität war». Hätte der christdemokratische Altkanzler gegen die Öffnung oder Verluderung der Ehe gestimmt? Mit der amtierenden CDU-Kanzlerin, die er, laut Welt online, einst eine «Generalverräterin» genannt? Hätte er, Seite an Seite mit den acht muslimischen Abgeordneten – die, so die Huffington Post, «geschlossen für die Ehe für alle» votiert hätten –, dem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare zum Durchbruch verholfen? Oder hätte er, auf andere, womöglich eigene Normalitäten verweisend, gespottet, das sei noch lange keine Ehe für alle; was, wenn Homosexuelle oder Heterosexuelle nicht brav in (serieller) Monogamie lebten, sondern, polyamor, gleichzeitig mehr als einen oder eine liebten und nur durch die Vielehe in Gleichheit miteinander verbunden werden könnten?

Aber als die Sieger mit den Siegerinnen im deutschen Parlament auf die plötzliche Wende in der Familienpolitik anstossen, steht sein Sarg schon bereit für den grenzüberschreitenden «langen Abschied von Helmut Kohl» (SRF online). Der beginnt am 1. Juli 2017 um 11.00 Uhr mit dem ersten «Trauerakt der EU für einen grossen Politiker aus ihren Reihen» (SRF online) in Strassburg. Per Helikopter geht’s anschliessend in Kohls Heimatstadt Ludwigshafen, von dort nach Speyer, wo Totenmesse, grosses militärisches Ehrengeleit und schliesslich die Beisetzung im «engeren Familien- und Freundeskreis» (www.rundschau-online.de) folgen. Als wäre die Zeit irgendwann vor vielen Jahren stillgestanden, trippeln Offiziere und Admirale – die sich wie die ersten Roboter bewegen – mit dem Sarg durchs Fernsehbild, Bischöfe und Kardinäle versprühen Weihrauch, garantieren dem, der an den Heiland geglaubt, den Einzug ins ewige Himmelreich.

Strassburg versus Berlin, Speyer gegen Ludwigshafen

Bevor da einer, der nichts mehr davon spürt, seine letzte Ruhe findet, versuchen sie, die Leiche des «grossen Deutschen» (Bild online) – der tatsächlich gross und schwer war – dahin- und dorthin zu zerren. Am liebsten, so scheint es, würden sie ihn zehn Mal in die Grube gleiten lassen. Natürlich im Scheinwerferlicht, das auch sie ein wenig bestrahlt. Wer sich «vor einem Grossen» verneigt, macht sich selber grösser. Versucht, Geschichte zu schreiben. Hat der «Ehrenbürger Europas», Helmut Kohl, Geschichte gemacht? Oder hat die Geschichte ihn gemacht? Weil er zur rechten Zeit, Fall der Mauer, am richtigen Ort, im Kanzleramt der Bundesrepublik Deutschland, war?

Unter welcher Flagge soll der «Kanzler der Einheit» seine letzte Reise antreten? (Der Sarg wird dann jenseits der deutschen Grenze in europäisches Blau mit goldenen Sternen gehüllt, bevor sich in Ludwigshafen der Reichsadler SchwarzRotGelb wieder über ihn beugt.) Wo soll der offizielle Trauerakt stattfinden? In welchem Grab seine «sterblichen Überreste» mit hundskommunen Molekülen neue Verbindungen eingehen?

Es muss ordentlich gestritten worden sein, hinter den Kulissen, wenn die Beteiligten überhaupt miteinander geredet haben, was nicht gesichert ist. Der Tagesanzeiger, der die Witwe «Kohls Bauchrednerin» nennt, schreibt: «Maike Kohl-Richter entführt den offiziellen Trauerakt für den verstorbenen deutschen Ex-Kanzler nach Strassburg, um ihn dem ‹undankbaren Deutschland› vorzuenthalten.» Die Berliner Zeitung klagt: «Kohl verweigert dem Staat, den er 16 Jahre lang regiert hat, die letzte öffentliche Würdigung seiner Person.» Die Zeit fragt: «War es Rachsucht, dass Kohl keinen deutschen, sondern einen europäischen Trauerakt wollte?» Und CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert hält fest, «Art und Ort der Würdigung einer solch herausragenden Lebensleistung in und für Deutschland seien ‹bei allem Respekt nicht nur eine Familienangelegenheit› …» (www.rp-online.de).

Und diese Kohlsche Sippe liegt sich erst noch in den Haaren. Walter Kohl «fordert Staatsakt am Brandenburger Tor», weiss der Tagesspiegel online. Und im Interview mit der Zeit wird Sohn Walter noch deutlicher: «Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer [statt in Ludwigshafen, wo die Kohls ein Familiengrab haben] soll sein politisches Lebenswerk von seiner Frau Hannelore getrennt werden.» Hannelore Kohl hatte sich, an einer Lichtallergie leidend, im Jahre 2001, nach 41 Jahren Ehe mit Helmut Kohl, umgebracht. «Meine Mutter hat ihn über Jahrzehnte getragen… Deshalb finde ich es richtig, wenn er neben ihr seine letzte Ruhe findet. Für mich ist klar: Hannelore Kohl darf nicht einfach weggekürzt werden.»

Auch wenn Bild die Botschaft des Bischofs im Rahmen des Speyerschen Requiems auf die einfache Formel «Hier, vor Gott, endet jedes Zerwürfnis» bringt – die Familien Helmut Kohls werden, im Gegensatz zu den beiden Deutschland, auch nach seinem Tod nicht zusammenwachsen. Söhne und Enkel aus erster Ehe nehmen nicht an der privaten Beisetzung in Speyer teil. «Auch um jeden Eindruck zu vermeiden, ich würde dies gutheissen.» Lässt sich Walter Kohl vom Tagesspiegel am 23. Juni zitieren. «Ich finde die bisherige Entwicklung unwürdig für meinen Vater, für Deutschland und für Europa.» Stern-Autorin Ulrike Posche schreibt am 1. Juli über Kohls letzte Frau, die auch schon mal als «Familienzerstörerin» diffamiert wird: «Er war ihre Lebensliebe. Und es war kein Opfer, dass sie bei ihm blieb. Maike Kohl-Richter ist 53 Jahre alt. Sie hat Helmut Kohl ihr Leben geschenkt. Mehr kann eine liebende Frau für ihren Mann nicht tun.» Deutsche Toten-, Frauen-, Männer- und Familiengeschichten im Sommer 2017.

Hinterau – Vorderau retour

In der Erzählung «Begräbnis eines Schirmflickers» – die 1979 von Xavier Koller unter dem Titel «Das gefrorene Herz» mit Paul Bühlmann und Sigfrit Steiner verfilmt wurde – lässt der Schweizer Schriftsteller Meinrad Inglin (1893 – 1971) die Gemeinderäte von Hinterau die Leiche eines Schirmflickers über die Grenze nach Vorderau schieben. Beobachtet von seinem Saufkumpan untersuchen die Herren «den Toten flüchtig und schienen sich zu ärgern, dass ein Landstreicher ausgerechnet hier erfrieren und ihnen dadurch unnütze Mühen und Kosten aufhalsen durfte». Der Korbflicker, den Inglin als den pfiffigeren der beiden beschreibt, verbringt die «eiskalte[n], klare[n] Januarnacht» in einem «kleinen Gaden», bedeckt mit Streue, während der Schirmflicker «unbedingt noch an diesem Abend nach Hinterau» will. Kaum hat der Schnapser «die Grenze zwischen den beiden Gemeinden überschritten …, stolperte er über einen Wurzelstock und fiel hin …, wollte einen Augenblick liegenbleiben, doch er lag so bequem im weichen Schnee, dass er rasch einschlief.» Und nie mehr erwacht.

Inglin zeichnet den Korbflicker nicht nur in Bezug auf das Verbringen von Winternächten, sondern auch in Sachen Geldbeschaffung als überlebenstüchtig. Der listige Vagabund lässt sich im weiteren Verlauf der Geschichte von den Vorderauern beziehungsweise Hinterauern dafür bezahlen, dass er den Vorderauern verschweigt, dass die Hinterauer ihnen «mit dem Toten etwas entgegengegangen» sind beziehungsweise, umgekehrt, dass er «den steifen Mann» für die Vorderauer wieder nach Hinterau zurückschiebt. Mit einem Trick – der hier nicht verraten sein soll, Inglin lesen – sorgt der Landstreicher dafür, dass die Hinterauer die Leiche seines Kollegen, den er vor dieser Nacht noch nie gesehen hat, behalten «und verschwand auf Nimmerwiedersehen aus der Gegend dieser beiden Gemeinden».  

An den einen zerren sie, die andern schieben sie ab

Und die Moral von der Geschichte: Lieber ein Kohl in Speyer als ein Schirmflicker in Vorderau. Nicht einmal vor (oder nach) dem Tode sind alle gleich. Die einen, der Kohl beispielsweise, werden von allen (heran)gezerrt, die anderen, so der namenlose Schirmflicker, werden geschoben, herumgeschoben, abgeschoben. Was Inglin nicht wusste: Schweizer Gemeinden bezahlen in unserem Jahrhundert einerseits gutes Geld dafür, dass sie keine Flüchtlinge – und das müssen keine Vagabunden sein – «übernehmen» müssen, andrerseits locken sie Wirtschaftsflüchtlinge höherer Kategorien mit Steuerabkommen in irdische Paradiese.

Siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Klaus Rózsa, Fotograf:
Budapest – Zürich retour

«Der hat viel durchgemacht», sagt der Sicherheitsvorsteher über den «Polizistenschreck», dem Polizisten schon mal Angst machen.

In Winterthur beginnt eine mir unvertraute Welt. Fast steige ich, Hauptsache ostwärts, in den Zug nach Romanshorn. Überall Grüppchen von Männern und Frauen in Kleidern, die der Fremdenführer chinesischen Touristinnen begeistert als typisch einheimische Trachten – es soll in der Schweiz rund 700 verschiedene davon geben – schildern würde. Sie sind auf dem Heimweg vom Eidgenössischen Jodlerfest, dieses Jahr in Brig-Glis. Schliesslich sitze ich doch noch in einem Wagen nach St. Gallen, wo eines dieser Trachtengrüppchen mit mir im Bus nach Heiden Platz nimmt. Zum Glück sind sie zu müde für einen eidgenössischen Abgesang.

Prügelnde Polizisten und Steinewerfer in Heiden

Als ich in Heiden, gegenüber der Kirche mit der Türinschrift «Zur Ehre Gottes» aussteige, sitzen schon keine Männer mit roten Chutteli, weissen Hemden, schwarzen Hosen und weissen Wollsöckli mit luftigen Löchern, keine Frauen mit weissen Puffärmeln, blaugrünen Röcken und schwarzen Spitzenhäubchen mehr im Bus. Sie wollen den Film nicht sehen, den der stellvertretende Landammann Matthias Weishaupt, der rote Direktor des Departementes Gesundheit und Soziales mit Appenzeller Ohrringli, ins Kino Rosental geholt hat.

An diesem warmen Juni-Abend des Jahres 2017 flimmern Bilder von prügelnden Polizisten und Steine Werfenden aus dem fernen Zürich der Achtzigerjahre über die Leinwand des 1935, «mitten in der Wirtschaftskrise und gegen den Widerstand der Gemeindeverantwortlichen» (Website Kino Rosental) eröffneten «Lichtspieltheaters». Die im Saal anwesenden Heidenerinnen und Heidener werden sich kaum an das Geschwisterpaar erinnern, das zu Beginn des Films «Staatenlos – Klaus Rózsa, Fotograf» von russischen Soldaten in einen Budapester Luftschutzkeller hinuntergetragen wird. Das war 1956, dem Jahr des ungarischen Aufstands und dessen Niederschlagung durch sowjetische Truppen.

«Das war für die Eltern eine schreckliche Situation, weil sie als Juden schon den 2. Weltkrieg erlebt haben», erzählt Olga Majumder-Rózsa, die ältere Schwester von Klaus Rózsa, in Erich Schmids Film, den die Weltwoche «ein brennendes Zeitdokument» nennt. «Vor allem für uns Kinder wollten sie nicht, dass wir nochmals etwas Ähnliches erleben, wie sie es erlebt haben. Da beschlossen sie, das Land zu verlassen.» Flüchteten in die Schweiz, wo der zweijährige Klaus und die vierjährige Olga «für längere Zeit in ein jüdisches Kinderheim» kamen, das Kinderheim Wartmann in Heiden, im Film fälschlicherweise Waldheim genannt. Darauf weist Regisseur Erich Schmid selber hin, bevor der Projektor die Bilder der Familie Rózsa an die Wand wirft, die in der Schweiz – obwohl, Kalter Krieg, in der richtigen Richtung geflohen – nicht überall willkommen war.

Die laute, die aggressive, die verzweifelte Stimme

Klaus Rózsa – das ist für mich vor allem die Erinnerung an eine Stimme, eine laute und aggressive Stimme. Die einem Mann mit einem Fotoapparat gehörte, der sich häufig zuvorderst, in diesem «Niemandsland» zwischen den als «Chaoten» Diffamierten und den als «Bullen» Beschimpften, bewegte. Vor allem in den Jahren der «Bewegig», die 1980/81 mit ihren Slogans «Freie Sicht aufs Mittelmeer» und «Keine Macht für niemand» sowie durch die mehrmals in Scherben gelegte Zürcher Bahnhofstrasse europaweit bekannt wurde.

Der Film von Erich Schmid – den ich erstmals im Kino Uto in Zürich sehe – verändert, erweitert mein Bild von diesem Mann, in dessen Biografie sich ein Stück Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegelt, die in den Dreissigerjahren und deren Folgen wurzelt. «1956 aus Ungarn geflüchtet, war Klaus Rózsa 40 Jahre lang aus politischen Gründen staatenlos. Die Polizei verfolgte ihn als Gewerkschafter, Ausländer, linken Journalisten und verdeckt auch als Juden. Ein Biopic zur Pressefreiheit im Zusammenhang mit den politischen Bewegungen der letzten Jahrzehnte in der Schweiz.» Schreibt der Regisseur über seinen Hauptdarsteller, der mit einem Vater aufgewachsen ist, der aus Auschwitz zurückkam, der als Kleinkind durch Europa in die Schweiz flüchtete, dessen Mutter früh starb, der auf Zürichs Strassen immer wieder von der Polizei verprügelt wurde, der nach drei abgewiesenen Einbürgerungsgesuchen den roten Pass erst durch Heirat mit einer Schweizerin bekam.

Nachdem ich das «Lehrstück über die Tragfähigkeit, Fehlbarkeit und Belastbarkeit des Rechtsstaates» (Björn Hayer in der Neuen Zürcher Zeitung) gesehen habe, höre ich in dieser Stimme auch so etwas wie Verzweiflung. «Durchaus», sagt der Mann mit der Stimme, die auch anders kann, «Verzweiflung darüber, dass mich schon wieder ein Polizist ‹anhaut› und sagt, ich solle ‹verreise›. Dann rufe ich aus: Ich ‹verreise› nicht, ich bleibe da, ich habe das Recht! Meine laute Stimme ist die einzige Waffe, die ich habe.» Nach dem Besuch des Films «Staatenlos», sagt der Stadtrat und Sicherheitsvorsteher Richard Wolff – den ich fälschlicherweise als Polizeichef bezeichnen will –, habe er gedacht: «Krass, was Klaus Rózsa in seinem Leben alles passiert ist. Beeindruckend, dass er sich nie hat einschüchtern lassen.»

Das Opfer, das keines sein will und Kuchen isst

«Ich fühle mich nicht als Opfer», betont Klaus Rózsa, als ich ihn im Café Motta, das einst das Gran Café war, am Limmatquai treffe. In der Nähe der Grossmünsterterrasse, wo Polizisten damals auch mich, trotz Presseausweis, wegwiesen, «wir kennen Sie, Meier!» brüllten und Gewehrläufe auf mich richteten, weil ihre Kollegen unten vor dem Helmhaus einen jungen Mann unsanft übers Tramgeleise schleiften. Ich verzog mich Richtung Hirschenplatz, Gummigeschosse prallten an meinem Rücken ab. Eines dieser schwarzen, rund drei Zentimeter langen, sechskantigen Dinger – die heute als Schrot bezeichnet werden – stand noch jahrelang in meinem Büchergestell. Er wolle nicht als Opfer dargestellt werden. Auch wenn alles, was der Film zeige, passiert sei, und noch viel mehr – «ich bin ja nicht ausgeflippt oder in der Droge gelandet wie viele». Er habe immer auch Solidarität gespürt, sei von seinem (politischen) Umfeld getragen worden, er selbst sei «relativ gut damit umgegangen», findet er und beisst genussvoll in den Apfelstrudel, den er sich bestellt hat. «Ich bin ein Lebemann, du siehst, ich esse Kuchen und trinke; hätte ich keinen Kuchen, ich hätte einen Aperol Spritz genommen oder ein Glas Sekt.»

Klaus Rózsa bekam nicht nur Schläge, er hatte auch Erfolg. «Als Präsident der Schweizer Journalisten-Gewerkschaft, als Mitglied des Schweizer Presserats und Präsident des Zürcher Gewerkschaftsbundes», heisst es im Film, habe er «jahrelang dafür gekämpft, dass Fotografen bei Polizeieinsätzen nicht mehr behindert werden» dürfen, sondern das Recht haben, die Polizei bei der Arbeit zu fotografieren und zu filmen. «Das hat Klaus durchgesetzt.» Anerkennt der ehemalige Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Stadt Zürich Koni Loepfe. Heute dürfte unser Plakat für das sogenannte Zürcher Tribunal 1981 nicht mehr verboten werden. Text: «Bewegung ist gesund, aber wer gesund lebt, lebt gefährlich.» Das Bild zeige, so die Stadtpolizei Zürich damals in ihrer Ablehnungsbegründung, «eine Verhaftszene anlässlich eines ordnungsdienstlichen Einsatzes von Polizeikräften», das heisst fünf Polizisten, die einen Demonstranten packen und wegschleppen. «Gemäss Hinweis im ‹Eisbrecher› vom 17. Januar 1981», schrieb die Stadtpolizei weiter, «soll in diesem ‹Tribunal› u.a. öffentlich die ‹Gewalt der Polizei› und ‹die Justizrepression› dokumentiert werden. Auf Grund der Erfahrungen mit Veranstaltungen im Zusammenhang mit der sogenannten Zürcher Bewegung besteht jedoch die Gefahr, dass an diesen Veranstaltungen die Besucher in unsachlicher Art und Weise emotional aufgeladen werden und sich im Anschluss daran unbewilligte Demonstrationszüge durch die Stadt mit entsprechenden Sachbeschädigungen ereignen können.»

Bei der Polizei werden sie keine Freude am Bundesgericht gehabt haben, das Klaus Rózsa mehrmals recht gibt. Sichtwechsel. Aus einem alten Schulungsfilm der Stadtpolizei Zürich, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig: «Rücksichtslose Fotografen strapazierten die angespannten Nerven der eingesetzten Beamten zusätzlich, indem sie mit Nahaufnahmen förmlich ihre Gedanken zu ergründen versuchten und ihnen mit Mikrophonen vor dem Gesicht herumfuchtelten. Die Beamten liessen sich aber keineswegs aus der Ruhe bringen.» Das wird nicht nur Klaus Rózsa anders erlebt haben. Seine Hartnäckigkeit und Sturheit auf der Strasse sowie vor Gericht mögen Gründe für die Attacken aus Polizeikreisen sein, die nicht anders als gezielt genannt werden können. «Klaus war der Unerschrockenste und hat ununterbrochen Übergriffe der Polizei fotografiert», gibt sein Anwalt, der ehemalige SP-Kantonsrat Franz Schumacher, im Film zu Protokoll, «deshalb versuchte man ihn auszuschalten. Das geschah mit Prügeln, mit Treten, mit wüsten Beschimpfungen, Drohungen usw.»

Zum Beispiel an einem Abend im März 1982. Hinter dem Hauptbahnhof, da, wo heute ein Carparkplatz für Reisen in alle Welt ist, waren tagsüber Bagger aufgefahren und hatten auf Anordnung des Stadtrats das Autonome Jugendzentrum dem Erdboden gleich gemacht. Vor dem damaligen Warenhaus Ober wurde das Auto von Rózsa und seinem Kollegen gestoppt. Der Taxifahrer Bruno Schöffel beobachtete, wie zehn bis zwölf Beamte in Kampfmontur ausstiegen, Rózsa aus dem Wagen rissen. «Der Fahrer stieg aus, rannte vorwärts und trat mit dem Stiefel Klaus Rózsa an den Kopf. Ich schlief schlecht in jener Nacht ... Ich wusste nicht, was ich machen soll ... In der Zeitung hiess es, es gäbe keine Zeugen. Daraufhin entschloss ich mich auszusagen» (aus Film).

Drei Stadtpolizisten wurden verurteilt. Zu einer bedingten Gefängnisstrafe. Rózsa selbst weiss nicht mehr, was vor dem Modehaus passierte. Er hatte keine Zeit, Angst zu bekommen, fiel schnell in schützende Ohnmacht und, so gibt er 2017 an, erwachte erst in einer Zelle im Kripogebäude wieder. «Als ich dort abgeholt wurde», setzt die Erinnerung wieder ein, «kamen mir zwei Polizisten entgegen. Der eine sagte zu mir: ‹Das nächste Mal gebe ich Gas und überfahre dich!› – Dann sagte der andere Polizist zu ihm: ‹Du kannst ihm doch gleich die Kugel geben. Es wäre nicht schade um ihn!›» Späte Erinnerungen, für die es keine Zeugen, nur Befangene gibt.

«Das waren raue Zeiten»

Das waren andere Zeiten, erinnert sich Richard Wolff von der Alternativen Liste bei meinem Besuch im Amtshaus 1. «Raue Zeiten», sagt er im Juni 2017. Und meint die Zeiten in den Achtzigerjahren. Für Klaus Rózsa wird es am 4. Juli 2008, da war Wolff noch nicht Stadtrat, noch einmal rau. «Die Polizei löste damals eine Besetzung des alten, ungenutzten Stadions Hardturm in Zürich auf. Rózsa fotografierte und wurde von zwei Polizisten unsanft festgenommen.» Schreibt die Neue Zürcher Zeitung am 26. August 2013. Er empfindet die Polizisten als besonders aggressiv. «Ich habe noch nie in meinem Leben, weder vorher noch nachher, das Gefühl gehabt, ich sterbe», erzählt Klaus Rózsa 2017 bei Apfelstrudel und Mineral. «Die Polizisten sind rennend hergekommen, zwei davon haben Gummigeschosse herumgeschossen, die anderen beiden haben sofort auf die Leute eingeschlagen. Ich habe aus relativ grosser Distanz angefangen zu fotografieren.» Beschreibt er die Situation in «Staatenlos». «Die Jungen haben versucht, das Gittertor zuzumachen, und die Polizisten haben versucht, das zu verhindern. Einer rannte auf mich zu und sagte: ‹Rózsa, du Arschloch, da wird nicht fotografiert!›, griff an meine Kamera und versuchte, sie zu Boden zu schlagen. Ich zog mich zurück. Unmittelbar vor dem Auto wurde ich von hinten zu Boden gerissen. Ich konnte die Kamera, während ich fiel, gerade noch Susann übergeben.» Susann Wach Rózsa fotografierte, während die Polizisten weitermachten und er sie anschrie, mit Worten, die vermutlich nicht im Duden stehen. «Ein Beamter würgte ihn mit dem Ellbogen», berichtet seine Frau. «Sie machten ihm die ‹Brennnessel›, und ich schrie: ‹Lasst ihn los, er kommt in den Spital!›»

Rózsa klagt gegen die Polizisten – wegen Körperverletzung. Die Polizisten gegen ihn – wegen Ehrverletzung. Die Gerichtsverfahren, vom Bezirksgericht übers Obergericht zum Bundesgericht und zurück, dauern acht Jahre. Am Ende wird Klaus Rózsa wegen übler Nachrede und Polizistenbeschimpfung verurteilt, die Polizisten werden, wie meistens, freigesprochen. Amtsmissbrauch und Körperverletzung sind danach definitiv verjährt. Bemerkenswert, wie unterschiedlich die verschiedenen Gerichtsinstanzen das Geschehen beurteilen. 2013 schätzt das Zürcher Obergericht die Festnahme Rózsas als nicht gerechtfertigt ein. «Ein gewisser Widerstand in der damaligen Situation könne dem Fotografen nicht zur Last gelegt werden. Polizisten müssten sich gefallen lassen, dass ihre Arbeit gefilmt und fotografiert werde.» Protokolliert die NZZ am 26.8.2013. Rózsa, fasst der Tagesanzeiger die Argumentation des Obergerichts zusammen, habe «niemanden behindert», vielmehr in dieser Situation sogar «ein ‹Widerstandsrecht› gehabt». Das kümmert das Bezirksgericht 2015 nicht: «Es gehe nicht darum», so der Tagesanzeiger, «was ein Gericht nachträglich feststelle, sondern wie die Beamten vor Ort die Lage einschätzten.» Eine bemerkenswerte Aussage in einem Rechtsstaat – polizeiliches Ermessen vor rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren.

Wenn alle Regeln nicht mehr gelten

«Man hat Klaus Rózsa als Augenzeugen von unverhältnismässiger Polizeigewalt kriminalisiert. Sollte sich dieser Trend zuspitzen, geht unsere Gesellschaft in diesem Bereich wieder in Richtung Polizeistaat, wie er während der Jugendunruhen der 80er Jahre existierte.» Kommentiert Erich Schmid am 11. Juni 2012 auf Infosperber. Franz Schumacher fühlt sich im Film an eben jene Achtzigerjahre erinnert, wenn er erfahre, «wie eine Diktatur errichtet wird oder zu Fall kommt, in Griechenland oder in Chile oder wo auch immer… Dann verstehe ich auch, dass solche Dinge geschehen. Wie dies funktioniert. Wie plötzlich alle Regeln nicht mehr gelten. Das heisst für mich, dass die Menschen offenbar so funktionieren, dass ein grosser Teil sich sofort damit abfindet. Und so funktionieren totalitäre Staaten. Wir sind das ja nicht. Aber in solchen Situationen bekommt man den Geschmack, das Gefühl, den Geruch, was es bedeutet, in einem totalitären Staat zu leben.»

Nach jenem 4. Juli 2008 hat Rózsa Angst, was er früher so nicht kannte. «Ich konnte nicht mehr in Zürich bleiben. Es war unmöglich, mich in Zürich zu bewegen. Ich bekam Schweissausbrüche, Angstzustände, wenn ich einen Zürcher Polizisten bloss von Weitem sah.» Der Sohn von Ungarnflüchtlingen war mit seiner Frau schon vorher nach Budapest geflohen. Die Szene neben dem Hardturmstadion war gewissermassen das erste, was sie, neuerdings als Tourist_innen, in Zürich erlebten. «Wenn du hier auf der Strasse gehst», in Budapest meint der Zürich-Geschädigte, «siehst du in einem Tag nicht so viele Polizisten wie in Zürich in einer Viertelstunde.» Fast will ich patriotisch werden, Zürich gegen Orbáns Ungarn verteidigen. Was Schumacher über das Zürich der Achtzigerjahre sagt, gilt nicht für das Zürich 2017. Aber ich war noch nie in Budapest, was könnte ich dem ungarisch-schweizerischen Doppelbürger Rózsa, der inzwischen wieder häufiger in der Schweiz ist als im ungarischen Exil, auch wegen des Films, was könnte ich ihm entgegenhalten? Zum Glück lässt Erich Schmid, als Kontrapunkt zum fast schon begeisterten Ungaren Rózsa, die Garde der rechtsradikalen Jobbik, der drittstärksten Partei im Parlament, durchs Bild marschieren, dass es einem unheimlich wird.

Traumatische Zeiten

In Budapest diagnostiziert eine Notfallpsychiaterin eine «post-traumatische Störung» und will gar nicht glauben, dass die Fotos vom Hardturm, die ihr Klaus Rózsa zeigt, Zürcher Realität abbilden. «So etwas gibt es in Zürich nicht.» Ist die Frau überzeugt, die bis dahin nur das «Reiseland Schweiz» gekannt haben wird. In einem Trauma sieht auch Filmer Erich Schmid Gründe für die vielen Konfrontationen Rózsas mit der Staatsgewalt. «Die Psychologie spricht bei traumatisierten Menschen vom sogenannten Wiederholungszwang», schreibt er im Pressedossier zum Film. «Erlebtes Unrecht wird immer wieder neu erlebt, um es zu korrigieren. Bei Klaus ist die Rede vom erlebten Unrecht der ganzen Familie, das er von den Eltern mitbekommen hatte, und dem selbst erlebten in früher Kindheit.»

Franz Schumacher denkt nach einer Begegnung mit Rózsas Vater, dem Überlebenden von Auschwitz – «ein kleiner gebeugter Mann, wahnsinnig ängstlich wirkte er» –, «dass sich Klaus anstelle seines Vaters gegen die Willkür besonders engagiert. Der totalitäre Teil des Staates, den jeder Staat ein Stück weit in sich hat – der machte ihn rasend. Das hat damit zu tun, dass er gezeichnet war durch das Schicksal eines jüdischen Menschen im deutschen Konzentrationslager» (Zitat aus Film). Das heisst, das durch das Trauma des Vaters mitgeprägte Kind, kämpft, erwachsen geworden, den Kampf, den der Vater nicht gekämpft hat – bei jeder Gelegenheit.

Was hätte dein Vater gemacht, wenn er beim Hardturm im Auto gesessen hätte? Will ich wissen. «Nichts wie weg!» Rózsa antwortet ohne zu zögern. Bestätigt, der Vater sei «das Gegenteil von mir. Meine Mutter war wie ich. Dieses Aufbrausende, das Vehemente, vielleicht auch Rechthaberische – das habe ich von meiner Mutter, die aber sehr früh gestorben ist. Mein Vater war der harmoniebedürftigste, netteste, freundlichste, humorvollste Mensch, den man sich vorstellen kann. Nu nie Lämpe ha. Mit niemandem.» Klaus Rózsa ist anders als sein Vater. Das «Rózsa! Uswiis!» – das Thierry Frochaux über seine Filmbesprechung im P.S. setzt und auch Koni Loepfe im Kopf hängen geblieben ist – reizt ihn, polizeilichen Wegweisungen widersetzt er sich chronisch. «Ich bleibe stehen», imitiert er grinsend die Stimme eines trotzigen Kindes. «Es ist mein gutes Recht, da zu stehen.» Und verweist auf die erstrittenen Bundesgerichtsurteile.

«Diese Unrechtserfahrungen führten sozusagen seine Kamera immer wieder ganz nah an die Polizeiübergriffe heran, näher als andere Fotografen, die sich, etwa bei Krawallen, jeweils soweit wie möglich von Klaus entfernten, weil, wie ein Berufskollege es einmal ausdrückte, ‹die Gummigeschosse und das Tränengas immer dorthin flogen, wo Klaus stand›.» Schreibt Erich Schmid, der Klaus Rózsa einen Freund, seinen Film einen subjektiven Autorenfilm nennt. «Damit ist deklariert, dass die Wahrheit des Films meine Wahrheit ist, dass die Person, deren Geschichte ich darstelle, die Person ist, wie ich sie sehe und dass die Gesellschaft, die sich darin reflektiert, jene gesellschaftlichen Aspekte berühren, die mich beschäftigen.» Das hat auch der Journalist Björn Hayer von der NZZ – deren Lokalteil noch nie durch besonders polizeikritische Einlassungen aufgefallen ist – bemerkt. Der Filmer, schreibt er, ergreife «in seiner Schilderung eindeutig Partei für den umstrittenen Aktivisten», um dann – für das von uns damals als «alte Tante» verspottete Blatt überraschend – festzustellen: «Allerdings scheint dessen Causa auch derart skandalös, dass eine Ehrenrettung des Fotografen wohl als längst überfällig bezeichnet werden muss.» Eine offizielle Antwort auf Erich Schmids Forderung nach «Wiedergutmachung für die Nichteinbürgerung von Klaus Rózsa» steht noch aus.

Provokationen und Prügel

Klaus Rózsa lässt sich provozieren und provoziert. Immer wieder bin ich beim Schreiben dieses Textes mit Hinweisen auf seinen Anteil am Erlittenen, auf Ausfälligkeiten von seiner Seite konfrontiert. Zum Beispiel, wenn er irgendwo Antisemitismus wittert. Seit seiner ersten Reise nach Israel ist der «überzeugte Atheist» ein «knallharter Verteidiger Israels» (Rózsa über Rózsa). «Täglich verbringe ich rund zwei Stunden auf Facebook. Wenn ich Einträge von linken Antisemiten und Palästina-Verherrlichern entdecke, dann reagiere ich sofort.» Und das nicht immer freundlich, sondern einigermassen gnadenlos – auch gegenüber Befreundeten oder politisch durchaus Gleichgesinnten. «Ja, ja, ich bin ein impulsiver Mensch. Manchmal entschuldige ich mich im Nachhinein, wenn ich jemanden zu sehr heruntergeputzt habe.» Erzählt er im Magazin vom 17. September 2016 in der Rubrik Ein Tag im Leben von. «Natürlich gibt es Dinge, die man an Israel kritisieren kann. Allerdings nicht so viele wie an der Schweiz! Ich bekomme jedes Mal Lämpe, wenn ich sage, die Schweiz sei kein Rechtsstaat.» Wahrscheinlich, sicher würde auch ich mit ihm streiten – aus inhaltlichen Gründen, wegen seines teilweise aggressiven Gestus. Trotzdem irritieren mich die Verweise auf seine «Art», die Mitschuld an dem, was ihm zugestossen, suggerieren. Zwar wird die Legitimation polizeilicher Prügel umgehend dementiert, aber der Verweis wird in diesem Kontext gemacht. Muss ein aufbrausender, ein ausfälliger Mensch mit staatlichen Prügeln rechnen? Ist die Vorstellung entlastend, der Verprügelte habe die Prügel provoziert, hätte sie, alles in eigener Hand, auch verhindern können?

Perspektivenwechsel. Ich melde mich am Empfang des Amtshauses 1, zu einem vereinbarten Gespräch mit Stadtrat Richard Wolff, den ich seit jenen Achtzigerjahren nicht mehr gesehen, aber natürlich gewählt hätte und wieder wählen würde, wenn ich in der Stadt Zürich stimmberechtigt wäre. Für das von ihm mit-herausgegebene Buch «Zürich ohne Grenzen» habe ich damals einen Beitrag mit dem Titel «Alternativen in den goldenen Klauen der Institutionen» geschrieben. Der persönliche Mitarbeiter des Vorstehers des Sicherheitsdepartementes holt mich ab. Macht mich auf die kürzlich restaurierten Fresken von Augusto Giacometti in der Eingangshalle aufmerksam. Kunst am Bau. Als wir im Lift sind, poltert eine Gruppe von Uniformierten die Treppe hinunter. In Vollmontur. Nicht in der vertrauten Demo-Ausrüstung, sondern mit kugelsicheren Westen und Maschinenpistolen, soweit ich das in der Kürze richtig sehe. Erinnerungen an Sondertruppen, Spezialeinheiten in Krimis. Der Mitarbeiter murmelt, da müsse etwas Grösseres los sein, das sähen auch sie nicht alle Tage. Zeiten des Terrors. Geht es mir reflexartig durch den Kopf. Ein bewaffneter Raubüberfall im Niederdorf. Werde ich später belehrt. Die Vorwürfe an die Polizei, denke ich, wären heute andere als damals. Nicht zu viel, sondern zu wenig polizeiliche Präsenz und Härte, würden sie parteiübergreifend, fast unisono kritisieren. «Wenn etwas passiert», bestätigt mir der Stadtrat diese Vermutung, «heisst es schnell einmal, wir hätten alles falsch gemacht.»

Der Sicherheitsvorstand und der Polizistenschreck

Seit 2013 gehört Richard Wolff zu diesem «Wir», wir von der Polizei. Damals ist der Gemeinderat der Alternativen Liste in den Zürcher Stadtrat gewählt worden. Er ist für keinen der polizeilichen Übergriffe gegenüber Klaus Rózsa verantwortlich, mit dem er in Achtzigerjahren noch nach Wien fuhr, um im Café Schwarzenberg die österreichischen Medien über das Projekt Kanzlei und dessen Gefährdung zu informieren. Und er weiss: «Der Klaus ist halt immer mit dem Fotoapparat zuvorderst gewesen und hat Dinge dokumentiert, die die Polizei nicht dokumentiert haben wollte. Dadurch ist er automatisch ein Feindbild der Polizei gewesen.» Darf man die Arbeit der Polizei dokumentieren, auch wenn sie dabei ist, Leute zusammenzuschlagen? «Grundsätzlich ja, das ist Pressefreiheit.» Hält er fest, um dann zu betonen, dass auch der Polizist «Persönlichkeits- und Schutzrechte» habe. Der Polizist, der natürlich auch eine Polizistin sein kann, dürfe auf Fotos nicht erkennbar sein. Und Rózsa sei ihnen «sehr, sehr nahe gekommen». Nun können ja Polizistinnen und Polizisten ganz generell mit Leuten zu tun haben, die sie – was ich Klaus Rózsa nicht unterstellen möchte – massiv provozieren, sie beschimpfen oder gar bedrohen, trotzdem – müssten sie aufgrund ihrer professionellen Ausbildung nicht in der Lage sein, so eine Situation zu beruhigen, ohne diese Leute zusammenzuschlagen? «Auf jeden Fall. Das muss so sein. Das ist heute auch so. Das lernen die Polizisten, und das können sie auch.»

Würdest du sagen, so etwas wie beim Hardturm 2008 könnte nicht mehr passieren? «Nie mehr? Das wäre eine gewagte Behauptung. Aber man muss schon das Klima sehen, das damals geherrscht hat und das heute nicht herrscht. Aber sicher sein, dass nie ein Fehler passiert, kann ich nicht. Fehler passieren immer wieder – die Frage ist, wie man damit umgeht.» Es werde viel Schulung betrieben, viel Psychologie. Im Rahmen des Programms «Einsatzkompetenz» würden Polizist_innen in gestellten Situationen mit Schauspieler_innen trainieren, Situationen, «in denen du bis aufs Blut gereizt wirst. Damit lernen sie umzugehen, und das funktioniert auch in 99% der Fälle. Dann, glaube ich, bleibt ein Rest, da wird man auf das Urmenschliche zurückgeworfen, da wirst du so aufs Blut geärgert, dass du wirklich wütend wirst – wie der Zidane. [Der französische Starspieler Zinédine Zidane musste im WM-Final 2006 in Berlin, in seinem letzten Spiel als Profifussballer, den Platz vorzeitig verlassen, nachdem er den Italiener Marco Materazzi mit einer Kopfattacke zu Boden geworfen hatte.] Aber auch in einer solchen Situation wird sich ein Polizist nicht provozieren lassen.» Weiss der Vorsteher des Sicherheitsdepartementes.

Die beiden, Wolff und Rózsa, sind nach teilweise gemeinsamer Vergangenheit ungleiche Wege gegangen. Der eine wird als «Polizistenschreck» (Thierry Frochaux) mehrfach verprügelt und verletzt, bleibt wegen drei Mal verweigerter Einbürgerung während Jahrzehnten staatenlos, verlässt schliesslich, zumindest vorübergehend, das Land, in dem seine Familie Zuflucht gesucht, in dem er aufgewachsen ist und sich in verschiedenster Form politisch engagiert hat. Der andere wird nach Tätigkeiten bei verschiedenen NGO-Organisationen als Stadtentwicklungsforscher und –berater Sicherheitsvorsteher der grössten Stadt der Schweiz.

Der eine, Wolff, weiss – die Polizei von 2017 ist nicht die Polizei von 1980 (oder 2008?), das Image der Polizei, die damals von der «Bewegung» als «Trachtengruppe Urania» apostrophiert wurde, ist besser geworden. «Wenn du die Bevölkerungsbefragungen anschaust – unglaublich. 35 Jahre haben wir gebraucht, um alles, was in den Achtzigerjahren schief gelaufen ist, wieder gerade zu biegen. Die Leute, die jetzt an der Macht sind, an den Schalthebeln, die erfahrenen grauhaarigen Männer und die paar Frauen, die sind ja mit einer Art Grundmisstrauen sozialisiert worden. Damals hat es einen mainstream gegeben, der sehr kritisch gegenüber der Polizei gewesen ist. Ich glaube, in den Achtzigerjahren hat man viele Fehler gemacht, nicht einmal in erster Linie die Polizei, sondern die Politik. Die Polizei musste den Kopf hinhalten für die Politik, die nicht immer gut agiert hat. Das Grundmalaise war ein politisches, nicht ein polizeiliches.» Sozialarbeiterinnen und Jugendarbeiter, Frauenhäuser und Männerberatungsstellen haben heute kaum mehr Berührungsängste und arbeiten einigermassen einvernehmlich mit der Polizei zusammen. Ein gutes Zeichen? Ist die Polizei unter meist linksgrüner «Führung» eine andere oder sind die anderen unkritischer gegenüber der Staatsgewalt geworden? Weil sie sich in Zeiten des Terrors nach mehr Sicherheit sehnen, auch um den Preis von mehr Repression und Überwachung?

Der andere, Rózsa, hält die Polizei noch immer für eine «potenziell gewalttätige Vereinigung». «Warum sage ich das so absolut – erstens aufgrund dieser jahrzehntelangen Erfahrungen; zweitens weil es überhaupt keine Rolle spielt, wer Polizeichef ist.» Der eine, Wolff, glaubt an den Rechtsstaat. Sonst könnte er das nicht machen. «Ich glaube, wir haben einen guten Staat, aber natürlich macht auch der Fehler.» Der andere, Rózsa, hat den traumatisierten Blick des Geschlagenen und Bedrohten. Der eine, Wolff, stellt sich, wie jeder gute Chef, vor seine Mitarbeitenden und würde sie höchstens intern kritisieren.

Wer wäre ich mit der Geschichte des einen oder des anderen geworden? Wie würde ich heute in der Rolle des einen beziehungsweise des anderen reden und handeln?

Heiden ist nicht Zürich ist überall

«Wo sind all die anständigen Polizisten», will der andere, Rózsa, wissen, «wenn sie immer von den paar wenigen schwarzen Schafen reden – wieso wird dann nie einer von denen entlassen.» Einer von denen, die an Übergriffen beteiligt sind. «Es gibt kein Beispiel dafür, dass ein Polizist einen anderen bremst und sagt: ‹Geht’s noch! Hör‘ auf!›» Auch vor Gericht würden sie sich gegenseitig decken. Immer. Kameradschaftsgeist? Korpsgeist? Wer müsste heute eher eine neue Stelle suchen – der Polizist, der die Kollegin kritisiert, vielleicht sogar bei vorgesetzter Stelle meldet, oder jener, der kräftig zugegriffen hat?

Was würde er, wäre er der für die Polizei zuständige Stadtrat, was er nie sein wird, was würde er tun, frage ich Klaus Rózsa. «Du kannst die Polizei nicht von einem Tag auf den anderen abrüsten in Zürich, das würde wahrscheinlich eine Katastrophe werden. Man sollte es langsam versuchen. Zum Beispiel keine Polizisten in Vollmontur bei (Nach-)Demonstrationen am 1. Mai. Polizisten in normaler Uniform, ohne Helm, ohne Kampfausrüstung, keine Gummigeschosse. Viel, viel mehr Zurückhaltung, aber das braucht 10, 20 Jahre in Zürich, weil die sich daran gewöhnt haben, dass sie immer grad einfahren, als sei die Demokratie in Gefahr, als gäbe es grad eine Revolution, wenn sie jetzt nicht kommen würden. Weg von diesem martialischen Auftreten, die Relationen wahren und anerkennen, dass Demonstrationen Platz haben müssen. Das ist das Recht auf Meinungsäusserung, kein Recht auf Sachbeschädigung, und das gehört in die Demokratie.» Sagt der Fotograf und Aktivist. Und will es als gut gemeinte Tipps für den Stadtrat, für den Richi, verstanden wissen. Der hält zum Stichwort Gummigeschosse fest: «Gummigeschosse gibt es bei uns nicht. Das ist Gummischrot. Es ist bei Ausschreitungen, also im sogenannt unfriedlichen Ordnungsdienst, eben wichtig, Distanz zum Gegenüber zu halten. Damit es nicht zum Nahkampf kommt mit Schlagstöcken, sprich ‹Mann gegen Mann›. Für die Sicherheit der Polizisten ist das wichtig. Gummischrot ist das letzte Mittel, und es muss mit einer Mindestdistanz eingesetzt werden, der Einsatz muss verhältnismässig sein.» Hält der Stadtrat von der Alternativen Liste fest. Jene, die, damals, ein Auge verloren haben, wird es nicht trösten.

Sehen die Besucherinnen und Besucher des Kinos Rosental im Film «Staatenlos – Klaus Rózsa, Fotograf» ein längst vergangenes oder ein jederzeit mögliches Zürich? «Bei uns hätte es das nicht gegeben.» Sagt eine Frau im Publikum, sagt es bestimmt. Was meint sie damit? Dass Fotografinnen Polizisten so nahe kommen, dass die nervös werden? Dass Polizistinnen Pressefotografen spitalreif schlagen? Dass Gerichte polizeiliche Übergriffe nicht verurteilen? Dass Polizistinnen Kollegen decken, die geprügelt haben? Das erfahre ich nicht mehr. Der Bus, der mich westwärts und noch rechtzeitig nach Zürich zurück bringt, fährt, bevor die Diskussion in Heiden so richtig beginnt. Das gäbe es bei uns nicht. Ist Zürich doch nicht überall, wie ein Freund und ich damals als Titel über ein Buch zu den Zürcher Unruhen schrieben: «Paranoia-City oder Zürich ist überall»?

siehe Infosperber

Das letzte Wort

Wenn Identitäten an gestopften Gänselebern hängen(Fällander Tagebuch 12)

Die Jugend wird immer dümmer. Das «Böse» vereint die Zerstrittenen. 20 Schüsse für ein Sturmgewehr, sonst geht die Schweiz unter.

10. Mai 2017

Der Tagesanzeiger meldet: «2017 haben 2044 Kinder die Prüfung [gemeint ist die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium im Kanton Zürich] bestanden. Das sind 51 Prozent jener Schülerinnen und Schüler, die angetreten sind. 2016 waren 52 Prozent erfolgreich, 2015 sogar noch fast 55 Prozent.» Wird unsere Jugend, was mein Physiklehrer schon vor rund fünfzig Jahren beklagte, immer dümmer und dümmer?

Nein, Schüler und Schülerinnen, die mit der gleichen Prüfungsleistung letztes Jahr noch in den Hallen der künftigen «Elite» willkommen geheissen worden wären, hätten diesen Frühling den Brief mit dem verräterischen «Es tut uns leid, aber…» erhalten. Denn: «Die sinkende Erfolgsquote bei den Langzeitgymnasien ist gewollt… Der Zürcher Regierungsrat hat aus Spargründen gefordert, dass weniger Schülerinnen und Schüler das Langzeitgymnasium besuchen sollen.» Und weil sich die Exekutive nicht auf die zunehmende Debilisierung der Jugend verlassen wollte und konnte, haben die Kantonsschulen «die Kriterien für die Aufnahmeprüfung verschärft».

So deutlich wurde es noch selten gemacht, dass (auch) der Markt, nicht (nur) die Leistung der einzelnen Schülerin das Prüfungsresultat bestimmt. Das zu wissen, verhilft dem Betroffenen natürlich nicht zu einem Ticket in den akademischen Himmel, aber es könnte ihn vor dem Glauben an die eigene «Dummheit» schützen. Die Vorstellung, das Opfer willkürlicher Leistungsmassstäbe zu sein, einfach nur Pech mit dem Jahrgang gehabt zu haben, wäre doch schon fast tröstlich.

29. Mai 2017

Gestern Abschluss des G7-Gipfels in Taormina, Sizilien. Zum ersten Mal mit Donald Trump. Wirklich zusammengefunden haben The big Seven der Industrienationen nur in einem – im Kampf, im Krieg gegen den Terrorismus. IS & Co. als grosse Vereiniger. Sonst gilt, was der Spiegel schreibt: «Statt G7 müsste es heissen: einer gegen die G6.» Was der G7 der IS, ist der G6 der aktuelle US-Präsident – das verbindende «Böse».

Das eigentliche Problem ist nicht der Trumpel, das wirklich Beklemmende ist, dass das US-amerikanische Wahlvolk beziehungsweise -system ihn zu einem der mächtigsten Männer der Welt gemacht hat. Aber so ist Demokratie – jede und jeder, Durchschnittsneurotikerin oder Psychopath, kann Präsident. Jede eher nicht. Was einem und einer ernsthaft Angst machen müsste – dass auch in Demokratien das KeineMachtfürniemand nicht Realität geworden, sondern die Macht sich in wenigen Händen konzentriert und nach starker Führung gerufen wird.

Wo einer oder eine befehlen kann, dass Grenzen geschlossen oder geöffnet werden, dass das Klima kein Problem sei, dass der Handel befreit oder begrenzt wird, dass Hunderttausende losmarschieren und Raketen abgeschossen werden – da muss uns Angst und Bange werden.

30. Mai 2017

Eine Enkelin geboren. Kaum die Nabelschnur durchschnitten, hat sie schon einen Namen, einen eigenen.

L.

Was wird sie sehen,
Wenn sie die Augen öffnet?

Was wird sie verstehen,
Wenn sie hinhört?

Welche Wege wird sie gehen,
Wenn sie gehen lernt?

Wem wird sie widersprechen, wem nach
Dem Mund reden, wenn sie zu sprechen beginnt?

Unter welchen Bäumen wird sie stehen,
Wenn sie stehen bleibt?

Wie hoch wird sie steigen müssen,
Wenn sie die Gletscher sehen will?

Wie viel Begeisterung wird ihr zufallen,
Wenn sie merkt, dass sie gemeint ist.

In welcher Welt wird sie leben,
Wenn sie vom Baum der Erkenntnis isst?

In welchen Häusern wird sie Schutz suchen,
Wenn sie es mit der Angst zu tun bekommt?

An welchem Smartphone die Finger blutig machen,
Wenn sie das Streicheln des Touchscreens beherrscht?

Vor welchen Gefahren wird sie fliehen,
Wenn sie rennen kann?

Welchen höheren Gewalten wird sie zum Opfer fallen,
Wenn sie nicht schnell genug ist?

Wird sie in einem der regelmässig prophezeiten Kriege sterben,
oder wird ihr die Gemütlichkeit der Vorgeborenen zufallen?

10. Juni 2017

In Zeiten von Globalisierung und Migration werden gerne längst vergangene nationale sowie regionale Identitäten beschworen. Je häufiger Paare sich scheiden lassen, desto mehr wollen, «Ehe für alle», den «Bund fürs Leben» eingehen, umso aufwendiger wird der «schönste Tag des Lebens», Polterorgien inklusive, gefeiert. Je unsicherer etwas ist, desto höher wird es gehalten. Da können selbst tierschützerische Bemühungen soziale Identitäten bedrohen. «Importstopp für Gänseleber? Jetzt übertreiben die Genussfeinde.» Ist heute im Bund zu lesen. Der Chef persönlich, Patrick Feuz, hat in die Tasten gegriffen und ist für die fett gestopfte Gänseleber auf die Barrikaden geklettert. «In der Romandie», weiss er, «ist die Foie gras eine kulinarische Tradition. Man isst sie seit Jahrhunderten, sie gehört zu Festen und ja, zur Identität.» Wegen so einem unter zweifelhaften Umständen erzeugten Leberstückchen – das bei Thomas Widmer im Tagesanzeiger eine «Mundekstase» auslöst, was ihm «eine Allianz von Mitte-links-Politikern und Bauern» verbieten will – droht die «gewachsene Identität» der Welschschweiz zu zerfallen.

Um die nationale, die eidgenössische Identität steht es nicht besser. Die ist gefährdet, weil die Schweiz europäisches, also fremdes Waffenrecht übernehmen und, beispielsweise, Sturmgewehre künftig nur noch mit einem 10-Schuss-Magazin ausgerüstet werden sollen. Das versetzt «die Schützen», so der Blick am heutigen Tag der bedrohten Identitäten, «in Aufruhr». Bürgerliche Politiker und sogar Politikerinnen wollen für das 20-Schuss-Magazin schlimmstenfalls «ein Ende von Schengen» riskieren. Denn das Schiessen, hält SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann fest, «gehört zur Schweiz wie die Schoggi, der Käse und die Berge». Und die lassen wir uns ja auch nicht nehmen. Für den obersten Berner Schützen, Werner Salzmann, nebenbei SVP-Nationalrat, gehört «die Waffe zum Schweizer als Zeichen seiner Freiheit». Die Schweizerin hat es ja generell nicht so mit der Freiheit. Und der Präsident des Schweizer Schiesssportverbandes, Luca Filippini, wird den Chef des bernischen Regionalvereins am 3. Juli unterstützen. Er definiert «die Waffe» als «Symbol des mündigen Bürgers» (Tagesanzeiger). Ohne 20-Schuss-Magazin im Sturmgewehr keine Freiheit und keine Demokratie. So schnell geht die Schweiz unter.

Am 30. Juni wird Arena-Moderator Jonas Projer eins ums andere Mal fast verzweifelt fragen, was denn unser Schweizersein ausmache, welche eidgenössischen Gebräuche und Eigenheiten Fremde übernehmen müssten, wenn sie hierzulande als integriert gelten wollten. Und erntet nur Gestammel. Pünktlichkeit, fällt es schliesslich jemandem ein. Projer legt das Resultat ethnologischer Feldforschung der Arena-Redaktion in Form eines Altpapierbündels auf den Tisch. Das ist Schweiz. Ein deutscher Migrant verweist auf «die Urtugenden halt», relativiert den eidgenössischen Sonderfall aber umgehend: «Die nehmen auch andere Völker für sich in Anspruch.» La Suisse n’existe pas. Und so bleibt an diesem Freitagabend als letzte Hoffnung – Andreas Glarner. Aber der redet lieber über den Islam, und als er sich schliesslich doch noch dunkel an die gestellte Frage erinnert, meint er: «Vielleicht ist es wichtiger zu sagen, was es nicht ist. Es ist keine Handschlagverweigerung.» Womit wir schon wieder beim Islam wären. Und eigentlich auch beim Judentum. Aber das sagt er nicht, der SVP-Mann für klare Ansagen in Asyl- und Migrationsfragen. So wie Mann sein bedeutet, nicht Frau sein, heisst Schweizer Sein – nicht Araber, nicht Russin, nicht Deutscher, nicht Afrikanerin, nicht US-Amerikanerin, nicht unschweizerisch sein. Unschweizerisch ist alles, was nicht schweizerisch ist nicht unschweizerisch ist nicht schweizerisch.

Das bekannte SVP-Plakat – auf dem unter dem Motto «Sicherheit schaffen» ein schwarzes Schaf aus dem roten Feld mit weissem Kreuz bugsiert wird und auf eidgenössischem Boden drei weisse Schafe zurückbleiben – suggeriert, die Schweiz werde durch Ausschaffung krimineller Ausländer in «Mein Zuhause» verwandelt, und zu Hause, unter seinesgleichen, sei der Mensch sicher vor Gewalt und Bedrohungen schlechthin. Die multikulturelle Empörung ob der vielfältig verwendeten Metapher des schwarzen Schafes lenkt vom eigentlichen Skandalon ab. Dass sich auf dem SVP-Plakat im Schweizerländchen nur noch weisse Schafe tummeln, nachdem das schwarze Schaf ohne Schweizer Pass ausgeschafft ist, dass unterstellt wird, verbriefte Schweizerinnen und Schweizer seien allesamt weisse Schafe – das ist die rassistische Denkfigur.

19. Juni 2017

Ich schwimme zu einer Zeit im Greifensee, in der mich höchstens ein paar vereinzelte Fischer, noch seltener Fischerinnen, stören (und umgekehrt). Sie riegeln mit ihren Ruderbooten die Bucht ab, und Hündelerinnen – die natürlich auch Männer sein können – schleudern das Stöckchen für ihre Lieblinge in mein Privatbassin. Die Meermöwe lässt sich nicht vertreiben und balanciert immer noch auf der ersten Boje, als ich vom äussersten Punkt zurückkomme. Erinnerung an Usedom. Ostsee. «Da müssen wir auch wieder mal hin.» Sagt S. Sagt dasselbe zu AtlantikZermattEngadinDänemarkHamburg. Wie viele Ferien noch? Gibt es Ferien von LiebeskummerMigräneArmutFluchtKrieg? Wie manchmal noch den Koffer packen? Wie viele Leben noch? In diesem Leben?

Auf dem Rückweg vom See komme ich, wie immer, an der Villa mit Park und Gartenpavillon vorbei. «Super für eine Sommerparty.» Fand N., solange sie noch bei uns wohnte. Aber nie lernte sie die Tochter oder den Sohn des Hauses kennen. Auf der Wiese dahinter ein Dröhneler. Mit ängstlichem Blick verfolge ich die Bahnen dieser modischen Fluggeräte. Was, wenn sie den Männerhänden entkommen, die sie steuern. «Bubi schpille, Bubi xund.» Spottet S. jeweils. Und tatsächlich – noch nie habe ich eine Frau mit Drohne gesehen. Drohnenzone –Zufluchtsort in harten Zeiten für starke Männer?

Zum Beispiel neben dem Anwesen, das in unseren dreizehn Fällander Jahren vermutlich höchstens während total zwei Monaten bewohnt war. Und womöglich war es häufig nur der Gärtner, der die Fenster öffnete, Sonne und Wind durch ungenutzte Räume flanieren liess, während er, wie er das regelmässig tut, den Rasen mähte, Bäume und Sträucher zurückschnitt. Die Herrschaften störten ihn nie bei der Arbeit, die sie ihm, vermutlich, gut bezahlen.

Haben sie die Villa als Alterssitz erstanden, mussten dann aber auf direktem Weg ins Pflegeheim, oder sind sie längst gestorben, und die Erben können sich bis heute nicht über Nutzung oder Verkauf einigen? Hat sich ein älteres Paar das Haus gekauft, weil‘s ihm der Blick auf den See, das Vrenelisgärtli, ins Naturschutzgebiet, das wir Neu-Afrika nennen, und auf die Erdhaufen des Maulwurfs in der Wiese nebenan angetan, sich dann aber aus gesundheitlichen Gründen entschieden, den Sommer auf den Malediven, den Winter in Zermatt zu verbringen? Ist der Besitzer in den Bergen abgestürzt, seine Leiche nie gefunden worden, vermisst ihn niemand, weil Steuern und andere Abgaben pünktlich per Dauerauftrag überwiesen werden? Hat sich die junge Eigentümerin auf einer Grönlandreise verliebtverlobtverheiratet und dem Gärtner eine Lebensstelle verschafft? Kommt sie selbst nur einmal im Jahr zurück, um ihren Geburtstag am Greifensee zu feiern? Und sonst steht das Haus, das wahrscheinlich drei Familien Platz böte, einsam vor sich. Ein alter Mann trinkt seinen Fusel, schläft seinen Rausch auf einer Bank beim Bahnhof Stettbach aus, am Tag und wahrscheinlich auch in Sommernächten. Zum nächsten COOP wäre es in der «freien» Villa mit Seeblick allerdings deutlich weiter.

Siehe auch Infosperber