WS ab 1.3.2017:

Gesprächs- und Selbsterfahrungs-gruppe für Männer

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Kopien_Abdruck nach Absprache

Schluss mit politischer Korrektheit,
aber richtig
_«Infosperber»

Der Islamist ein Spekulant,
der Unsterbliche tot
_«Infosperber»

Mit Trommeln und Geschrei gegen dunkle Seiten_«Infosperber»

Wenn der «Blick» auf Politik macht_«Infosperber»

Wenn «Miss Europa» sich nicht fotografieren lässt_«Infosperber»

Rentenalter 90 – aber nur für die Allerreichsten_«Infosperber»

Mit Trump zum Züri Zoo. Höcke ist auch ein Zebra.
(Fällander Tagebuch 8)_«Infosperber»

Ein typischer Mensch – Nationalität vor Qualität
(Fällander Tagebuch 7)_ «Infosperber»

Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland_«Infosperber»

5000 namenlose Tote oder Tripptrapp für Xi Jinping
(Fällander Tagebuch 6)_«Infosperber»

Happy to you: Auch für Flüchtlinge, Meere und Frauen
(Fällander Tagebuch 5)_«Infosperber»

Die Heimkehr in den VPOD_Die Schiwoff-Affäre 10_10, «Infosperber»

Der Prozess & das Urteil_Die Schiwoff-Affäre 9_10, «Infosperber»

Lassen Sie sich scheiden_Die Schiwoff-Affäre 8_10, «Infosperber»

Keine Kollege mehr_Die Schiwoff-Affäre 7_10_«Infosperber»

Wer ins Gymi will, soll sich konform verhalten_«Infosperber»

Die Verhaftung_Die Schiwoff-Affäre 6_10_«Infosperber»

Feindpropaganda bestätigt_Die Schiwoff-Affäre 5_10_«Infosperber»

Folgenschwere Übergabe_Die Schiwoff-Affäre 4_10_«Infosperber»

Berliner Tage_Die Schiwoff-Affäre 3_10_«Infosperber»

Die ersten Bilder fallen_Die Schiwoff-Affäre 2_10_«Infosperber»

Der Krieg und sein Ende_Die Schiwoff-Affäre 1_10_«Infosperber»

Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln
(Mailwechsel mit Stefan Howald 4_4)_«Infosperber», «Theoriekritik»

Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie
(Mailwechsel mit Stefan Howald 3_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratische Bewegung von unten aufbauen»
(Mailwechsel mit Stefan Howald 2_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratie ist eine Praxis»
(Mail-Wechsel mit Stefan Howald 1_4)_
«Infosperber», «Theoriekritik»

Hans ist nicht Bhumibol oder Abhitlern & Toleranz
(Fällander Tagebuch 4) _«Infosperber»

US-Wahlen: Grossmaul schlägt Musterschülerin__«Infosperber»

«Terror». 164:70'000. Voten, Quoten und Optionen._«Infosperber», «PS»

Schwindel am Matterhorn
(Fällander Tagebuch 3) «Infosperber»

Trump, Gilli, Köppel, Houellebecq – alle «Araber»_«Infosperber»

Katzenscheisse, Gämsen, Fussabdrücke und Bigbang
(Fällander Tagebuch 2)_«Infosperber»

Tränen und die letzten Cowboys im zahmen Westen_«Infosperber», «PS»

Burka verbieten – und das Abendland ist gerettet_«Infosperber»

Clinton. Trump. Shoemaker. Die Geschlechterwahl
(Fällander Tagebuch 1)_«Infosperber»

NZZ, (K)alter Krieg & die nützlichen Idioten 2016_«Infosperber»

Der Nackte oder Im Engadin steht die Welt kopf
(Engadiner Tagebuch 7=Schluss)_«Infosperber»

Im Namen der Natur zum Zweiten
(Engadiner Tagebuch 6)_«Infosperber»

1. August 2016 oder Im Namen der Natur zum Ersten
(Engadiner Tagebuch 5) _«Infosperber»

Das zunehmende Erschrecken in den Alpen
(Engadiner Tagebuch 4)_«Infosperber»

Keine Ferien von der Welt oder Bündner Gendereien
(Engadiner Tagebuch_3)_«Infosperber»

Ein Tag im Original-Sylter-XXL-Sonnenkorb: 70 Fr.
(Engadiner Tagebuch 2)_ «Infosperber»

Im Engadin wird vor Schüssen noch gewarnt
(Engadiner Tagebuch 1)
_ «Infosperber»

Verschleiern oder «köpfen».
Das ist hier die Frage.
_«Infosperber»

Typischtypisch oder unser Roger ist ein Deutscher_«Infosperber»

Ab mit der «Scheisse» in den (Fernen) Osten_«Infosperber»

«Einen Boateng» oder die Gaulandsche Verteidigung_«Infosperber»

Wenn der «SonntagsZeitungs»-Chef Lehrerlis spielt_«Infosperber»

Fussball & Gewalt machen «Männer»_«Infosperber»

Ein Schlag – Islam gestoppt & Integration gerettet_«Infosperber»

Blick, Bestie, Bin Laden: 3xB und ein Gesicht oder Rupperswil: Die Sehnsucht nach der «Bestie» I & II _«Infosperber»

Die Welt überfordert uns. Andere bringt sie um._
«Bulletin Solidarité sans frontières»

Nicht totzukriegen – Die ewige Rückkehr der Götter_«Infosperber»

Überdruck und andere einfache Erklärungen_«Infosperber»

SVP: Inszenierung einer Ausgegrenzten & Verfolgten_«Infosperber»

Verzweifelte LehrerInnen filmen – verboten_«Infosperber», «P.S.»

Köppels Grinsen und Glättlis Befreiungsschlag_«Infosperber»

Wenn Menschenrechte für Religionen nicht gelten_«Infosperber»

Brüsseler Hokuspokus: Der liebe Gott hat gepfuscht_«Infosperber»

Schule & Gesellschaft scheitern an der Integration_«Infosperber»

Unterwerfung oder Die Aufklärung ist dem Menschen zumutbar_«Die Gazette»

Lieber Seniorenschwemme als Flüchtlingsflut_«Infosperber», «P.S.»

«Pfefferscharf» gegen Menschenrechte I + II _«Infosperber»

Durchsetzen – Jedem & jeder die eigene Verfassung_«Infosperber», «P.S.»

Volk ohne Kopf oder Einfamilienhaus- & Blockkinder_«Infosperber»

Alles hat seine Obergrenze, selbst der Hunger_«Infosperber»

Die SVP, der Wunschzettel & der Mut zur Opposition_«Infosperber»

Lieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack_«Infosperber»

Economiesuisse und der Besuch der alten Dame_«Infosperber»

Integration in Zeiten des Terrors_«Infosperber», «P.S.»

Sexuelle Lehrjahre im «Puff» – aber nur für Männer_«Infosperber», «P.S.»

Geld oder Deutsch! Der Zuger Handel_«Infosperber»

Wer hat in der Schweiz das Sagen? Frauen nicht._ «Infosperber»

(Rechts-)bürgerliche Opposition am Ende_«Infosperber», «P.S.»

Der «Medienberater» des «Tagi» und «das Klageweib»_«Infosperber»

Kunst & Politik = Sich das ganz andere vorstellen_«Infosperber», «P.S.»

Feindbild Mann – fremd, jung, alleinstehend_«Infosperber»

Freie Rede für Köppel. Andersgläubige. Hassprediger_«Infosperber»

«NZZ a. S.» fordert Aussenpolitik in Militärstiefeln_«Infosperber»

Für wie viel nehmen Sie FialaMörgeliWermuth & Co.?_«Infosperber»

Urlaub von Flüchtlingen & anderen Unbilden_ «Infosperber», «p.s.»

Der Ausweis: das Original – der Mensch:
die Kopie
_«Infosperber», «entwürfe»

Griechenland, das missratene Kind – Eine Nachlese_«Infosperber»

Eltern können für ein Kind eine Katastrophe sein_«Infosperber»

Die faulen Griechen oder Der Neid der Tüchtigen_«Infosperber», «p.s.»

Kriminelle Nationalitäten, Kantone & Co._«Infosperber»

Zeitreise Zürich – SchülerInnen kommen zu Wort_«Infosperber»

Israel, z.B., und die uniformierten VerräterInnen_«Infosperber»

«Kill Zone USA» oder Männliche Waffenlogiken_«Infosperber»

Lehrplan 21 oder die Angst vor den SchülerInnen_«Infosperber», «p.s.»

Bacholerette: Mensch Mann, Frau – schön blöd_«Infosperber», «p.s.»

Detektoren statt Psychiater: Blicke in die Zukunft_«Infosperber»

Der Maurer wird nicht Metzger, sondern Bundesrat_«Infosperber»

Ich & Du & «die Schweiz» gehen k.o._«Infosperber»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation_«Infosperber»

Wer nicht arbeitet, soll sterben_ «Infosperber»

Die Schule macht keine Männer (I + II)_ «Infosperber»

Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. _«Infosperber»

Freiheitskämpfer. Soldaten. Mörder. Unmenschen._«Infosperber»

Die Natur- und Mutter-Mythen des Roger K. _«Infosperber»

Mörder(innen) verstehen = selbst Mörder(in) werden_«Infosperber»

Männer oder Opfer, Frauen oder TäterInnen (I + II)_«Infosperber», «p.s.»

Bedroht von Ökonomisierung & Ökologisierung_«Infosperber.ch»

Das böse Spiel am Runden Tisch_ «www.Infosperber»

Vollbeschäftigung für fünf Franken in der Stunde_«Infosperber»

Weniger degustieren – mehr lesen_«Infosperber»

Kauf&Nutzung – Nur mit Bedarfsnachweis _«Infosperber»

Aufklären, aufgeilen, aufhetzen – Paradoxe Bilder _«Infosperber»

«Carlos» oder Es wird weiter «geblickelt» _«Infosperber»

Wenn der Einzelfall öffentlich wird_«Infosperber», «P.S.»

Wer, ganz nebenbei, ist «die Wirtschaft»?_«Infosperber», «p.s.»

Wir lassen Menschen auch verhungern_«Infosperber»

Parallelwelten oder Wenn Not erfinderisch macht _«Infosperber»

«Notnagel» Frauen _«Infosperber»

Eine Goldmedaille macht noch keine Inklusion _«Infosperber»

Wenn eine Baden-Reise öffentlich bedeutsam wird _«Infosperber»

Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen _«Infosperber

Wenn sich nur noch SiegerInnen aufs Podest drängen _«Infosperber»

Betet, freie Schweizerinnen, betet! _«Infosperber»

«… im Zweifel für die (potenziellen) Opfer» _«Infosperber»

Merkblatt für Flüchtlinge und andere Asylanten _«Infosperber»

Schwingerkönig oder Mister Schweiz sind Wurst _«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Bild, das den Krieg beendet _«Infosperber»

Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten _«Infosperber

Wann ist ein Vater (m)ein Vater?_«Infosperber»

Das Stockholm-Syndrom oder Sich vorstellen können, dass es auch ganz anders sein könnte (auf «Infosperber»)
_In: «Schlafes Bruder, wann stirbst du endlich?» «Der Bund» Essay-Wettbewerb - Die 20 Besten. Zürich: Offizin, 2014

Abseits des normierten Schulparcours lernen
_«WOZ - Die Wochenzeitung»

Menschen sind gefragt, wenn sie gebraucht werden _«Infosperber

Eine gesunde Schule wäre eine andere Schule _«Infosperber»

Wenn das Volk zu aktiv wird_«Infosperber»

Wer braucht einen wie Blocher _«Infosperber»

Taten statt Worte oder Die Schule macht keine Männer_Knaben und Mädchen - heute gleichgestellt? Referate und Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule, Chur, 10.4.2014

Das individuelle Treatment oder Der Tag, an dem ich das Telefon abnahm - Ein Dank_unveröffentlicht

Prostitution beschädigt auch den Käufer_«Infosperber» und «p.s.»

Wenn Menschen als Belastung der Natur erscheinen_«Infosperber»

Als gäbe es sie nicht _«Infosperber»

Moralische Konsequenzen_«Infosperber»

Die Angst vor der Gleichheit - Buch-Beitrag zu «Ein Haus verändert das Leben - Geschichten und Visionen», Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Kein Geld für Psychotherapien mit Goldfischen_«Infosperber»

Weniger Staat, mehr Staatsschutz_«Infosperber»

Tarnkappen für alle_«Infosperber»

Verantwortungs-Los_«Infosperber»

Frau Präsidentin - Sie sind der schönste aller oder Herrenwitze und andere Übergriffe_Jahresbericht Frauenberatung Sexuelle Gewalt

Der Mörder steht immer draussen vor der Tür_«Infosperber»

Unbekannt_unveröffentlicht

Das individuelle Treatment
- Ein Dank

Das letzte Wort

Lieber Ziegenficker als Nazischlampe

Satiriker nimmt Politikerin beim Wort. Die findet
das nicht lustig. Das Gericht weist ihre Klage ab.
Eine schadenfreudige Satire.

Liebe Frau Weidel [*]

Entschuldigen Sie die etwas vertrauliche Anrede, aber wer hierzulande Steuern bezahlt, ohne unseren Angestellten in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie in öffentlichen WC-Anlagen den Arbeitsplatz wegzunehmen, wird bei uns als lieber und willkommener Gast behandelt. Im Gegensatz zu jenen, die aus irgendwelchen Nöten unsere Grenzen unsicher machen. So will es der Brauch. Ihnen als «Teilzeitmigrantin» – wie die Medien in Ihrem eigenen Land Sie wegen Ihrer offiziellen Anmeldung im schweizerischen Biel genüsslich tituliert haben – müssen wir ja nicht wie der deutsche Steuerzahler dem von Ihnen auf Facebook beklagten «Millionenheer von ungebildeten Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika eine Rundumsorglos-Vollversorgung finanzieren» (zitiert aus «Schwarzbuch AfD», CORRECTIV). Sie sind ja deutsch und gebildet. Ihren «Lebensmittelpunkt» haben Sie in Deutschland. Weil sie da gemäss der «Persönlichen Erklärung der Spitzenkandidatin Alice Weidel» vom 1. Mai 2017 «ehrenamtlich und aus voller Überzeugung Politik für die AfD in Deutschland» machen, «ohne einen Cent dafür zu erhalten». In der Schweiz haben Sie nur einen «Zweitwohnsitz».

Gar nicht nett

Es ist, wie das Schiessen, Bestandteil unserer nationalen Genetik, dass wir uns für Gäste interessieren, deshalb habe ich verfolgt, wie in Ihrem Heimatland mit Ihnen umgesprungen worden ist, nachdem Sie am 23. April, zusammen mit Alexander Gauland, zum Vorzeigepaar der AfD im bevorstehenden Bundestagswahlkampf gekürt worden sind. Wenn sie meine schwachen Spuren in der «Lügenpresse» wahrnähme, würde mich Ihre Partei vermutlich als «Gutmensch» einstufen, was ja nicht wirklich eine Beleidigung ist. In der Schweiz sagte die von Ihnen bewunderte SVP denen schon vor vielen Jahren «Linke und Nette». Deshalb finde ich es gar nicht nett, dass Sie in einer deutschen Satire-Sendung als «Nazischlampe» diffamiert worden sind. Wo es doch gar keine Nazis mehr gibt. Es ist purer Sexismus, eine Frau als Schlampe zu bezeichnen, nur weil sie sexuelle Neigungen hat und diese auch auslebt. Das machen sonst nur Moslems, deren Kultur Sie als «archaisch» qualifizieren.

Ihre Partnerin, so ist in Ihrer «Persönlichen Erklärung zum Thema ‹Schweiz›» auf Facebook nachzulesen, lebt in der Schweiz. «Unsere Kinder leben bei ihrer Mutter, so dass ich mich wie jedes berufstätige Elternteil selbstverständlich darum bemühe, die wenige freie Zeit bei meiner Familie zu verbringen, wenn meine Familie nicht bei mir in Deutschland ist.» Toll, so eine multisexuelle Familie. Aber den Geschlechter- und Familienvorstellungen der AfD entsprechen diese durchgegenderten, nationale Grenzen und heteronormative Schranken überschreitenden Familienverhältnisse nicht wirklich. Da glauben sie immer noch an den Storch, äxgüsi, an die Storch. Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD und Mitglied des Europaparlamentes, weiss noch genau, wie das mit den Männern und den Frauen ist. Und sagt es auch öffentlich. Zum Beispiel im Club des Schweizer Fernsehens zu «60 Jahre EU». Ausgerechnet im verhassten Brüssel. Wo sie – wenn sie nicht gerade Rettungsschirme spannen oder Grenzen öffnen – über «Genderquoten, Gender Queer Trans BI» palavern, über diese «Kopfgeburten von Problemen, die der normale Mensch nicht hat». Sagt es am 9. Mai 2017: «Der Mann auf der Strasse weiss, dass er ein Mann ist, und überlegt nicht, ob er 48 andere Geschlechter am nächsten Tag einnehmen könnte, weil das alles sozial konstruiert ist, das sind so absurde Kopfgeburten, … das ist ein Dekadenzproblem.» Vielleicht müssen Sie mal mit Ihrer Kollegin reden.

«Die politische Korrektheit gehört
auf den Müllhaufen der Geschichte»

Wie gesagt, ich finde es nicht recht, was der Satiriker Christian Ehring über Sie gesagt hat, ein Verstoss gegen die guten Sitten, gegen das, was Ihre Parteifreunde gerne als Political Correctness verhöhnen und Sarah Schaschek in der Zeit vom 18.5. schlicht «Respekt» nennt. Aber fordern nicht gerade Ihre Leute regelmässig, man müsse wieder sagen dürfen, was ist, reden wie einem oder einer der Schnabel gewachsen sei. Und haben nicht Sie am 23. April Ihren Parteitagskolleginnen und –kollegen zugerufen: «Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte»? Als hätten Sie ein Messer zwischen den Zähnen. Jedes Wort betont, Stich um Stich ins empfindsame Herz der Gutmenschen. Und haben Sie damit dem Satiriker von extra 3 (NDR) nicht – wie jene verheirateten Politiker von der christlich-fundamentalistischen Truppe, die sich in einem Puff oder mit einem heimlichen Geliebten am Oktoberfest erwischen lassen – eine Steilvorlage der Extraklasse geliefert, die er verwandeln musste? «Jawoll», spottete der am 27.4., «Schluss mit der politischen Korrektheit! Lasst uns alle unkorrekt sein, da hat die Nazi-Schlampe doch recht. War das unkorrekt genug? Ich hoffe!» Sie haben umgehend geklagt, als hätten Sie nicht mit den satirisch gewachsenen Schnäbeln gerechnet. Was hat Sie eigentlich mehr beleidigt – der Nazi oder die Schlampe?

Das Landgericht Hamburg hat Ihre Klage «in allen Punkten» abgewiesen (Spiegel online, 17.5.) und verfügt, Sie hätten «die in Rede stehende Bezeichnung in ihrem Kontext hinzunehmen». Durch die «klar erkennbare und der Satire gerade wesenseigene Übertreibung» seien Sie in Ihren Persönlichkeitsrechten nicht so schwer verletzt worden, «dass die Meinungsfreiheit zurücktreten müsse». AfD-Sprecher Christian Lüth ist empört, das Urteil zeige, «wie weit man in Deutschland unter dem Deckmantel der Satire gehen kann …» (Zeit online, 17.5.). Da würde er am liebsten in die Türkei auswandern. «Satire, so fragwürdig sie auch sein mag, zur Strafverfolgung freizugeben, ist ein Anschlag auf die Freiheit, die Europa auszeichnet» (Spiegel online, 1.5.2017). So wurde Angela Merkel für ihren «Kniefall vor Erdogan» kritisiert, als sie damals entschied, «ein Strafverfahren gegen Böhmermann zuzulassen». Ausgerechnet von Jörg Meuthen, der einen Hälfte der Doppelspitze Ihrer Partei. «Er ist der Mann der Mädchen schlägt und dabei Gummimasken trägt.» Hatte Jan Böhmermann damals, nach trickreicher Einleitung, in seinem Neo Magazin Royale geschmäht. «Am liebsten mag er Ziegen ficken und Minderheiten unterdrücken.»

Ihr Pressesprecher begründet die satirische Differenzierung der AfD: «Damals ging es um eine ausländische Macht, die sich in Deutschland einmischt. Jetzt sind es zwei deutsche Staatsbürger, die sich streiten … Die Grenzen von Satire verlaufen dort, wo es sich nur noch um zusammenhanglose, verletzende Beleidigungen handelt» (Spiegel online, 5.5.). Das heisst, wenn Sie (bereits) deutsche Kanzlerin wären und ich als kleiner Eidgenosse würde Sie auf Satire 51 als «Ziegenleckerin» karikieren, würden Sie – der politisch korrekten Logik Ihres Pressesprechers folgend – nicht klagen? Weil Sie sich, im Gegensatz zu Erdogan, nicht in ausländische Angelegenheiten einmischen würden? Und weil die «Ziegenleckerin» im Gegensatz zur «Nazischlampe» keine zusammenhanglose, verletzende Beleidigung ist?

Ist Höcke Musiklehrer?

Bei aller Schadenfreude – ich habe meine Zweifel, dass Sie sich mit dem ominösen Müllhaufen der Geschichte (Was würde man da nicht alles finden?) unbedacht die eigene Grube gegraben haben. Sie als studierte Betriebs- und Volkswirtschafterin können noch Zwei und Zwei zusammenzählen. Im Gegensatz zu Ihrem Parteikollegen Björn Höcke, der Anfang Jahr in der «Hauptstadt der Mutbürger», Dresden, eine «erinnerungspolitische Wende um 180 Grad» eingefordert hat. Und am Rande Ihres Parteitags von Ihrem Co(-Spitzenkandidaten) Gauland mit der Formel entschuldigt worden ist: «Höcke ist kein Mathematiklehrer.» Sie wollen den ja aus der Partei ausschliessen. Aber Gauland verteidigt den bösen Buben listig: «Er wusste nicht, was 180 Grad heisst … Darum hat er ja auch gesagt, er habe ein wichtiges Thema vergeigt» (Bericht vom Parteitag der AfD, ARD, 24.4.). Ist Höcke Musiklehrer? Und hat das mit der 180-Grad-Wende deshalb nicht richtig begriffen? Hätte er sonst eine 45-Grad-Wende verlangt?

Sie aber gehören nicht zu diesen «ungebildeten Migranten» aus dem (Nahen) Osten. Sie beherrschen das Grosse Einmaleins. War vielleicht alles ganz anders? Haben Sie der deutschen Satire die Falle gestellt, in die Christian Ehring wie ein Pawlowscher Hund getrampelt ist? So dass Sie sich als Mitglied der von der deutschen Elite verschmähtesten Partei hinterher in die Schlagzeilen klagen konnten und am Ende den Beweis in die Hand bekommen haben, dass es eine «Alternative für Deutschland» braucht, die dafür sorgt, dass deutsche Gerichte künftig wieder deutsches Recht sprechen, das heisst die Freiheit, «Ziegenficker» zu sagen, schützen und deutsche Bürger vor der Verleumdung als «Nazischlampe» bewahren. Schon weil Letzteres in einem Land, in dem immer mal wieder Asylheime brennen, «eine sicherheitsrelevante Komponente für Frau Weidel» habe. So Christian Lüth.

Oder haben Sie mit Ihrer Forderung, die politische Korrektheit auf den viel zitierten Müllhaufen zu befördern, noch viel weiter gedacht? Ging es Ihnen gar nicht um diese Petitessen wie das Recht auf den eigenen Schnabel, das heisst die Freiheit, sagen zu dürfen, dass Araber zu sexueller Gewalt neigen, Albaner Kriminelle sind und die Bayern den Fussball in den Genen haben? Oder die Freiheit, zu fragen, ob das mit Auschwitz wirklich so war, wie diese jüdischen Historiker behaupten, und ob die Neger nicht doch besser Sklaven geblieben wären statt amerikanische Präsidenten zu werden?

Menschenrechte auf den historischen Scheiterhaufen?

Ging es Ihnen um viel Grundsätzlicheres? Darum, dass politische Korrektheit längst Verfassungen infiltriert hat? Zum Beispiel auch «die heilige Schrift der Eidgenossenschaft», wie Florian Keller in der Wochenzeitung vom 9. Februar 2017 schreibt, um dann Artikel 8, Absatz 2 unserer Bundesverfassung zu zitieren: «Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.» Dieser Satz, so Keller, «beschreibt nichts anderes als die ethische Maxime von Political Correctness. Er bezeichnet den gesellschaftlichen Idealzustand, den anzustreben dieses Land sich in seiner Verfassung verpflichtet.» Und verlangt dann kühn: «Wir brauchen nicht weniger Political Correctness, sondern mehr davon.»

Ähnliches wird auch in Ihren Grundgesetzen stehen. Zielten Sie mit Ihrem Diktum «Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte» auf solche politisch korrekten Verfassungsartikel? Wollen Sie diese und natürlich die Menschenrechte gleich mit auf dem historischen Scheiterhaufen brennen sehen? So wie die SVP mit ihrer Initiative «Schweizer Recht statt fremde Richter» die europäische Menschenrechtskonvention aushebeln möchte? Wenn auch nur es bizzeli.

Geht es Ihnen in letzter Konsequenz darum? Das wird man ja noch fragen dürfen. Oder?

Freundliche Grüsse

Der Nette aus dem Süden

[*] Alice Weidel ist Betriebs- und Volkswirtschafterin, Mitglied des Bundesvorstands der AfD und, zusammen mit Alexander Gauland, Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017.

Siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Mit Trommeln und Geschrei gegen
dunkle Seiten (Fällander Tagebuch 10)

Eine Bettlerin erinnert sich. Ein Bergsteiger will nicht scheitern. Ein Lehrer zeigt sich als Zebra. Aber sonst – nichts passiert.

7. April 2017

«Ist etwas passiert?» Fragt S. regelmässig. Wenn sie nach Hause kommt. Wenn ich am Kochen bin. «Hast du etwas zu erzählen?» Höre ich. – Eigentlich nicht. Das Haus steht, ich lebe noch. Das ist nicht selbstverständlich. Nicht für alle. Keine und keiner mehr, der oder die gerne Menschen «führt» – wohin eigentlich? – und meine Kündigung provoziert. Keiner aus meiner Männergruppe hat sich umgebracht. Die Mutter macht, im Moment, keine Schwierigkeiten. Der Enkel wird nicht, wie von ihm befürchtet, von Enten attackiert. Ich bin bei knapp dreizehn Grad schwimmen gegangen.

«Sind Sie nicht erfroren?» Wird mich am letzten Sonntag des Monats, der kühler endet als er begonnen, ein Mann fragen, der sich als achtzigjähriger Rheumatiker zu erkennen gibt. Ich werde mir den Satz «Dann würden Sie mich ja nicht sehen» nicht verkneifen können und ihn dazu verleiten, mir zu erzählen, er sei früher immer als erster und letzter im Jahr im Greifensee geschwommen. An dem er seit über fünfzig Jahren wohne. Jetzt habe es ihm der Arzt verboten. (Auf welcher rechtlichen Grundlage?) Das Schwimmen. Gänzlich. Eigentlich. Er könne die Arme nicht mehr richtig heben. Wird er mit gequältem Gesicht demonstrieren. Das Rheuma. Nu na sünnele. Dürfe er. Aber bei sechzehn Grad werde er auch dieses Jahres wieder schwimmen gehen. Ich werde dem Ungehorsamen viel Vergnügen wünschen. Wenn es dann so weit sein werde. Und mich weiteren Beschreibungen des mir selbst, möglicherweise, Bevorstehenden entziehen.

Nein. Nichts passiert. Murmle ich an Abenden. Meistens. Seit ich kaum mehr ausser Haus arbeite. Sonst hätte mir vielleicht ein Bettler das Portemonnaie aus der Hand gerissen, während ich den geforderten Zweifränkler aus dem Münzfach zu klauben versuchte. Mein Zug wäre wegen Personenschadens ausgefallen. Oder ich hätte mich in eine Niqab-Trägerin verliebt. Und damit mein ganzes Leben durcheinander gebracht. An einem Samstag Anfang Mai werden mich an der Haltestelle Zürich Bahnhofplatz innert einer Minute tatsächlich drei fast schon vertraute Bettelgesichter um «etwas fürs Wochenende» bitten, während sie unter den Tramschienen, im Shopville, schon in Samstagabendhektik verfallen, noch die Hunderter aus den Geldautomaten reissen. Mir wird nicht nach Freizügigkeit sein. Ich werde meinen E-Reader aus dem Rucksack ziehen und die drei anbrummen: «Ich bin am Lesen.» Auf dem Rückweg von ihrer kurzen Betteltour wird die Schnorrerin nochmals bei mir stoppen: «Ich frage nicht, ich lasse Sie lesen.» Als ich von dem Buch über die sexuellen Ausbeutungen in der deutschen Odenwaldschule aufblicke, wird sie grinsen: «Gutes Gedächtnis, gälledsi?» Und mir damit ein freundliches «Tipptopp» entlocken. Aber meistens bin ich nicht der Stadt, wenn der Dreier hinter dem Central stoppt, weil sich ein «Verrückter» (so der Tramführer) angehängt hat und auf dem Velo Richtung Neumarkt ziehen lassen will.

«Mir ist etwas passiert.» Berichtete mir ein Freund vor Jahren am Telefon. Und seine Wortwahl hat sich in meiner Erinnerung festgekrallt. Mir ist etwas passiert. Es klang wie das Geständnis einer Peinlichkeit. Er hatte einen Hirninfarkt. «Gemacht.» Haben ihm die Ärzte oder Ärztinnen womöglich diagnostiziert. Und damit die Allmachtsfantasie genährt, wir hätten das mit den Krankheiten und dem Tod im Griff. Nur keinen Krebs machen. Auch Ueli Steck – der «schnellste Mann am Berg» – hofft, dass nichts passiert, wenn er demnächst den Everest und den Lhotse in einem Zug zu machen versucht. Ohne dazwischen aus der sogenannten Todeszone abzusteigen. Mir ist nichts passiert. Ich habe mich nur in Stoffen und Material verloren. Oder wäre ein gelungener Satz, der mir zugefallen, es wert, erzählt zu werden? «Scheitern heisst für mich: Wenn ich sterbe und nicht heimkomme.» Verrät Steck dem Tagesanzeiger in einem Gespräch – das sich am 30. April als eines der letzten erweisen wird – vor der Abreise nach Kathmandu. Das heisst, passieren, zustossen kann ihm nichts. Sterben bedeutet scheitern. Einen Absturz, einen Fehler machen. Umkehren, weil er es mit der Angst zu tun bekommt oder die Kräfte ihn verlassen – das wäre für den auch schon mal als «The Swiss Machine» Gezeichneten keine Niederlage, kein Scheitern. Sterben heisst scheitern. Sind die im Mittelmeer abgesoffenen Afrikanerinnen und Afrikaner gescheitert?

8. April 2017

Wenn die Tage wärmer werden, kriechen nicht nur die Murmeltiere aus ihren Löchern, sondern auch die Kinder aus ihren überheizten Zimmern. Und das mit Gebrüll. S., die den ganzen Tag mit Schülerinnen und Schülern zu tun hat, die auch schon mal schreien und quietschen, träumt von Eltern, die am Sonntag in der Früh mit ihren Kindern zu einem Ausflug an einen See oder ins Landesmuseum aufbrechen, statt sie aufs Klettergerüst vor unserem Fenster zu schicken, um in Ruhe weiterzuschlafen. Oder so. Die Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Bedürfnisse in schulfreien Zeiten: Einerseits die Lehrerin, die Ruhe vor Kinderlärm möchte, andrerseits die Kinder, die sich schreiend und herumtobend vom stillen Sitzen in schulischen Strukturen erholen wollen.

Neuerdings steht es auf den Basketballbrettern unseres Spielplatzes – von Montag bis Samstag darf da nur von 10.00 – 12.00 und 13.30 – 21.00h, am Sonntag zwischen 12.00 und 21.00 Uhr gespielt und gekreischt werden. Was helfen fixe Regeln jenen, die in Schichtbetrieben oder flexibilisierten Verhältnissen arbeiten? Warum vertrauen Menschen nicht auf anarchistischen Respekt und ausgehandelte Rücksicht? Was würde Oskar, der Trommler aus Günter Grass‘ Erfolgsroman – der sich mit Geschrei durch die Welt kämpft und seine Trommel mit dem Zersingen von Gläsern aller Art vor fremden Zugriffen verteidigt –, auf den (Spiel-)Plätzen des 21. Jahrhunderts tun? Was, wenn alle Kinder über solche Kräfte verfügten? Wenn sie sich, in den höchsten Tönen singend, gegen die Macht und (sexuelle) Gewalt Erwachsener zu wehren vermöchten? Wie viele Eltern, Lehrpersonen, Heimleiterinnen und Prediger würden sich dann mit zersplitterten Brillengläsern verraten?

13. April 2017

Ein Diktator ist, womöglich, auch ein freundlicher Mensch. Eine Kindsmörderin schreibt allenfalls empfindsame Gedichte. Und wendet dafür, vermutlich, deutlich mehr Lebenszeit auf als für das Töten. Nur das Opfer ist für den Rest seiner Tage leblos. Ein Lehrer rettet das Leben des einen Schülers, den anderen beutet er sexuell aus. Diese «Zebrastruktur» des Menschen ist nach Publikation von Markus Zanggers Buch «Jürg Jegges dunkle Seite» sowie dessen öffentlichen Äusserungen – die nur als Eingeständnis interpretiert werden können – einmal mehr und beklemmend sichtbar geworden.

Auf den Fall Jegge(s), dessen Kontext und die Fragen, die er aufwirft, wird mit etwas Distanz und differenzierender Vertiefung zurückzukommen sein. Im Moment versuche ich mir vorzustellen, was ich täte, wenn mir Jürg Jegge zufällig begegnete. In der S-Bahn, in einem Zürcher Restaurant oder auf einer Wanderung irgendwo in den Schweizer Bergen. Wandert er überhaupt? Ich habe ihn in den letzten Jahrzehnten ein paarmal getroffen. An einer Veranstaltung, an der er gesungen, ich und andere gelesen haben. Am 13. November 2006 war er Gast in der von mir moderierten StreitBar in Karls Forum für lautes Denken. Dem Gespräch mit ihm gab ich den im (Rück-)Licht des Bekanntgewordenen den einigermassen doppeldeutigen Titel «Kuschel- oder Kuscherpädagogik – eine unzeitgemässe Bildungsdebatte». Im, vorläufig, letzten Herbst lud ihn ein Kollege zu seinem Abschied vom pädagogischen Erwerbsleben ein. Jürg Jegge gab einen älteren Text zum Besten. Und wir lasen zu viert aus unserem eben erschienenen Buch «Lernen ist meine Sache». Vermutlich hätte sich damals keine und keiner von uns daran gestört, wenn Jürg Jegge als Co-Autor wahrgenommen worden wäre. Am 1. Mai 2017 werde ich den Satz «Du hast ja noch ein Buch mit ihm geschrieben» korrigieren. Mit Nachdruck.

Wenn mir morgen Jürg Jegge am Winterthurer Wochenmarkt, im Zwölfer oder in einem Kino entgegenkäme – wie würde ich reagieren? Die Strassenseite wechseln? In meinen schlafenden E-Reader starren? Das Handy ans kalte Ohr drücken? Oder würde ich stehen bleiben, ihm nach bundesrätlich verordneter Schweizer Sitte die Hand drücken, fragen, wie es ihm gehe, und, ohne die Antwort abzuwarten, ein Gespräch übers Wetter oder Roger Federer beginnen? Oder würde ich sagen: «Wir müssen reden.»

siehe Infosperber

Das letzte Wort

Der Islamist ein Spekulant, der Unsterbliche tot (Fällander Tagebuch 11)

Was einer verpasst, der am Ostersonntag stirbt. Das Egerkinger Komitee und die Knabenbeschneidung. Krieg im friedlichen Zürich.

16. April 2017

Wieder einmal Ostersonntag. Ein flüchtiger Gedanke an den Freund, der 1979, gerade mal 28-jährig, starb, statt Eier zu suchen. Längst Asche war, als die sogenannte Zürcher Bewegung erfolglos «Freie Sicht aufs Mittelmeer» und «Keine Macht für niemand» forderte. Nicht mitfeierte, als, endlich und explizit, gleiche Rechte für Mann und Frau in der schweizerischen Bundesverfassung verankert wurden. Die Wahl und den (erzwungenen) Rücktritt der ersten Bundesrätin, Elisabeth Kopp, verpasste. Der nicht mehr erlebte, wie Tessiner Wildschweinfleisch wegen Tschernobyl radioaktiv verseucht wurde, die Mauer, dann die Sowjetunion (zer)fiel, in Srebrenica mehr als 8000 Bosniaken ermordet wurden, die britische Bevölkerung den Brexit beschloss und ein Trumpel US-amerikanischer Präsident wurde.

Ostersonntag – das ist auch die Erinnerung an jene wiederkehrenden Momente, in denen ich mit traurigem Herzen eine Kirche betrete und sie mit Wut im Bauch wieder verlasse. Kurz nachdem mein Freund am wichtigsten Tag der Christenheit den letzten Atemzug getan, dankte der Pfarrer in einem aargauischen Kaff dem Herrn, der nicht meiner war und ist, dafür, dass da einer am Tag der Auferstehung sterben durfte. Er wusste nicht, dass der Gefeierte seine letzte Mission nicht erfüllt hatte, die ihm, bereits auf dem Sterbebett, ein Kollege des Aargauer Geistlichen in einem Zürcher Stadtspital auferlegt – die vom Glauben abgefallene Freundin für die reformierte Kirche zurückzugewinnen. Immerhin wäre es dabei um die Bekehrung einer Erwachsenen gegangen. Andere machen schon aus Babys Gläubige.

«Ich denke, in politischen Fragen ist es einmal wichtig, dass jemand eine politische Identität mitbekommt, er kann dann nachher immer noch in seinem Leben so leben, wie er will …, aber es gibt ihm mal eine grundsätzliche Zugehörigkeit, aufgrund der er auch andere Ideen haben kann.» Begründet Michel Bollag, Fachreferent für Judentum am Institut für interreligiösen Dialog, die ungefragte Beschneidung von Knaben an der Rundschau-Theke am 5. April 2017. Ein ausgetauschtes Wort, und der Aufschrei «ideologischer Kindsmissbrauch» wäre garantiert. Natürlich hat Bollag nicht «politisch», sondern «religiös» gesagt. In spirituellen Zusammenhängen scheint es vielen ganz selbstverständlich, dass die Kleinen, lange bevor sie das ABC beherrschen, in irgendwelche kirchlichen Mitgliederlisten eingeschrieben werden. «Er kann dann nachher immer noch in seinem Leben so leben, wie er will.» Nur, beschnitten ist der Knabe dann schon. Im Gegensatz zur Genitalverstümmelung bei Mädchen ist die Beschneidung von männlichen Säuglingen nicht verboten und wurde 2012 von der Rechtskommission der eidgenössischen Räte als «grundsätzlich nicht … problematisch» eingestuft. Männer, auch kleine, sind keine Opfer.

Wieso sammelt das Egerkinger Komitee keine Unterschriften gegen die sowohl im Islam als auch im Judentum übliche Knabenbeschneidung? Die, hierzulande, dem vermutlich schreienden, sicher wehrlosen Kleinkind weit häufiger und offensichtlicher aufgezwungen wird als vereinzelten muslimischen Frauen das Tragen der Burka oder des Niqab? Die vom emeritierten Strafrechtsprofessor Martin Killias in der gleichen Rundschau als «Körperverletzung» und Verstoss gegen die Menschenrechte bezeichnet wird. Weil das über den symbolischen Kampf gegen den (politischen) Islam hinausginge?

Warum nicht gegen die Kindstaufe, die Augustinus, so ist es auf Wikipedia nachzulesen, als «besonders empfehlenswert» bezeichnet habe. «Weil das unmündige Kind der heiligen Handlung noch keine widersetzlichen Gedanken entgegensetzen könne.» Das mit dem Minarettverbot so erfolgreiche Grüppli hat offensichtlich Angst vor den vereinten Kräften aller Religionen und vor dem Egerkinger Gemeinderat. Der sähe bei einem derart religionsfeindlichen Vorstoss den «internationalen Ruf» des knapp 3500-Seelen-Dorfes garantiert so sehr in den Schmutz gezogen, dass er bis vors Bundesgericht ginge, um dem am Jurasüdfuss – da wo sich die A1 und A2 kreuzen – gegründeten Kampftrupp die werbeträchtige Verwendung des Namens des idealen Treffpunkts für Sitzungen (NZZ, 1.10.2015) doch noch verbieten zu lassen.

22. April 2017

Der Anschlag auf einen Mannschaftsbus – zu dem anfänglich islamistische, links- und rechtsextreme Bekennerschreiben in Umlauf gebracht wurden – erweist sich am (vorläufigen) Ende als ökonomisch motivierte Aktion eines Spekulanten, der auf fallende Aktienkurse des Fussballclubs Borussia Dortmund gewettet hat (NZZ, 22.4.). In den letzten Apriltagen wird sich ein in Bayern anerkannter Asylbewerber als Bundeswehroffizier entpuppen, der – wie sich später erweisen wird – mit Komplizen ein terroristisches Attentat «auf das Leben hochrangiger Politiker» (taz, 10.5.2017) plante und es, rechtsextreme Heimtücke, so aussehen lassen wollte, wie es viele gerne sähen – als sei es «von Flüchtlingen begangen worden» (taz, 29./30.4.2017).

Diese aktuellen Beispiele zeigen – die Wirklichkeit ist nicht immer, wie sie im ersten Augenblick scheint. Realität ist nicht immer das, was wir gerne glauben, weil es unserem Welt- und Menschenbild entspricht. Weil auch Medien es so darstellen. Die manchmal leichtfertig auflisten, was jemand «verbrochen» haben soll, um dann, wenn der oder, seltener, die Beschuldigte längst am Pranger hängt, auf den letzten Zeilen eines Mehrspalters, gewissermassen im Kleingedruckten, doch noch die rechtsstaatliche Formel «Es gilt die Unschuldsvermutung» nachzuschieben. Aber: «Die Medien», wird Bruno S. Frey – emeritierter Professor der Volkswirtschaft an der Uni Zürich – in der NZZ vom 29.4. fordern, «dürfen nicht selbständig festlegen, wer der ‹wahre› Täter ist. Sie müssen veranlasst werden, sich an die rechtlich geltenden Regeln zu halten, wonach niemand einer Tat bezichtigt werden darf, bevor ein gerichtliches Urteil vorliegt. Die Erfahrungen zeigen, dass öfters ein Terrorakt dem IS zugeschrieben wird, obwohl er ihn nicht begangen hat – aber dennoch danach für sich in Anspruch nimmt. In diesem Fall wirken die Medien sogar als Propagandastelle für den IS.» Aber nächstes Mal ist es bestimmt wieder so ein islamistischer Populist.

2. Mai 2017

Der Redaktionsleiter der Sonntagszeitung, Andreas Kunz, hätte den diesjährigen 1. Mai besser nicht schon im Voraus kommentiert, und wenn, zuerst einen Nachmittag mit aus Syrien oder Pakistan Geflüchteten verbracht. Am 30. Mai schreibt er unter der Überschrift «Trallala, der 1. Mai ist da»: «Für alle, die nicht in Zürich wohnen: Das ist der Tag, an dem sich die Stadt in einen Kriegsschauplatz verwandelt.» Und für alle, die nicht im Kriegsgebiet wohnen, zitiert die Organisation Save the Children in ihrem Bericht «Kindheit in Trümmern» ein Mädchen aus dem nördlichen Homs in Syrien: «Meine Mutter erlaubt mir nicht, in die Schule zu gehen, da sie zu viel Angst hat und sie mich und meine Geschwister vor den Bombardierungen schützen will.» Am Dienstag, 2. Mai, muss Kunz, trallala, der 1. Mai ist vorbei, im Blatt seiner Kolleginnen und –kollegen, dem Tagesanzeiger, lesen: «Regnerisches Wetter und ein Grossaufgebot der Polizei sorgten dafür, dass der farbenfrohe Umzug mit 12‘000 Teilnehmern diesmal friedlich blieb – mit Ausnahme von ein paar Farbanschlägen.» So leicht lassen sich in Zürich Krieg und Frieden herbeischreiben.

3. Mai 2017

Ueli Steck ist am Sonntagmorgen, 30. April gescheitert. So seine eigene Logik. «Scheitern heisst für mich: Wenn ich sterbe und nicht heimkomme» (Tagesanzeiger, 31.3.2017). Während sich die wirklich Betroffenen mit einer kurzen Mitteilung auf Stecks Website begnügen, weckt der «Tod eines Unsterblichen» (Tagesanzeiger online, 30.4.) öffentlich bekundete Emotionen widersprüchlichster Art. Offensichtlich auch auf der Redaktion des Tagesanzeigers. Michèle Binswanger registriert am 2.5. weltweite Betroffenheit zum einen, «Ablehnung, ja Agression» zum andern. «Der Mann sei selber schuld, hiess es, er habe mit dem Leben gespielt und nichts anderes verdient.» Kollege Jean-Martin Büttner begründet einen Tag später, «warum einen das Ende des Bergsteigers Ueli Steck kaltlassen kann», und spöttelt: «Kaum war er in die Tiefe gestürzt und von einem Helikopter tot geborgen, sammelten sich im Tal die Tränen … Pathos breitet sich aus. Es kommt einem vor, als habe ein Wohltäter uns verlassen.» Als hätten sich die beiden beim Schreiben über die Schulter geschaut oder schon an der Kaffeemaschine gefetzt, fragt Michèle Binswanger: «Warum wecken Risikosportler wie Steck solche Aggressionen? Ist es Neid auf jene, die sich gegen eine Familie, ein sicheres Heim und für eine raue, unkalkulierbare Tätigkeit voller Risiken entscheiden?» Oder, erinnert sich die Journalistin an den Biologie-Unterricht: «Ist es ein urmenschlicher Instinkt, Menschen, die Übermenschliches erreichen wollen, auf Normalmass zurückzustutzen?» Büttner kontert herzlos: «Wer sich diesem Wogen der Gefühle nicht hingeben will; wer einräumt, keine Trauer über diesen Toten zu verspüren, keine Reue zu haben [wieso Reue?] und null Mitleid: Dem wird Aggressivität vorgeworfen, gar Neid unterstellt.»

Die medial bekundete Trauer beziehungsweise ihre demonstrative Abwesenheit haben womöglich und paradoxerweise dieselbe Ursache – den Zusammenbruch der heimlich auf Steck & Co. projizierten Hoffnung, das Leben sei doch kein endliches. Der insbesondere im Konzept Mann angelegte Versuch, der allerdings auch Frauen antreibt, das Todesproblem durch magische Gebärden zu lösen, könnte doch noch gelingen – durch den Vorstoss in kleine und grosse Todeszonen. Denn: Wer von den Orten, wo die endgültige Vernichtung droht – der Höhle des Löwen, der Todeszone über 8000 Metern – zurückkommt, erscheint als Unverletzlicher, als Sieger über den Tod. Eine Projektion, die mit der Person Ueli Steck so viel zu tun hat wie das rassistische Stereotyp mit dem realen Fremdling.

«Ueli Steck und der Tod», schreibt Dominik Osswald in seinem Nachruf – der am 30.4. in der Online-Ausgabe des Tagesanzeigers noch mit «Tod eines Unsterblichen», am 2.5. auf Papier dann mit «Der vorauseilende Schatten» übertitelt wird, «Ueli Steck und der Tod, das sind zwei Begriffe, die immer wieder gemeinsam genannt wurden – und doch schienen sie sich so fern zu sein. Er würde ihm entrinnen, immer. Als wäre der Tod eine jagende Gestalt, Steck sein vorauseilender Schatten.» Ueli Stecks Tod zerstört das magische Bild: «Die Schattenjagd war Wunschdenken.» Das kann einen schon verzweifeln lassen und in widersprüchlichste Gefühlslagen stürzen. Jetzt bleibt uns nur noch die klitzekleine Hoffnung, irgendwann werde bekannt, dass Ueli Steck am Nuptse einen Fehler gemacht hat, eben doch gescheitert, sein Tod, der Tod generell ein vermeidbarer gewesen ist und bleibt.

So wie den Mitgliedern einer Testpilotengruppe in Tom Wolfes Roman «Die Helden», die sich nach jedem Absturz eines Kollegen zum Leichenessen treffen und analysieren, was er falsch gemacht, bis sie sich gegenseitig überzeugt haben, Tod oder Leben liege in ihrer eigenen Hand. Am anderen Tag steigen sie mit todsicherem Gefühl in ihre Jets. Überzeugt, ihnen werde so ein Fehler nie passieren. Derjenige, der beim nächsten Leichenessen widersprechen würde, das ist der, den sie vor dem ersten Gang beerdigt haben. «Die Familie ist unendlich traurig und bittet die Medienschaffenden, aus Respekt und Rücksicht gegenüber Ueli derzeit auf Spekulationen über die Umstände von dessen Tod zu verzichten.»

Siehe auch Infosperber