WS 17_18 ab 23.8.2017:

Gesprächs- und Selbsterfahrungs-gruppe für Männer

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Kopien_Abdruck nach Absprache

Arvenholz gegen Fluchtfliegen, aber nur 1. Klasse_«Infosperber»

Die Schule macht keine Männer_«Infosperber»

Wer nichts zu sagen hat, ist in jedem Land fremd_ Kurzfassung im «P.S.» (13.10.2017), als 3-Teiler
auf «Infosperber»

Giftiger Weltwoche-Mix – Köppel will nicht malen_«Infosperber»

(AfD-)Wählende ernst nehmen = ihnen widersprechen_«Infosperber»

(Keine) Toleranz für Intoleranz – auch für die AfD_«Infosperber»

AfD: 12.6%. Das sind die Sieger. Das ist das Volk._«Infosperber»

Ein Bundesrat muss nicht unbedingt ein Fisch sein_«Infosperber»

Auch Basler müssen duschen und das absehbare Glück_«Infosperber»

«Der brave Herr Schulz» kann nicht Kanzler_«Infosperber»

Wenn der Fels sich rötet – betet, freie Schweizer_«Infosperber»

Humanität à la carte oder alles hat seine Grenzen_«Infosperber»

Wenn Identitäten an gestopften Gänselebern hängen_ «Infosperber»

Klaus Rózsa, Fotograf: Budapest – Zürich retour_«Infosperber»

Lieber Kohl in Speyer als Vagabund in Hinterau_«Infosperber»

Vom Knaben zum Mann – Die Angst vor der Gleichheit_«Infosperber»

Schluss mit politischer Korrektheit,
aber richtig
_«Infosperber», «P.S.»

Der Islamist ein Spekulant,
der Unsterbliche tot
_«Infosperber»

Mit Trommeln und Geschrei gegen dunkle Seiten_«Infosperber»

Wenn der «Blick» auf Politik macht_«Infosperber»

Wenn «Miss Europa» sich nicht fotografieren lässt_«Infosperber»

Rentenalter 90 – aber nur für die Allerreichsten_«Infosperber»

Mit Trump zum Züri Zoo. Höcke ist auch ein Zebra.
(Fällander Tagebuch 8)_«Infosperber»

Ein typischer Mensch – Nationalität vor Qualität
(Fällander Tagebuch 7)_ «Infosperber»

Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland_«Infosperber»

5000 namenlose Tote oder Tripptrapp für Xi Jinping
(Fällander Tagebuch 6)_«Infosperber»

Happy to you: Auch für Flüchtlinge, Meere und Frauen
(Fällander Tagebuch 5)_«Infosperber»

Die Heimkehr in den VPOD_Die Schiwoff-Affäre 10_10, «Infosperber»

Der Prozess & das Urteil_Die Schiwoff-Affäre 9_10, «Infosperber»

Lassen Sie sich scheiden_Die Schiwoff-Affäre 8_10, «Infosperber»

Keine Kollege mehr_Die Schiwoff-Affäre 7_10_«Infosperber»

Wer ins Gymi will, soll sich konform verhalten_«Infosperber»

Die Verhaftung_Die Schiwoff-Affäre 6_10_«Infosperber»

Feindpropaganda bestätigt_Die Schiwoff-Affäre 5_10_«Infosperber»

Folgenschwere Übergabe_Die Schiwoff-Affäre 4_10_«Infosperber»

Berliner Tage_Die Schiwoff-Affäre 3_10_«Infosperber»

Die ersten Bilder fallen_Die Schiwoff-Affäre 2_10_«Infosperber»

Der Krieg und sein Ende_Die Schiwoff-Affäre 1_10_«Infosperber»

Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln
(Mailwechsel mit Stefan Howald 4_4)_«Infosperber», «Theoriekritik»

Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie
(Mailwechsel mit Stefan Howald 3_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratische Bewegung von unten aufbauen»
(Mailwechsel mit Stefan Howald 2_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratie ist eine Praxis»
(Mail-Wechsel mit Stefan Howald 1_4)_
«Infosperber», «Theoriekritik»

Hans ist nicht Bhumibol oder Abhitlern & Toleranz
(Fällander Tagebuch 4) _«Infosperber»

US-Wahlen: Grossmaul schlägt Musterschülerin__«Infosperber»

«Terror». 164:70'000. Voten, Quoten und Optionen._«Infosperber», «PS»

Schwindel am Matterhorn
(Fällander Tagebuch 3) «Infosperber»

Trump, Gilli, Köppel, Houellebecq – alle «Araber»_«Infosperber»

Katzenscheisse, Gämsen, Fussabdrücke und Bigbang
(Fällander Tagebuch 2)_«Infosperber»

Tränen und die letzten Cowboys im zahmen Westen_«Infosperber», «PS»

Burka verbieten – und das Abendland ist gerettet_«Infosperber»

Clinton. Trump. Shoemaker. Die Geschlechterwahl
(Fällander Tagebuch 1)_«Infosperber»

NZZ, (K)alter Krieg & die nützlichen Idioten 2016_«Infosperber»

Der Nackte oder Im Engadin steht die Welt kopf
(Engadiner Tagebuch 7=Schluss)_«Infosperber»

Im Namen der Natur zum Zweiten
(Engadiner Tagebuch 6)_«Infosperber»

1. August 2016 oder Im Namen der Natur zum Ersten
(Engadiner Tagebuch 5) _«Infosperber»

Das zunehmende Erschrecken in den Alpen
(Engadiner Tagebuch 4)_«Infosperber»

Keine Ferien von der Welt oder Bündner Gendereien
(Engadiner Tagebuch_3)_«Infosperber»

Ein Tag im Original-Sylter-XXL-Sonnenkorb: 70 Fr.
(Engadiner Tagebuch 2)_ «Infosperber»

Im Engadin wird vor Schüssen noch gewarnt
(Engadiner Tagebuch 1)
_ «Infosperber»

Verschleiern oder «köpfen».
Das ist hier die Frage.
_«Infosperber»

Typischtypisch oder unser Roger ist ein Deutscher_«Infosperber»

Ab mit der «Scheisse» in den (Fernen) Osten_«Infosperber»

«Einen Boateng» oder die Gaulandsche Verteidigung_«Infosperber»

Wenn der «SonntagsZeitungs»-Chef Lehrerlis spielt_«Infosperber»

Fussball & Gewalt machen «Männer»_«Infosperber»

Ein Schlag – Islam gestoppt & Integration gerettet_«Infosperber»

Blick, Bestie, Bin Laden: 3xB und ein Gesicht oder Rupperswil: Die Sehnsucht nach der «Bestie» I & II _«Infosperber»

Die Welt überfordert uns. Andere bringt sie um._
«Bulletin Solidarité sans frontières»

Nicht totzukriegen – Die ewige Rückkehr der Götter_«Infosperber»

Überdruck und andere einfache Erklärungen_«Infosperber»

SVP: Inszenierung einer Ausgegrenzten & Verfolgten_«Infosperber»

Verzweifelte LehrerInnen filmen – verboten_«Infosperber», «P.S.»

Köppels Grinsen und Glättlis Befreiungsschlag_«Infosperber»

Wenn Menschenrechte für Religionen nicht gelten_«Infosperber»

Brüsseler Hokuspokus: Der liebe Gott hat gepfuscht_«Infosperber»

Schule & Gesellschaft scheitern an der Integration_«Infosperber»

Unterwerfung oder Die Aufklärung ist dem Menschen zumutbar_«Die Gazette»

Lieber Seniorenschwemme als Flüchtlingsflut_«Infosperber», «P.S.»

«Pfefferscharf» gegen Menschenrechte I + II _«Infosperber»

Durchsetzen – Jedem & jeder die eigene Verfassung_«Infosperber», «P.S.»

Volk ohne Kopf oder Einfamilienhaus- & Blockkinder_«Infosperber»

Alles hat seine Obergrenze, selbst der Hunger_«Infosperber»

Die SVP, der Wunschzettel & der Mut zur Opposition_«Infosperber»

Lieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack_«Infosperber»

Economiesuisse und der Besuch der alten Dame_«Infosperber»

Integration in Zeiten des Terrors_«Infosperber», «P.S.»

Sexuelle Lehrjahre im «Puff» – aber nur für Männer_«Infosperber», «P.S.»

Geld oder Deutsch! Der Zuger Handel_«Infosperber»

Wer hat in der Schweiz das Sagen? Frauen nicht._ «Infosperber»

(Rechts-)bürgerliche Opposition am Ende_«Infosperber», «P.S.»

Der «Medienberater» des «Tagi» und «das Klageweib»_«Infosperber»

Kunst & Politik = Sich das ganz andere vorstellen_«Infosperber», «P.S.»

Feindbild Mann – fremd, jung, alleinstehend_«Infosperber»

Freie Rede für Köppel. Andersgläubige. Hassprediger_«Infosperber»

«NZZ a. S.» fordert Aussenpolitik in Militärstiefeln_«Infosperber»

Für wie viel nehmen Sie FialaMörgeliWermuth & Co.?_«Infosperber»

Urlaub von Flüchtlingen & anderen Unbilden_ «Infosperber», «p.s.»

Der Ausweis: das Original – der Mensch:
die Kopie
_«Infosperber», «entwürfe»

Griechenland, das missratene Kind – Eine Nachlese_«Infosperber»

Eltern können für ein Kind eine Katastrophe sein_«Infosperber»

Die faulen Griechen oder Der Neid der Tüchtigen_«Infosperber», «p.s.»

Kriminelle Nationalitäten, Kantone & Co._«Infosperber»

Zeitreise Zürich – SchülerInnen kommen zu Wort_«Infosperber»

Israel, z.B., und die uniformierten VerräterInnen_«Infosperber»

«Kill Zone USA» oder Männliche Waffenlogiken_«Infosperber»

Lehrplan 21 oder die Angst vor den SchülerInnen_«Infosperber», «p.s.»

Bacholerette: Mensch Mann, Frau – schön blöd_«Infosperber», «p.s.»

Detektoren statt Psychiater: Blicke in die Zukunft_«Infosperber»

Der Maurer wird nicht Metzger, sondern Bundesrat_«Infosperber»

Ich & Du & «die Schweiz» gehen k.o._«Infosperber»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation_«Infosperber»

Wer nicht arbeitet, soll sterben_ «Infosperber»

Die Schule macht keine Männer (I + II)_ «Infosperber»

Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. _«Infosperber»

Freiheitskämpfer. Soldaten. Mörder. Unmenschen._«Infosperber»

Die Natur- und Mutter-Mythen des Roger K. _«Infosperber»

Mörder(innen) verstehen = selbst Mörder(in) werden_«Infosperber»

Männer oder Opfer, Frauen oder TäterInnen (I + II)_«Infosperber», «p.s.»

Bedroht von Ökonomisierung & Ökologisierung_«Infosperber.ch»

Das böse Spiel am Runden Tisch_ «www.Infosperber»

Vollbeschäftigung für fünf Franken in der Stunde_«Infosperber»

Weniger degustieren – mehr lesen_«Infosperber»

Kauf&Nutzung – Nur mit Bedarfsnachweis _«Infosperber»

Aufklären, aufgeilen, aufhetzen – Paradoxe Bilder _«Infosperber»

«Carlos» oder Es wird weiter «geblickelt» _«Infosperber»

Wenn der Einzelfall öffentlich wird_«Infosperber», «P.S.»

Wer, ganz nebenbei, ist «die Wirtschaft»?_«Infosperber», «p.s.»

Wir lassen Menschen auch verhungern_«Infosperber»

Parallelwelten oder Wenn Not erfinderisch macht _«Infosperber»

«Notnagel» Frauen _«Infosperber»

Eine Goldmedaille macht noch keine Inklusion _«Infosperber»

Wenn eine Baden-Reise öffentlich bedeutsam wird _«Infosperber»

Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen _«Infosperber

Wenn sich nur noch SiegerInnen aufs Podest drängen _«Infosperber»

Betet, freie Schweizerinnen, betet! _«Infosperber»

«… im Zweifel für die (potenziellen) Opfer» _«Infosperber»

Merkblatt für Flüchtlinge und andere Asylanten _«Infosperber»

Schwingerkönig oder Mister Schweiz sind Wurst _«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Bild, das den Krieg beendet _«Infosperber»

Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten _«Infosperber

Wann ist ein Vater (m)ein Vater?_«Infosperber»

Das Stockholm-Syndrom oder Sich vorstellen können, dass es auch ganz anders sein könnte (auf «Infosperber»)
_In: «Schlafes Bruder, wann stirbst du endlich?» «Der Bund» Essay-Wettbewerb - Die 20 Besten. Zürich: Offizin, 2014

Abseits des normierten Schulparcours lernen
_«WOZ - Die Wochenzeitung»

Menschen sind gefragt, wenn sie gebraucht werden _«Infosperber

Eine gesunde Schule wäre eine andere Schule _«Infosperber»

Wenn das Volk zu aktiv wird_«Infosperber»

Wer braucht einen wie Blocher _«Infosperber»

Taten statt Worte oder Die Schule macht keine Männer_Knaben und Mädchen - heute gleichgestellt? Referate und Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule, Chur, 10.4.2014

Das individuelle Treatment oder Der Tag, an dem ich das Telefon abnahm - Ein Dank_unveröffentlicht

Prostitution beschädigt auch den Käufer_«Infosperber» und «p.s.»

Wenn Menschen als Belastung der Natur erscheinen_«Infosperber»

Als gäbe es sie nicht _«Infosperber»

Moralische Konsequenzen_«Infosperber»

Die Angst vor der Gleichheit - Buch-Beitrag zu «Ein Haus verändert das Leben - Geschichten und Visionen», Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Kein Geld für Psychotherapien mit Goldfischen_«Infosperber»

Weniger Staat, mehr Staatsschutz_«Infosperber»

Tarnkappen für alle_«Infosperber»

Verantwortungs-Los_«Infosperber»

Frau Präsidentin - Sie sind der schönste aller oder Herrenwitze und andere Übergriffe_Jahresbericht Frauenberatung Sexuelle Gewalt

Der Mörder steht immer draussen vor der Tür_«Infosperber»

Unbekannt_unveröffentlicht

Das individuelle Treatment
- Ein Dank

Das letzte Wort

Arvenholz gegen Fluchtfliegen,
aber nur 1. Klasse

Wer zu früh kommt, den bestraft die SBB.
Im Engadin begann die Islamisierung vor 1000 Jahren.
Toiletten putzen – nicht benutzen.

18. September 2017

Wieder einmal auf Muottas Muragl. Wo ich schon in verschiedensten Lebenslagen übernachtet und gegessen habe. Mit verliebtem Blick auf die Malojaschlange oder einsamem Staunen ob der glitzernden Engadinerseen. In den letzten Tagen hat es geschneit, und es liegt, offiziell noch Sommer, mehr Schnee als in den letzten zwei Jahren vor Weihnachten. Da war der Weg über die Alp Muragl jeweils kurz vor dem der Christenheit so heiligen Abend noch aper, da und dort rutschte der Bergschuh auf vereistem Stein ab. Heute mit der Standseilbahn direkt an den aus dem Unterland reservierten Vierertisch. Das bestellte und gegessene Stück Fleisch, 120 Gramm, taucht in der Rechnung als «Rindsfilet Lady Size» auf. Gendereien auf dem Teller.

19. September 2017

Der Mann ist empört. «Ich bin doch kein Krimineller!» Und streckt der durchgeschulten Dame in Anthrazit mit Rot sein Smartphone entgegen. Kriminell nicht, einen Fehler habe er gemacht. Bewertet die Freundliche sein Verhalten. «Aber ich habe doch ein gültiges Billet!» Darauf wird auch L. – die mit dem SBB-App Vertrautere als ich notorischer GA-Besitzer – ein paar Wochen später beharren. Nachdem sie mit ihren beiden Kindern durch den Bahnhof gerannt, froh sein wird, einen früheren Zug erwischt zu haben als erhofft. «Zwei Minuten zu früh», wird sie eine Uniform in gleichen Farben, aber mit anderem Träger belehren und sich durch den kleinen Wutausbruch – den ich mir lebhaft vorstellen kann – nicht beeindrucken lassen. Ob er etwa im Ernst glaube, sie würde mit den zwei Müden noch ein Vergnügungsreisli machen, um die hundertzwanzig Sekunden zu nutzen, wird die Kämpferin rufen. Aber ihr bleibt dieselbe Wahl, vor die Frau Gnadenlos auch den Mann stellt, den ich als älteren phantasiere. «Sie lösen jetzt per Handy ein zweites Ticket, oder ich muss Sie an die Zentrale verweisen.» Hat die Korrekte ähnliche Erfahrungen gemacht wie der Passbeamte, der mir vor vielen Jahren erzählte, ein Kunde habe sich bei seinem Chef über ihn beschwert, er habe ihn bevorzugt behandelt – weil er dem Bettelnden unter Umgehung der offiziellen Fristen noch rechtzeitig vor der Reise nach Downunder zu einem neuen Pass verholfen habe. Die Mutter – die auch eine Tochter ist – wird im bevorstehenden Herbst mit Gefluche und fuchtelnden Händen nochmals den Touchscreen bearbeiten. Was der Mann, der sich nicht wie ein Verbrecher behandeln lassen will, tut, weiss ich nicht. Dank GA kann ich jederzeit und überall ein- beziehungsweise aussteigen, während diese Applerinnen und Appler darauf hoffen müssen, dass ihr Kundengespräch nicht schneller als geplant erfolgreich ist oder das romantische Dinner kein filmreifes Ende nimmt. Ein zu früh bestiegener Zug bringt einen nicht zwingend schneller ins Glück.

2. Oktober 2017

Der Versprecher des Tages: Fluchtfliegen. Statt Fruchtfliegen. Denkt die Moderatorin bei den «Plagegeistern» – die innert weniger Wochen eine Millionenarmee in der Küche mobil zu machen in der Lage sind und der Biologie als «ideales Versuchstier für genetische und entwicklungsbiologische Untersuchungen» dienen – an Flüchtende? Hofft sie im Kampf gegen an- und abschwellende Menschenfluten auf ebenso simple Hausmittelchen wie gegen Fruchtfliegen? Kein reifes Obst und Gemüse herumstehen lassen. Regelmässig und gründlich lüften. Fallen stellen. Mit Apfelsaft oder Geschirrspülmittel. Sekt oder Zuckerwasser. Im Klartext – anlocken, festhalten, ersaufen lassen. Natürlich könnte man auch Obst, Gemüse, Wein und Softdrinks im Kühlschrank wegsperren, dann kämen diese Fluchtfliegen gar erst nicht auf die dumme Idee, bei uns nach einem süsseren Leben zu suchen (1).

14. Oktober 2017

Im «Volkiland» – ist im Volketswiler «Familieneinkaufszentrum» alles Volkes Land? – beim Vorüberschieben des sperrigen Einkaufswagens gehört: «Die Leute werden einfach zu alt.» Welche Leute? Und was ist zu alt? 50? 60? 70? 80? 90? Und dann? – Erschlagen?

16. Oktober 2017

Unterhalb Muottas Schlarigna, noch ohne Sicht aufs Roseggtal, die Arve gesichtet, die auf 900 bis 1200 Jahre geschätzt und von Zora del Buono in ihrem Buch «Das Leben der Mächtigen – Reisen zu alten Bäumen» (2) als einer beschrieben wird, «der keine Missliebigen kennt, die an ihm aufgeknüpft wurden, keine Adeligen, die Schriftstücke unter ihm signierten, keine Indianer, die ihn als spirituellen Wächter nutzen, dieser Baum hat weder historische noch literarische Bedeutung.» Die Arve von Schlarigna eignet sich nicht für nationalistische Mythen, die stand da oben schon in Wind und Wetter, bevor den alten Eidgenossen irgendwelche Schwüre und Apfelschüsse angedichtet wurden. Liess die Jahrhunderte gelassen vorüberziehen, unbeeindruckt vom Ruf des Landes und dem Lärm in den Städten. Welche Zeitenwenden, Prediger und Dichterinnen haben sich in ihren Jahrringen eingeschrieben? Bevor die Rotfäule ihr Gedächtnis zu zersetzen begann?

Was würde der Baum berichten? Über den Schwabenkrieg, der Samedan 1499 niederbrannte. Die Pest, die das Engadin 1629 befiel. Die Feuersbrunst, die Pontresina-Laret 1718 fast vollständig zerstörte. Was würde er über den Lawinenwinter 1951 berichten, wenn Bäume irgendetwas berichten könnten?

Hätte der alte Baum hoch über dem Stazersee geglaubt, was Papst Leo der Zehnte den zur Quellenkirche des heiligen Mauritius in St. Moritz Pilgernden versprach – «die völlige Absolution»? (3) Hätte er an das «besonders gesegnet[e] und heilbringend[e]» Wasser geglaubt, wenn Bäume irgendetwas glauben könnten?

Könnte er bezeugen, dass der St. Moritzer Johannes Badrutt 1864 mit englischen Sommergästen tatsächlich die Wette abschloss, sie könnten «auch im Winter hemdsärmlig auf seiner Terrasse die milde Engadiner Sonne geniessen», andernfalls würde er ihre Reisekosten übernehmen? (4) Würde er bezeugen, dass die vor Weihnachten angereisten Britinnen als erste Wintertouristen blieben, bis sie «nach Ostern braungebrannt, erholt und glücklich» wieder abreisten, wenn Bäume irgendetwas bezeugen könnten?

Hätte er gesehen, wie 1878 die erste Elektrizitätsanlage der Schweiz in St. Moritz installiert wurde und im Speisesalon des Hotels Kulm das elektrische Licht anging, wenn Bäume irgendetwas sehen könnten? (5)

Würde der Baum mit neun Kandelaberästen (Zora del Buno) die Frage definitiv beantworten, ob Pontresina mit «Sarazenen-Brücke» übersetzt werden kann und in «Zusammenhang mit dem Einfall der Araber in die Schweiz des 10. Jahrhunderts» steht, oder ob das Dorf seinen Namen von einer Brücke hat, «die nach ihrem Erbauer Saraschin ‹Ponte sarasinae› benannt wurde»? (6) Würde die Arve klären, ob die Islamisierung des Abendlandes schon damals begonnen, die Bewohnerinnen von Puntraschigna allesamt Araber sind, oder ob sich, umgekehrt, die Sarazenen, diese «wilden Wüstensöhne», «mit Landestöchtern verheiratet und das Christentum angenommen» haben (7), das heisst eingeschweizert worden sind?

Würde sie die aktuellen Gemüter mit diesem Wissen beruhigen können, wenn Bäume in der Lage wären, irgendjemanden zu beruhigen? «Arvenholz», schreibt Zora del Buono, «beruhigt ungemein, fast möchte man sagen, es sediert. Der Puls sinkt nachweislich, dreitausendfünfhundert Schläge erspart sich ein Herz in einem Arvenraum am Tag.» (2)

An wen würden die Marktschreier und Propagandistinnen der Gegenwart den Baum – der seine «Existenz einem der dunkelbraunen Vögel mit den reiskorngrossen weissen Sprengseln» (2), einem Tannenhäher, verdanken dürfte – erinnern, wenn Bäume sich an irgendetwas erinnern könnten? Vor der Rückkehr welcher Sätze und Lieder würde er sich fürchten, wenn Bäume sich vor irgendetwas fürchten könnten?

17. Oktober 2017

Dank des Schweizer Boulevardblatts erfahre ich, was für Hobbys ein Multimillionär mit seinem Geld so pflegt. Unter dem Titel «In den Sümpfen von Bern» setzt sich der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter neuerdings für Videoselfies vor die Kamera – auf dem Tisch vor sich ein Schweizer Fähnchen. So wie das Präsidenten und manchmal auch Präsidentinnen gerne tun. Und weil er gehört hat, dass ein kleiner Wettbewerb die Publikumsbindung erhöht, fragt er in einem seiner neusten Blogs: «‹Woher kommt das Michelin-Männchen?› … und blendet dazu das berühmte Werbemaskottchen des Reifenherstellers ein. ‹Ist es A: Micheline Calmy-Rey?, B: Juso-Chefin Tamara Funiciello oder C: von Michelin?› lautet die Auswahl – wobei ein Oben-ohne-Foto von Funiciello eingeblendet wird, gefolgt von einem eingespielten Toni-Brunner-Lachen» (8). Da können wir nur hoffen, dass eine Mitarbeiterin von Facebook, Instagram oder Youtube an ihrem letzten Arbeitstag den Account von Thomas Matter löscht. So wie das einer mit dem Twitter-Konto des Trumpels gemacht hat. Wenigstens für einen klitzekleinen Moment. Am 22. Oktober wird Nationalrätin Verena Herzog dem Parteikollegen gegen die kalkulierte Empörung der politisch Korrekten beispringen: «Hätte sie sich nicht ausgezogen, hätte Matter nie einen solchen Witz gemacht» (9). Gäbe es die SVP nicht, niemand käme auf die hinterhältige Idee, ihr faschistoide Tendenzen zu unterstellen.

18. Oktober 2017

Züge sind auch Fundgruben – für Komikerinnen und andere Satzsucher. «Eigentlich müsste ich in der ersten Klasse sitzen.» Sagt ein Bub. In einem der Züge aus dem Bündnerland Richtung Zürich, in dem ich in diesem Herbst gesessen. Und erklärt seiner leicht verwunderten Mutter, die auch ein Vater sein könnte: «Ich bin doch ein Erstklässler.» Sagt es in der zweiten Klasse. Wahrscheinlich erinnert sich nicht einmal sein Grossvater an die Zeiten, in denen es in Schweizer Eisenbahnen noch drei Klassen und emaillierte Schildchen mit der Aufforderung «Bitte nicht in den Wagen spucken» gab. Der Primarschüler wird enttäuscht sein, dass schon nach der zweiten Klasse Schluss mit dem eigenen Waggon ist. Er kann und wird noch nicht wissen, dass es nicht nur Schulklassen, sondern auch Bootsklassen (Einer, Doppelzweier, Vierer ohne, Achter, Hochzeitseiner), Lohnklassen, Gewichtsklassen (beim Boxen und Ringen), Güteklassen (für Äpfel und Essig) und vor allem soziale Klassen gibt.

Nicht nur, weil er das «Kapital» von Marx nicht studiert hat, sondern weil die Rubrik «Stilfrage» von Tagesanzeiger und Bund erst Tage später eindrücklich belegen wird, dass es diese Klassen auch heute noch gibt. Aber wenn Frau R. S. der «Stil»-Briefkastentante Bettina Weber am 23. Oktober 2017 ihre Frage stellen wird, sitzt der kleine Bub längst nicht mehr im Zug, weder in der ersten noch in der zweiten Klasse. «Wöchentlich kommt eine Raumpflegerin und reinigt während dreier Stunden (von 13 bis 16 Uhr) unser Haus.» Schildert die Nichte in Unbekannt die Ausgangssituation und kommt dann auf den heiklen Punkt: «Nun benutzt sie jedes Mal, wirklich ohne Ausnahme, unsere Toilette – und zwar immer, nachdem sie sie gereinigt hat… Nun zu meiner Frage: Sehe ich das zu eng, wenn mich das stört? Müsste ich toleranter sein? Es will mir nicht in den Kopf, dass unsere Reinigungskraft, die ja kein Gast oder Familienmitglied ist, jedes Mal unsere Toilette benützen muss. Auch weiss ich nicht recht, wie ich es ihr sagen soll…» Anschaulicher hätte auch eine Soziologin die Klassengesellschaft nicht erklären können: Die einen kacken, die anderen sollen die Scheisse wegputzen, aber niemand bekommt den Fünfer und das Weggli – putzen und (s)ein Geschäft machen.

Das gilt gerade in unseren Zeiten und Breiten. In denen schon der Hinweis auf sozioökonomische Ungleichheiten, nicht aber die Anhäufung grosser Reichtümer, als Klassenkampf gilt. Und der Gedanke, unsere Gesellschaft würde sich in all ihren Verästelungen grundlegend verändern, wenn alle Arbeiten – vom Waschen Sterbender bis zum Erläutern von Investitionsplänen – denselben Wert erhielten, also gleich bezahlt würden, als Idee aus der kommunistischen Mottenkiste diffamiert wird. Kein Wunder will da schon ein Schulbub erste Klasse fahren.

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(1) unter Verwendung von Tipps für die Bekämpfung von Fruchtfliegen auf www.t-online.de beziehungsweise www.welt.de

(2) Zora del Buono: Das Leben der Mächtigen – Reisen zu alten Bäumen, Berlin: Naturkunden, No. 22, hrsg. von Judith Schalansky, Matthes & Seitz Berlin, 2015

(3) www.medizin-stmoritz.ch/zentrum/geschichte.html

(4) www.engadin.stmoritz.ch/winter/de/aktivitaeten/engadiner-lebensart/geschichte/geschichte-von/die-geschichte-von-stmoritz/

(5) www.stmoritz-energie.ch

(6) www.pontresina.ch

(7) Carl Camenisch: Pontresina und die Sarazenenbrücke, Bündnerisches Monatsblatt, Heft 5-6, 1951

(8) Blick, 17.10.2017

(9) Blick, 19.10.2017

Siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Giftiger Weltwoche-Mix –
Köppel will nicht malen.

Wer die Nazikeule schwingt, instrumentalisiert Opfer von gestern für aktuelle Skandalisierungen. Die Folgen sind parteiabhängig.

Wer ab und zu oder auch regelmässig kocht, kennt das: Nicht richtig eingekauft. Der Kühlschrank etwas zu aufgeräumt. Also mixen, was der zufällige Notvorrat hergibt. So werden neue Delikatessen gefunden. Aber auch Ungeniessbares oder Giftiges kreiert. Letzteres ist dem promovierten Literaturwissenschaftler Philipp Gut in der neusten Ausgabe des Magazins von der Zürcher Förrlibuckstrasse passiert. Aus den landesweit verhandelten «Fällen» Geri Müller, Jolanda Spiess-Hegglin und Jonas Fricker mischt der stellvertretende Chefredaktor der Weltwoche, vermutlich ohne künstlerische Ambitionen, die «Skandalfarbe Grün». Und verallgemeinert dann, vielleicht durch Farbenblindheit beeinträchtigt, aufgrund dieser für ihn offensichtlich repräsentativen Auswahl kühn: «Die saftigsten Polit-Affären der letzten Jahre haben grüne Hauptdarsteller.»

Zutaten zu einem politischen Süppchen

Blöd nur, dass in zwei der drei Eklats der Schweizer Presserat eine Verletzung der Privat- und Intimsphäre – Ziffer 7 der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» – durch die Schweiz am Sonntag beziehungsweise den Blick festgestellt und entsprechende Beschwerden gutgeheissen hat. Gut selbst ist im Mai dieses Jahres, nicht zum ersten Mal, «wegen übler Nachrede verurteilt» worden (Tagesanzeiger, 16.5.2017). Der Richter hielt fest: «Der Beschuldigte stellte knallharte Tatsachenbehauptungen auf, die er nicht beweisen konnte.» Dies in der sogenannten «Zuger Sex-Affäre», in der bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist, ob es sich um eine Vergewaltigung oder einen «Fehltritt» handelt. So und so – zwei der Politskandale erweisen sich als mediales Foulspiel, und das Skandalgrün blättert, noch bevor es trocken ist. Guts Artikel – ein durchschaubarer Versuch, aus den zufällig verfügbaren Zutaten ein politisches Süppchen zu kochen und der Grünen Partei eine äusserst «positive» Skandalbilanz zuzuschreiben.

Immerhin lässt der Journalist mit Grünfilter vor den Augen den Politologie-Professor Adrian Vatter darauf hinweisen, dass auch die Partei am anderen Ende des Farbenspektrums «einige Skandale zu verzeichnen hatte». Allerdings ohne den Mann zu erwähnen, der sich mehrfach in einer Art und Weise geäussert hat, die am ehesten dem unseligen Schweine-Vergleich Jonas Frickers gleicht, sich aber dafür noch nie auch nur ansatzweise entschuldigt hat: Christoph Blocher. Kein Grund allerdings, mit dem grünen Nationalrat Mitleid zu haben (weil er in der falschen Partei ist) oder ihn, aufgrund seines Rücktritts, schon fast als Helden zu feiern. Wer die Ermordung von Millionen von Menschen instrumentalisiert, um die Massentierhaltung zu skandalisieren (das zu Recht); wer nicht bedenkt, dass die Gleichsetzung von Mensch und Tier – bei aller berechtigten Kritik an der Überordnung des Menschen – selten der besseren Behandlung von Tieren, sondern dem Abschlachten von Menschen den Boden bereitete, kann sich nicht mit Naivität und eilfertigen Entschuldigungen entlasten. Ein «Fauxpas» (Fricker im Interview mit der Aargauer Zeitung, 29.9.) ist solche Rede an einem nationalrätlichen Mikrofon nicht. Da müssten ernsthaftere Konsequenzen gezogen werden. Das, immerhin, hat Jonas Fricker, anders als andere, getan.

Jedem seine Nazikeule

Ganz im Gegensatz zu Christoph Blocher (siehe Infosperber, 10.5.2016). Der bestätigte im April 2016 bei Schawinski und auf Teleblocher, seine Aussagen «wohlüberlegt» und «mit Bedacht» gemacht zu haben. Nach der unerwarteten Abstimmungsniederlage im Februar 2016 (Durchsetzungsinitiative) erklärte er in einem in der Zürichsee- und in der Berner Zeitung veröffentlichten Interview: «Der Kampf gegen die SVP vonseiten der Staatsmedien und von Blick bis zur NZZ hat mich in ihrer Radikalität an die Methoden der Nationalsozialisten den Juden gegenüber erinnert.» Im Blick setzte er noch einen drauf: «Statt ‹Kauft nicht bei Juden› heisst es heute ‹Stellt keine SVP-ler als Uni-Professoren an.›» Trotz kurzer medialer Aufregung und einiger empörter Zwischenrufe in der eigenen Partei hielt er fest: «Was soll ich bedauern? Die Aussage ist richtig. Man kann natürlich darüber streiten, ob man das Richtige auch öffentlich sagen soll. Ich habe mich dazu entschlossen, um weiteres Unheil zu verhindern» (Blick, 18.4.2016). Dem (un)heimlichen Vorsitzenden der SVP, der sich da als Winkelried inszeniert, hat das wiederholte Schwingen der Nazikeule nicht wirklich geschadet.

Dass Gut ihn in seiner (grünen) «Skandalbilanz» in der aktuellsten Nummer der Weltwoche nicht erwähnt, hat nicht nur farbästhetische Gründe – in der vorletzten Ausgabe hat auch der Chefredaktor und Besitzer des rechten Kampfblatts bei seinem neusten Intellektuellenbashing mit dem Titel «Die Dummheit der Gescheiten» den grössten Diffamierungshammer ausgepackt, den die Welt seit 1945 kennt. (Immerhin lässt er sich eine Woche später in einer «Replik auf seine Philippika voller Irrtümer» im eigenen Blatt von René Zeyer als Intellektuellen apostrophieren.)

In der Weltwoche 1/2016 tippte der Journalist Köppel noch fasziniert den IQ des Hauptkriegsverbrechers Hermann Göring in sein Neujahrs-Editorial, 140, und bezog dafür verbale Prügel. Vor allem von Intellektuellen. Im Tagi-Gespräch zum Jahreswechsel 2016/17 (mit SP-Ständerat Daniel Jositsch) verabschiedete sich der SVP-Nationalrat aus der sogenannten Elite, zu der alle andern gehörten – «die Medien, die Intellektuellen, die Politiker – so ziemlich alle. Ausser ich» (siehe Infosperber, 25.1.2017). Im Oktober 2017 rechnet der studierte Köppel – späte Rache? – mit den Intellektuellen, teilweise namentlich, definitiv ab: «Intellektuelle sind nachweislich irrtumsanfälliger als Nichtintellektuelle.» Mit Blick auf jene «Geistesfürsten», die sich für den Nationalsozialismus und andere Totalitarismen begeisterten, notiert er: «Wenn es eine Lektion aus der Geschichte gibt, dann ist es die: Niemand lässt sich einfacher verführen als eine Gruppe eingebildeter Intellektueller.» Über all jene Schriftstellerinnen, Schauspieler, Akademikerinnen und anderen Intellektuellen, die heimlich oder offen widersprochen, innerhalb und ausserhalb Deutschlands Widerstand geleistet haben, aus dem «Tausendjährigen Reich» geflohen oder in dessen Lagern umgekommen sind – kein Wort. Dafür lässt er das ultimative Fallbeil niederdonnern: «Hitler war ein Intellektueller.»

Was will er damit suggerieren? Auch Hitler hat sich (nur) geirrt? Alle Intellektuellen – kleine Hitler? Was wäre schlimmer? – Ein Schelm, wer denkt, die Köppels wären besser (Flach )Maler geworden.

siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

(AfD-)Wählende ernst nehmen,
heisst auch – ihnen widersprechen

Wie mit den Siegern umgehen, das ist die deutsche Frage der Stunde. Ernst nehmen = unterstellen, dass sie wissen, was sie tun. (3)

Es ist, in diesen Tagen, viel von Verstehen beziehungsweise Ernstnehmen der AfD-Wählerinnen und -wähler – die ausserhalb Deutschlands andere Namen tragen – die Rede. Mit gutem Grund. Das Verstehen kann die Angst vor dem und denen, die uns bedrohen, kleiner machen. Das Ernstnehmen lindert, womöglich, die Wut der Hassenden. Aber verstehen bedeutet nicht Einverständnis. Jemanden verstehen, kann auch zu klarer Abgrenzung führen. Und ernst nehmen heisst, die AfD-Wählenden nicht (überheblich) als «Verführte» oder ökonomisch beziehungsweise kulturell «Abgehängte» zu interpretieren, sondern davon auszugehen, dass sie als Bürgerinnen und Bürger eines freien, demokratischen Staates wissen und wollen, was sie tun. Zum Beispiel Rechtsradikale und Rassistinnen in den Bundestag wählen. Die Reden der Höckes, Gaulands, Weidels, von Storchs, Petrys u.a. können nachgelesen beziehungsweise auf Youtube angeschaut werden. Die ehemalige Führungsfigur Frauke Petry verlässt jetzt eine Partei, die sie auf rechten Kurs gebracht und aus der sie einen Teil der «gemässigten» Parteigründer verdrängt hat. Weil sie, ihre Partei, zu extrem geworden sei. Wie weit nach rechts geht das noch?

«Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen!»

Ernst nehmen bedeutet auch, sie beim Wort derer zu nehmen, denen sie ihre Stimme geben. Zumal Alexander Gauland, neu Co-Fraktionschef der AfD im nationalen Parlament, im Interview mit der Wochenendausgabe der Aargauer Zeitung – auch wenn sie sich «natürlich» an «parlamentarische Gepflogenheiten halten» würden – bekräftigt, er und seine Partei meinten, was sie im Wahlkampf gesagt: «Sie können nicht erwarten, dass wir uns in der Haltung, für die wir gewählt wurden, in irgendeiner Form mässigen» (30.9.2017).

Aufmerksamkeit holte sich der Mann mit der Hündli-Krawatte am Wahlabend mit der Drohung «Wir werden sie jagen!» – Ein Satz für seine brüllende, klatschende, pfeifende Anhängerschaft. Im Tagesanzeiger beruhigt er – «Är biisst nöd, är wott nu schpille» – die Empörten am 5. Oktober: «Das ist metaphorisch gemeint. Ich werde doch als 76-Jähriger nicht die Kanzlerin mit der Flinte durchs Land jagen.» Zum Glück ist er nicht mehr 30. Interessanter als dieser «Earcatcher» ist der Nachsatz: «Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen!» Ist Deutschland – das ein «Land von Fremden» werde (Tagesanzeiger) – besetzt, das deutsche Volk entführt worden? Welches Land will Gau-Land – diese kleine Boshaftigkeit muss bei allem Verständnis erlaubt sein – zurückholen?

Deutschland vor der «Flüchtlingswelle»? Welcher? Die DDR-Flüchtlinge meint der ehemalige «Republikflüchtling» nicht. Denn: «Es ist etwas völlig anderes, wenn ein Eritreer hier ankommt oder wenn ein Deutscher nach Deutschland geht» (Aargauer Zeitung). Von Eritrea nach Deutschland ist es weiter, dafür hat’s nur ein Meer und keine Mauer wie, damals, von Ost nach West. Welches Land und welches Volk wollen sich diese Neurechten, die nichts mit den «Altparteien» zu tun haben wollen, zurückholen? Deutschland noch mit der D-Mark, also ohne AfD, die 2013 gegen den Euro gegründet worden ist? Deutschland vor der Wende – mit Honecker oder lieber mit Ulbricht? Bevor die «rotgrüne Verseuchung» durch die 68er begann (Jörg Meuthen am Bundesparteitag der AfD in Stuttgart, 1.5.2017)? Vor Gründung der Europäischen Union? Vor der «Niederlage» 1945? Vor 1933, damit es kein «Denkmal der Schande» braucht? Oder vor 1789, bevor diese Sache mit der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit, neuerdings gar der Schwesterlichkeit, begann?

«Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz»

«Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.» Der Satz klingt wie eine Drohung. Welches «Wir» holt sich welches Deutschland und welches Volk zurück? Wem gehört Deutschland jetzt? Wem will Gauland das deutsche Volk abjagen? Und was meint er mit «zurückholen»? So wie sich die Russen die Krim zurückgeholt haben? Der Satz gehört in einen Kontext. Ist Teil des Versuchs, den Nationalismus – der durch das grosse Morden im 20. Jahrhundert endgültig diskreditiert schien – zu rehabilitieren. Der Nationalismus begründet den Mythos, die Nation, das Vater- oder Mutterland könne uns Heimat sein, indem es alles Trennende (Oben und Unten, Frau und Mann, Zentrum und Peripherie usw.) versöhne. Die Konstituierung des nationalen Wir-Gefühls ist das Resultat des erfolgreichen Versuchs, die unteren Klassen für die Interessen der Mächtigen in aller Welt zu vereinnahmen und sie auf den nationalen Eid zu verpflichten. Das ist Loyalität gegenüber der Macht hinter der Landesfahne. Auf dass in Kriegszeiten die Bomben nicht auf die Bunker der Oberen, sondern die Hütten feindlicher Frauen, Männer und Kinder programmiert werden.

Der Satz Gaulands ist Teil des Versuchs, die deutsche Geschichte neu zu schreiben. Gleich Björn Höckes erinnerungspolitischer Wende um 180 Grad [siehe Infosperber: Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland]. Diese würde Verbrechen und Opfer des Nationalsozialismus definitiv auslöschen. Und Gauland könnte endlich wieder stolz auf «die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen» sein. Ein Recht, das er am 2. September 2017 in seiner Rede beim sogenannten Kyffhäusertreffen in Thüringen eingefordert hat. Um dann Tacheles zu reden: «Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten, sie betreffen unsere Identität nicht mehr.» Das ist eine späte Replik auf das Diktum des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck am Holocaust-Gedenktag im Januar 2015: «Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.» Aber das ist nicht das Land und das Volk, das sich die Gauländer zurückholen wollen.

Wer nichts zu sagen hat, ist in jeder Welt fremd

AfD-Wählerinnen und -Wähler ernst nehmen, heisst vor allem anderen, sie darauf zu behaften, dass sie wissen, wen und was sie wählen. Und mit ihren Stimmen für Gauland, Höcke & Co. nicht nur ein bisschen provozieren und spielen wollen. Ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen, kann nicht bedeuten, ihnen nach dem nationalkonservativen Mund zu reden und nach der rechtsradikalen Pfeife zu tanzen. «2009 bekam die Linke 11.9 Prozent der Stimmen», erinnert sich Walter Wüllenweber am 28. September auf Stern online, «doch damals kam niemand auf die Idee, über den Austritt aus der Nato nachzudenken oder eine Millionärssteuer einzuführen, um den Wählern der Linken zu zeigen, dass man ihre Sorgen ernst nimmt.» Oder, in der Schweiz, wegen der zweitgrössten Partei den Kapitalismus ein wenig zu überwinden.

Die vorauseilende Anpassung an AfD-Positionen, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik, weckt den Verdacht, es ginge weniger um das Ernstnehmen der Sorgen und Ängste ihrer Wählerinnen und Wähler, sondern vielmehr um den eigennützigen Versuch, Stimmen zurückzugewinnen, schlimmstenfalls durch Preisgabe eigener Visionen. Vielleicht aber wird die AfD auch nur als Feigenblatt benutzt, um in unsicheren Tagen die in besseren Zeiten hoch gehaltene internationale Solidarität durch nationalistische Illusionen zu ersetzen. Das wäre ein Zeichen, aber kein gutes. «Wenn ein Land wegen 890‘000 Geflohener in Kauf nimmt, dass Rechtsextreme in ein Parlament ziehen, was wird es tun, wenn mal wirklich eine Krise droht?» Fragt Mely Kiyak auf Zeit online am 25. September besorgt.

Ernst nehmen – das wäre das Eingeständnis, dass auch uns manchmal vieles und viele zu viel werden, die Welt zu gross erscheint, dass wir es zuweilen mit der Angst bekommen, uns dann nach einem sicheren und gemütlichen Weltchen sehnen; dass wir uns fremd fühlen, wenn in Radio und Fernsehen englische Aussagen nicht mehr übersetzt werden, arabische und thailändische Sprachfetzen durch den Bus schwirren; dass auch wir uns nicht ernst genommen fühlen, wenn die realen Verhältnisse so gar nicht unseren Träumen entsprechen. Denn wer nichts zu sagen hat, ist in jedem Land fremd.

Keine schnellen und einfachen Lösungen

Neue Technologien, flexibilisierte Arbeitsverhältnisse, unsichere Erwerbslagen, mehr internationale Mobilität (nicht nur in den Ferien), verdichtetes Wohnen, immer unübersichtlichere Geld- und Warenströme, der (gefühlt) näher rückende Krieg sowie ungewisse Zukünfte konfrontieren uns mit einer sich rasant verändernden und zunehmend unvertrauter werdenden Alltagswelt, in der sich viele nicht (mehr) zurechtfinden. Verstärkt wird das Gefühl des Fremdseins durch die Bedrohungen und Gefahren, die unsere Zeit prägen. All dem fühlt sich die Mehrheit der Menschen ausgeliefert, den dafür in erster Linie Verantwortlichen gegenüber ohnmächtig. Da erscheinen die machtlosen Fremden als willkommene Sündenböcke. Sie sind die sichtbarste Verkörperung einer fremdgewordenen Welt. Die von draussen werden für das Gefühl, unsere eigene Welt werde uns immer fremder, verantwortlich gemacht und ausgegrenzt. «Wir werden unser Land und unser Volk zurückholen.»

Ernst nehmen heisst aber auch, den AfD-Wählenden zu widersprechen, ihnen (und uns) abzuverlangen, die ohnmächtige Wut auf das und jene zu richten, die für die nationalen und internationalen Verhältnisse verantwortlich sind, statt auf jene, die unter den ökonomischen und sozialen Ungleichheiten weit mehr zu leiden haben als wir. «Wie gut muss es einem Land eigentlich noch gehen, wie viel mehr Freiheit und Sicherheit und Wohlstand und Demokratie und Bildung und Zivilisiertheit muss man noch erreichen, damit Menschen sich nicht mehr von fremdenfeindlichen Szenarien aufhetzen lassen?» Ruft die Schriftstellerin Juli Zeh «den Deutschen» im Herbst 2017 auf Spiegel online zu.

Die «Aufgehetzten» beziehungsweise jene, die sich aufhetzen lassen oder selber hetzen, ernst nehmen, heisst, ihnen zuzumuten, was sie längst ahnen und wissen (müssen), aber nicht wahrhaben wollen – dass es keine einfachen und schnellen Lösungen für das gibt, was ihnen und uns Angst macht. Dass diese Welt auf lange Sicht auch von Flucht- und Migrationsbewegungen geprägt sein wird, welche die direkt Betroffenen und uns immer wieder «überfordern» werden. Dass die soziale Frage nur international «gelöst» werden kann, weil es kein Zurück zu «unserem Deutschland» (oder unserer Schweiz) gibt. Dass wir diese Welt, auch wenn unsere Arbeitsplätze und Renten nicht sicher sind, irgendwie teilen müssen. Weil es nur diese eine gibt. Für uns alle. Dass in einer Welt, in der, auch mit Absicht und Gewinn, alles miteinander verflochten ist und alle voneinander abhängig sind, der Mut zur Utopie die einzig realistische Perspektive ist. Das ist auch ein menschengerechter «Umgang» mit Flucht und Migration. Mit den Menschen hier und den Ursachen dort. Auch und gerade in unsicherer Zeit.

Siehe auch Infosperber