WS ab 1.3.2017:

Gesprächs- und Selbsterfahrungs-gruppe für Männer

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Kopien_Abdruck nach Absprache

Rentenalter 90 – aber nur für die Allerreichsten_«Infosperber»

Mit Trump zum Züri Zoo. Höcke ist auch ein Zebra.
(Fällander Tagebuch 8)_«Infosperber»

Ein typischer Mensch – Nationalität vor Qualität
(Fällander Tagebuch 7)_ «Infosperber»

Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland_«Infosperber»

5000 namenlose Tote oder Tripptrapp für Xi Jinping
(Fällander Tagebuch 6)_«Infosperber»

Happy to you: Auch für Flüchtlinge, Meere und Frauen
(Fällander Tagebuch 5)_«Infosperber»

Die Heimkehr in den VPOD_Die Schiwoff-Affäre 10_10, «Infosperber»

Der Prozess & das Urteil_Die Schiwoff-Affäre 9_10, «Infosperber»

Lassen Sie sich scheiden_Die Schiwoff-Affäre 8_10, «Infosperber»

Keine Kollege mehr_Die Schiwoff-Affäre 7_10_«Infosperber»

Wer ins Gymi will, soll sich konform verhalten_«Infosperber»

Die Verhaftung_Die Schiwoff-Affäre 6_10_«Infosperber»

Feindpropaganda bestätigt_Die Schiwoff-Affäre 5_10_«Infosperber»

Folgenschwere Übergabe_Die Schiwoff-Affäre 4_10_«Infosperber»

Berliner Tage_Die Schiwoff-Affäre 3_10_«Infosperber»

Die ersten Bilder fallen_Die Schiwoff-Affäre 2_10_«Infosperber»

Der Krieg und sein Ende_Die Schiwoff-Affäre 1_10_«Infosperber»

Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln
(Mailwechsel mit Stefan Howald 4_4)_«Infosperber», «Theoriekritik»

Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie
(Mailwechsel mit Stefan Howald 3_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratische Bewegung von unten aufbauen»
(Mailwechsel mit Stefan Howald 2_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratie ist eine Praxis»
(Mail-Wechsel mit Stefan Howald 1_4)_
«Infosperber», «Theoriekritik»

Hans ist nicht Bhumibol oder Abhitlern & Toleranz
(Fällander Tagebuch 4) _«Infosperber»

US-Wahlen: Grossmaul schlägt Musterschülerin__«Infosperber»

«Terror». 164:70'000. Voten, Quoten und Optionen._«Infosperber», «PS»

Schwindel am Matterhorn
(Fällander Tagebuch 3) «Infosperber»

Trump, Gilli, Köppel, Houellebecq – alle «Araber»_«Infosperber»

Katzenscheisse, Gämsen, Fussabdrücke und Bigbang
(Fällander Tagebuch 2)_«Infosperber»

Tränen und die letzten Cowboys im zahmen Westen_«Infosperber», «PS»

Burka verbieten – und das Abendland ist gerettet_«Infosperber»

Clinton. Trump. Shoemaker. Die Geschlechterwahl
(Fällander Tagebuch 1)_«Infosperber»

NZZ, (K)alter Krieg & die nützlichen Idioten 2016_«Infosperber»

Der Nackte oder Im Engadin steht die Welt kopf
(Engadiner Tagebuch 7=Schluss)_«Infosperber»

Im Namen der Natur zum Zweiten
(Engadiner Tagebuch 6)_«Infosperber»

1. August 2016 oder Im Namen der Natur zum Ersten
(Engadiner Tagebuch 5) _«Infosperber»

Das zunehmende Erschrecken in den Alpen
(Engadiner Tagebuch 4)_«Infosperber»

Keine Ferien von der Welt oder Bündner Gendereien
(Engadiner Tagebuch_3)_«Infosperber»

Ein Tag im Original-Sylter-XXL-Sonnenkorb: 70 Fr.
(Engadiner Tagebuch 2)_ «Infosperber»

Im Engadin wird vor Schüssen noch gewarnt
(Engadiner Tagebuch 1)
_ «Infosperber»

Verschleiern oder «köpfen».
Das ist hier die Frage.
_«Infosperber»

Typischtypisch oder unser Roger ist ein Deutscher_«Infosperber»

Ab mit der «Scheisse» in den (Fernen) Osten_«Infosperber»

«Einen Boateng» oder die Gaulandsche Verteidigung_«Infosperber»

Wenn der «SonntagsZeitungs»-Chef Lehrerlis spielt_«Infosperber»

Fussball & Gewalt machen «Männer»_«Infosperber»

Ein Schlag – Islam gestoppt & Integration gerettet_«Infosperber»

Blick, Bestie, Bin Laden: 3xB und ein Gesicht oder Rupperswil: Die Sehnsucht nach der «Bestie» I & II _«Infosperber»

Die Welt überfordert uns. Andere bringt sie um._
«Bulletin Solidarité sans frontières»

Nicht totzukriegen – Die ewige Rückkehr der Götter_«Infosperber»

Überdruck und andere einfache Erklärungen_«Infosperber»

SVP: Inszenierung einer Ausgegrenzten & Verfolgten_«Infosperber»

Verzweifelte LehrerInnen filmen – verboten_«Infosperber», «P.S.»

Köppels Grinsen und Glättlis Befreiungsschlag_«Infosperber»

Wenn Menschenrechte für Religionen nicht gelten_«Infosperber»

Brüsseler Hokuspokus: Der liebe Gott hat gepfuscht_«Infosperber»

Schule & Gesellschaft scheitern an der Integration_«Infosperber»

Unterwerfung oder Die Aufklärung ist dem Menschen zumutbar_«Die Gazette»

Lieber Seniorenschwemme als Flüchtlingsflut_«Infosperber», «P.S.»

«Pfefferscharf» gegen Menschenrechte I + II _«Infosperber»

Durchsetzen – Jedem & jeder die eigene Verfassung_«Infosperber», «P.S.»

Volk ohne Kopf oder Einfamilienhaus- & Blockkinder_«Infosperber»

Alles hat seine Obergrenze, selbst der Hunger_«Infosperber»

Die SVP, der Wunschzettel & der Mut zur Opposition_«Infosperber»

Lieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack_«Infosperber»

Economiesuisse und der Besuch der alten Dame_«Infosperber»

Integration in Zeiten des Terrors_«Infosperber», «P.S.»

Sexuelle Lehrjahre im «Puff» – aber nur für Männer_«Infosperber», «P.S.»

Geld oder Deutsch! Der Zuger Handel_«Infosperber»

Wer hat in der Schweiz das Sagen? Frauen nicht._ «Infosperber»

(Rechts-)bürgerliche Opposition am Ende_«Infosperber», «P.S.»

Der «Medienberater» des «Tagi» und «das Klageweib»_«Infosperber»

Kunst & Politik = Sich das ganz andere vorstellen_«Infosperber», «P.S.»

Feindbild Mann – fremd, jung, alleinstehend_«Infosperber»

Freie Rede für Köppel. Andersgläubige. Hassprediger_«Infosperber»

«NZZ a. S.» fordert Aussenpolitik in Militärstiefeln_«Infosperber»

Für wie viel nehmen Sie FialaMörgeliWermuth & Co.?_«Infosperber»

Urlaub von Flüchtlingen & anderen Unbilden_ «Infosperber», «p.s.»

Der Ausweis: das Original – der Mensch:
die Kopie
_«Infosperber», «entwürfe»

Griechenland, das missratene Kind – Eine Nachlese_«Infosperber»

Eltern können für ein Kind eine Katastrophe sein_«Infosperber»

Die faulen Griechen oder Der Neid der Tüchtigen_«Infosperber», «p.s.»

Kriminelle Nationalitäten, Kantone & Co._«Infosperber»

Zeitreise Zürich – SchülerInnen kommen zu Wort_«Infosperber»

Israel, z.B., und die uniformierten VerräterInnen_«Infosperber»

«Kill Zone USA» oder Männliche Waffenlogiken_«Infosperber»

Lehrplan 21 oder die Angst vor den SchülerInnen_«Infosperber», «p.s.»

Bacholerette: Mensch Mann, Frau – schön blöd_«Infosperber», «p.s.»

Detektoren statt Psychiater: Blicke in die Zukunft_«Infosperber»

Der Maurer wird nicht Metzger, sondern Bundesrat_«Infosperber»

Ich & Du & «die Schweiz» gehen k.o._«Infosperber»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation_«Infosperber»

Wer nicht arbeitet, soll sterben_ «Infosperber»

Die Schule macht keine Männer (I + II)_ «Infosperber»

Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. _«Infosperber»

Freiheitskämpfer. Soldaten. Mörder. Unmenschen._«Infosperber»

Die Natur- und Mutter-Mythen des Roger K. _«Infosperber»

Mörder(innen) verstehen = selbst Mörder(in) werden_«Infosperber»

Männer oder Opfer, Frauen oder TäterInnen (I + II)_«Infosperber», «p.s.»

Bedroht von Ökonomisierung & Ökologisierung_«Infosperber.ch»

Das böse Spiel am Runden Tisch_ «www.Infosperber»

Vollbeschäftigung für fünf Franken in der Stunde_«Infosperber»

Weniger degustieren – mehr lesen_«Infosperber»

Kauf&Nutzung – Nur mit Bedarfsnachweis _«Infosperber»

Aufklären, aufgeilen, aufhetzen – Paradoxe Bilder _«Infosperber»

«Carlos» oder Es wird weiter «geblickelt» _«Infosperber»

Wenn der Einzelfall öffentlich wird_«Infosperber», «P.S.»

Wer, ganz nebenbei, ist «die Wirtschaft»?_«Infosperber», «p.s.»

Wir lassen Menschen auch verhungern_«Infosperber»

Parallelwelten oder Wenn Not erfinderisch macht _«Infosperber»

«Notnagel» Frauen _«Infosperber»

Eine Goldmedaille macht noch keine Inklusion _«Infosperber»

Wenn eine Baden-Reise öffentlich bedeutsam wird _«Infosperber»

Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen _«Infosperber

Wenn sich nur noch SiegerInnen aufs Podest drängen _«Infosperber»

Betet, freie Schweizerinnen, betet! _«Infosperber»

«… im Zweifel für die (potenziellen) Opfer» _«Infosperber»

Merkblatt für Flüchtlinge und andere Asylanten _«Infosperber»

Schwingerkönig oder Mister Schweiz sind Wurst _«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Bild, das den Krieg beendet _«Infosperber»

Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten _«Infosperber

Wann ist ein Vater (m)ein Vater?_«Infosperber»

Das Stockholm-Syndrom oder Sich vorstellen können, dass es auch ganz anders sein könnte (auf «Infosperber»)
_In: «Schlafes Bruder, wann stirbst du endlich?» «Der Bund» Essay-Wettbewerb - Die 20 Besten. Zürich: Offizin, 2014

Abseits des normierten Schulparcours lernen
_«WOZ - Die Wochenzeitung»

Menschen sind gefragt, wenn sie gebraucht werden _«Infosperber

Eine gesunde Schule wäre eine andere Schule _«Infosperber»

Wenn das Volk zu aktiv wird_«Infosperber»

Wer braucht einen wie Blocher _«Infosperber»

Taten statt Worte oder Die Schule macht keine Männer_Knaben und Mädchen - heute gleichgestellt? Referate und Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule, Chur, 10.4.2014

Das individuelle Treatment oder Der Tag, an dem ich das Telefon abnahm - Ein Dank_unveröffentlicht

Prostitution beschädigt auch den Käufer_«Infosperber» und «p.s.»

Wenn Menschen als Belastung der Natur erscheinen_«Infosperber»

Als gäbe es sie nicht _«Infosperber»

Moralische Konsequenzen_«Infosperber»

Die Angst vor der Gleichheit - Buch-Beitrag zu «Ein Haus verändert das Leben - Geschichten und Visionen», Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Kein Geld für Psychotherapien mit Goldfischen_«Infosperber»

Weniger Staat, mehr Staatsschutz_«Infosperber»

Tarnkappen für alle_«Infosperber»

Verantwortungs-Los_«Infosperber»

Frau Präsidentin - Sie sind der schönste aller oder Herrenwitze und andere Übergriffe_Jahresbericht Frauenberatung Sexuelle Gewalt

Der Mörder steht immer draussen vor der Tür_«Infosperber»

Unbekannt_unveröffentlicht

Das individuelle Treatment
- Ein Dank

Das letzte Wort

Mit Trump zum Züri Zoo.
Höcke ist auch ein Zebra.

Attentat im 751er. Mit der AfD reden oder nicht.
Über den komplizierten Umgang mit dem Unerträglichen
in unsicherer Zeit.

2. März 2017

Ich sitze in einem vollen Bus. Mit dem Enkel im Buggy. Mit uns fahren Mütter, vereinzelte Väter mit kleinen Kindern und eine Schulklasse, die sich in jeder Kurve kreischend gegen meinen Rücken presst. Fahren alle Richtung Zoo. Wollen, vermutlich, das neugeborene Elefäntchen sehen. Das sie inzwischen per Publikumsvoting Ruwani getauft haben. Das den unberechenbaren Enkel – der in seiner Vorfreude schon früh am Morgen in der Wohnung herumgehüpft sein soll – dann doch nicht wirklich interessiert. «Hat ja gar kein Schnäbi.» Wird der knapp Zweieinhalbjährige reklamieren.

Hinter mir eine Frau und ein Mann. Kein Paar. Kein erklärtes zumindest. Sie reden offensichtlich über Trump. Über die von ihm angekündigte Mauer zur Schliessung der Grenze zu Mexiko. Darüber, dass auch Schweizer Unternehmen an der Wall verdienen wollen. Holcim, zum Be¬spiel, weiss die Frau. Und hat recht: «Der Zementkonzern LafargeHolcim hat sich in einer laufenden Ausschreibung für einen Prototypen der Mauererweiterung als Interessent eintragen lassen. Das zeigen US-Vergabedokumente.» Ist am 1. März auf Tagesanzeiger online zu lesen. «Dabei hätten die das doch gar nicht nötig», empört sich die Frau über das Unternehmen, von dem der Industrielle Thomas Schmidheiny 12 Prozent der Aktien hält. «Oder vielleicht doch?» Nagt der Zweifel an ihr. Der Mann murmelt Unverständliches. «Das liebe Geld.» Schiebe ich ihm in den Mund. Er kann sich ja nicht dagegen wehren. Protestiert auch nicht, als die Frau, noch bevor wir die Station Zoo Forrenweid erreichen, dem bösen Spiel jenseits des Atlantiks ein Ende machen will.

Sie hoffe auf einen Trumpschen Stolperer oder ein Attentat. Ich zucke zusammen. Ob dieser Tötungsphantasie. An einem eidgenössischen Werktag. In einem Bus der Linie 751. Der Trump ist zum perfekten Blitzableiter & Wogenglätter für früher Zerstrittene geworden. Von der Basler Fasnacht bis zur Weltpresse – Trump dominiert die Zeilen. Die Katastrophen, vor denen wir uns fürchteten, die Konflikte, in die wir uns verstrickten, bevor der Mann, der wieder Kriege gewinnen will, ins Weisse Haus eingezogen ist – verdrängt & vergessen. Das Schimpfen & Spotten über den Trumpel erzeugt eine Art Gegen-Allmachtsphantasie, die Illusion, durch Empörung über den Mann, der als mächtigster der Welt gilt, ins globale Geschehen eingreifen zu können.

3. März 2017

Er sitzt, wieder einmal, in einer Talkshow, einer ausländischen. Der eidgenössische Rechte vom internationalen (Medien-)Dienst. Der Köppel Roger. Diesmal im Talk im Hangar. Beim österreichischen Servus TV. Thema: «Fake-News und Lügenpresse – Wem kann man glauben?» Und verrät da, was, vermutlich, den meisten Journalist*innen, die sich Gedanken über ihr Handwerk machen, längst vertraut ist: «Objektivität, das ist klar, das gibt’s nicht in den Medien … Als Chefredaktor messe ich einen Journalisten daran, ob er versucht, nach bestem Wissen und Gewissen der Wirklichkeit gerecht zu werden.» Ein fast schon banales Kredo ohne Entrüstungspotenzial, auch wenn es, diesmal, vom Weltwoche-Chef verkündet wird.

Der demonstriert gleich zu Beginn derselben Sendung, wie er selbst der Wirklichkeit «nach bestem Wissen und Gewissen … gerecht» wird. Auf seine rund dreissig Jahre Journalismus-Erfahrung verweisend, verrät er: «Die meisten Journalisten, die ich kenne, etwa 99.8%, die sind halt links.» Um dann grinsend nachzuschieben: «Das ist ja nicht verboten, man kann ja links sein.» Setzen wir einmal, mit einer Wahrscheinlichkeit von 99.8%, voraus, dass Köppel nicht lügt, wenigstens nicht brandschwarz & wissentlich – wie ist diese für eine durchschnittliche Medienkonsumentin abstruse Aussage zu erklären? Kennt Köppel die Journalist*innen seiner eigenen Zeitung nicht? Ist die links unterwandert worden und wir haben es nicht gemerkt? (Immerhin schreibt der rote Walliser Hotelier Peter Bodenmann da schon lange & regelmässig eine Kolumne.) Hängt der Herausgeber der Weltwoche – die nicht einmal beim rechten Flügel der SVP als linkes Blatt durchginge – immer & masochistisch bei der WoZ herum? Oder was versteht Köppel unter «links»? Der Mann, der ein einsamer sein muss – erst der einzige, der nicht zur Elite gehört (Tagesanzeiger, 31.12.2016), jetzt Angehöriger der Mini-Minderheit von 0.2% von Journalist*innen, die nicht links sind –, glaubt offensichtlich, alle, die die Welt nicht gleich sehen & interpretieren wie er, seien glei¬cher Meinung & links. Von Steffi Buchli bis Eric Gujer.

10. März 2017

Eigentlich hätte ich heute Abend gerne an einem öffentlichen Gespräch im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee teilgenommen. Einer vermutlich heftigen Debatte über den Umgang mit dem «erstarkenden Rechtspopulismus» und insbesondere darüber, ob die auf den 17. März angekündigte Podiumsdiskussion «Die neue Avantgarde», u.a. mit AfD-Ideologe Marc Jongen, stattfinden oder abgesagt werden soll. «Liberale und Reaktionäre, Konservative und Progressive, Linke und Rechte reden oft übereinander und durcheinander, selten jedoch miteinander. Nicht so auf diesem Podium.» Wurde das Gespräch, das auch als Experiment gedacht war, angekündigt. Glücklich die Länder & Zeiten, in denen sie Hunde in Snuglys spazieren führen und darüber diskutieren können, wie mit radikalen Rechten & Rassist*innen «umgegangen» werden soll. In Zeiten & Ländern der Rechtsradikalen & Rassist*innen würde mit Andersdenkenden nicht diskutiert, sondern kurzer Prozess gemacht.

Nachdem es im pro-aktiven Vorspiel dieser öffentlichen Debatten in engeren Kreisen offensichtlich schon sehr erregt & gereizt zugeht, sagen die experimentierfreudigen Veranstalter*innen alle Gespräche ab. Mit Verweis auf die Sicherheit der Besucher*innen, die von der Polizei oder irgendeiner Sicherheitsfirma hätten geschützt werden müssen. Dass Kaspar Surber in der gestrigen Woz darauf hinweist, dass das den Verantwortlichen der Gessnerallee von Anfang hätte klar sein müssen, ist sicher berechtigt. Seine Formel vom «Sicherheitsrisiko Jon¬gen» allerdings erinnert ein wenig an die Logik, welche die Bewohner*innen für das Anzünden von Flüchtlingsunterkünften verantwortlich macht. Gäbe es Jongen nicht, niemand müsste für seine beziehungsweise die Sicherheit der Besucher*innen von Veranstaltungen, an denen er beteiligt ist, besorgt sein. Und gäbe es die Fremden nicht, Jongen würde zu keiner Veranstaltung eingeladen.

Protest & Absage werden zu Lautsprechern des Kritisierten

Hätte die Gessnerallee Marc Jongen – womöglich auf ein «sensationsgeiles Politspektakel» (Raphael Urweider, Tagesanzeiger, 8.3.) hoffend – nicht eingeladen, sie hätte einen «der raffiniertesten Rhetoriker (Demagogen) in den Reihen der AfD» (Offener Brief von über 500 Kultur¬schaffenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an das Theaterhaus Gessnerallee in Zürich, 24.2.) nicht wieder ausladen müssen. «Hier auf den braunen Bruder im Norden zu setzen», schreibt die Politologin Regula Stämpfli im heutigen Klein Report, «hat nichts mit Meinungsfreiheit, dafür alles mit dem Aufmerksamkeitsmarkt zu tun.» Und Kaspar Surber hat schon vor einer Woche darauf hingewiesen, dass sich die Gessnerallee «ohne Not benutzen» lasse, «und das in einem deutschen Wahljahr» (Woz).

Nur, hätte Jongen in der Gessnerallee tatsächlich mehr Stimmen & Leute für seine Sache gewonnen als Sarah Wagenknecht oder Daniel Cohn-Bendit an einer Albisgüetlitagung der SVP? Jetzt werden dem Mann, der sich als um die Meinungsfreiheit besorgter Demokrat inszeniert, die Zeitungsspalten geöffnet. U.a. am 5. März in der Sonntagszeitung, heute im Tagesanzeiger. Nicht oder nur am Rande aber denen, die seinen Auftritt erfolgreich kritisiert haben. (Was natürlich auch etwas über das Haus Tamedia aussagt.) Protest & Absage werden paradoxerweise zu Lautsprechern des Kritisierten. Wer das Geschehen der Welt gerne mit der Frage «Wem nützt’s?» einfängt, müsste jetzt geheime Absprachen zwischen denen, die nicht miteinander reden wollen, wittern. Aber so einfach sind Welten nicht gestrickt.

Wer einen wie Jongen zum «Monster» macht wie der Schriftsteller Raphael Urweider – «Ein Theater kann nicht einfach ein Monster einladen und glauben, es brauche keinen Käfig.», Tagesanzeiger, 9.3. – schreibt ihm magische Kräfte zu, hält das Publikum in der Gessnerallee, hält breite Teile der Bevölkerung für verführbar, traut den eigenen Argumenten, Empathien und Visionen nicht. Das sind Zeichen der Angst. Statt über diese Angst zu reden, wird sie durch die Beschwörung «unmenschlicher» Zauberkräfte ins Ohnmächtige gesteigert. Die Denkfigur des «Monsters» unterschlägt, dass noch die grössten Verbrecher & Massenmörder nicht aus irgendwelchen Höllen oder Himmeln auf die Erde fallen, sondern unter uns zu dem werden, was sie sind. (Oder, mit unserer Beteiligung, auch andere werden könnten.)

«Einer von uns» oder …

Das «Böse» tut uns nicht den Gefallen, dass es als «Böses» daherkommt, dass es das ganz andere ist. «Einer von uns» setzt die norwegische Journalistin Åsne Seierstad als Titel über ihre Geschichte des Massenmörders Anders Behring Breivik. Auch Hitler, Göbbels, Himmler, Höss und Speer kamen aus dem damaligen «Wir». Der nationalsozialistische Massenmord ist nicht (in erster Linie) ihrer Dämonie zuzuschreiben, sondern, und das ist weit beklemmender, der Bereitschaft einer Kultur sowie massgeblicher Bevölkerungsteile, ihn unter den damaligen sozioökonomischen Bedingungen zu begehen. Das eigentlich Grauenhafte ist, dass es Treblinka, womöglich, auch ohne Hitler gegeben hätte. Weil es das Menschenmögliche ist.

Nach seiner verräterischen und in Infosperber ausführlich analysierten Rede am 17. Januar 2017 in Dresden sagt der AfD-Mann fürs Grobe Björn Höcke im Gespräch mit dem Korrespondenten des Wall Street Journals den Satz, mit dem er es am 9. März auf die Frontseite der Zeit bringt: «Das grosse Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt. Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiss gibt …» Auf der Website Der Westen werden aus diesem Interview auch noch folgende Höcke-Sätze zitiert: «Sogar der schlimmste Schwerverbrecher hat vielleicht irgendetwas Gutes, irgendetwas Liebenswertes, aber er ist trotzdem ein Schwerverbrecher.» Und zu Hitler: «Ich habe jetzt nicht gesagt, dass es etwas Gutes gibt, aber es ist ausgeschlossen – rein von der Logik her, also rein philosophisch gesehen ist es ausgeschlossen – dass ein Mensch nur dunkel ist.»

Sozialpsychologische Banalitäten, die, selbstverständlich, auch für einen Adolf Hitler gelten. Was in Sozialwissenschaften, Literatur und Film (u.a. «Der Untergang») längst, wenn auch zuweilen erregt diskutiert, so dargestellt worden ist. Zum Beispiel im Buch der damaligen Sekretärin Hitlers Traudl Junge, das unter dem Titel «Im toten Winkel» verfilmt worden ist. Im Vorwort zu «Bis zur letzten Stunde» schreibt die 82-jährige Traudl Junge 2002: «Ich habe gelernt dazu zu stehen, dass ich 1942, 22 Jahre jung und abenteuerlustig, von Adolf Hitler fasziniert war, dass er ein angenehmer Chef und väterlicher Freund war, dass ich die warnende Stimme in mir, die ich durchaus vernahm, absichtlich überhörte und die Zeit bei und mit ihm fast bis zum bitteren Ende genoss. Nach den Enthüllungen über die Verbrechen dieses Mannes werde ich bis zu meiner letzten Stunde mit dem Gefühl der Mitschuld leben.»

… wir alle sind auch Zebras

Menschen haben eine «Zebra-Natur», haben helle & dunkle Streifen, postuliert der Psychoanalytiker Johannes Cremerius. Wir alle sind auch Zebras. Auch Höcke. Auch Jongen. Sogar Hitler. Insofern ist Höckes Aussage zwar beunruhigend, aber, aus dem Zusammenhang gerissen, nicht zwingend verwerflich. Aber der «Tabubruch», so Matthias Geis in der Zeit, ist «kein Aussetzer, sondern Kalkül,» und muss in seinem Kontext gesehen werden. Das ist die Rede, in der er eine «erinnerungspolitische Wende um 180 Grad» fordert. Im Tagesanzeiger-Interview vom 10. März 2017 nennt Marc Jongen die Äusserungen seines Parteikollegen zwar «unglücklich» (unglücklich für wen?), um dann seinerseits klarzumachen, um was es geht: «Das Programm der AfD besteht nicht darin, das Hässliche zu leugnen. Vielmehr wollen wir das Schöne deutlicher hervorheben, das es in anderen Perioden der deutschen Geschichte gegeben hat und das nicht überdeckt werden darf von den berüchtigten zwölf Jahren. Es geht um eine andere Gewichtung in der Erinnerungspolitik, nicht um die Umschreibung der Geschichte.» Jongen will (auch) das Schöne, das Positive gesehen haben. Das ist aus der Perspektive der Lebenshilfe verständlich & unterstützenswert. Aber wer gegen diese Geschichte «das Schöne deutlicher hervorheben», das Positive sehen und, wie Höcke – der die deutsche Bewältigungspolitik «dämlich» nennt – eine «erinnerungspolitische Wende um 180 Grad» propagiert, der will die Erinnerung an Auschwitz & Treblinka auslöschen. Jetzt, da der Zeitpunkt günstig ist und die Überlebenden demnächst nicht mehr widersprechen können.

«Die beste Bühne für die AfD:
… jene, die sie nicht betreten musste»

Wahrscheinlich hätten sie in Zürich besser auf die Erfahrungen der Journalistin Anne Hähnig zurückgegriffen, die seit fünf Jahren im ehemaligen Osten Deutschlands arbeitet. Da, wo die «AfD die höchsten Umfragewerte erreicht». «Nach einiger Zeit der Auseinandersetzung mit dieser Partei bin ich überzeugt», schreibt sie am 2. März, als noch nicht klar ist, was auf der Bühne der Gessnerallee passieren würde, in der Zeit: «Es ist keine Frage, ob man mit der AfD sprechen soll. Man muss!» Seit die AfD in Deutschland allerorten in Debatten verstrickt und in Parlamentssälen mit ihren Vertreter*innen gestritten werde, sei es «für die AfD schwieriger geworden, sich als geächtete Partei von Märtyrern darzustellen». Denn: «Die beste Bühne für die AfD jedenfalls war bislang immer jene, die sie nicht betreten musste.»

Auch wenn es, vor allem für direkt Betroffene, unerträglich werden kann – es ist vermutlich ratsam, die Jongens & Höckes, aber auch die Blochers, Köppels & Glarners reden zu lassen. Auf dass allen klar wird, was sie wollen. Ihnen genau zuzuhören, was sie wirklich meinen. «Denn Rechte – die sich ja bekanntlich selbst als ‹liberal› bezeichnen –», so Regisseur Milo Rau in der Sonntagszeitung vom 12. März, «werden erst wirklich rechts, wenn man mit ihnen spricht.» Es hat etwas Verstörendes, die freie Rede derer zu schützen, die es in den Welten, von denen ich träume, nicht gäbe und denen, vor allem, nicht zugejubelt würde. Es ist leicht, die freie Rede derer zu verteidigen, denen wir (welches Wir?) applaudieren. Schwer & schmerzhaft wird es bei denen, deren Reden uns unerträglich sind. Aber die Meinungsfreiheit hat keine richtige Farbe. Es hilft nichts, «wir» müssen sie reden lassen. Auch weil «uns» gar nichts anderes übrig bleibt. Um sie cool zu ignorieren. Ihnen deutlich & selbstbewusst zu widersprechen. Das eine & andere gelassen einzuklagen (Stichwort Antidiskriminierungsgesetze), denn Rassismus – der bedenkenswerte Satz ist mir an einem Stadtzürcher Beizentisch zugetragen worden – ist keine Meinung. Vor allem aber ist der u.a. von Jongen propagierten «Festung Europa» mit selbstkritischer Begeisterung eine andere Vision entgegenzuhalten – zum Beispiel die von den Jungsozialisten postulierte Abschaffung der Grenzen & weltweite Niederlassungsfreiheit. Mit dem Risiko, dass das «dem Menschen» auch Mögliche (vorerst) nicht mehrheitsfähig ist.

(*) Johannes Cremerius, Psychoanalytiker, zitiert in: Thomas Auchter u.a. (Hg.):
Der 11. September, Giessen: Psychosozial-Verlag, 2003

Siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Rentenalter 90 – aber
nur für die Allerreichsten

Pensionsalter von Lebenserwartung abhängig machen – eine kreative Idee mit unerwarteten Folgen.

«Man ist, was man tut.» Zum Beispiel Weltwoche-Redaktor. Heisst Philipp Gut. Verkauft das als «Grundeinsicht der Anthropologie» und hat sogar Visionen. Zum Beispiel zur eben heftig debattierten «Altersreform». Beim Gut wird das Alter reformiert. Nicht das Rentensystem.

Weil die Arbeit «weder Strafe noch Zumutung» sei, «sondern eine Bedingung der Möglichkeit, ein erfülltes Leben zu führen», und weil wir immer länger leben, was zur volkswirtschaftlichen Belastung wird, sollen wir auch immer länger arbeiten (dürfen). «Wenn der AHV die Mittel fehlen, muss das Rentenalter rauf.» Trotz Roboterisierung & Grenzen des Wachstums. «Mindestens 70.» Verlangt Gut in der neusten Ausgabe des rechtskonservativen Kampfblatts vom 23. März 2017. Meint mit Arbeit ausschliesslich die bezahlte Erwerbsarbeit. Weil nur sie die Kassen füllt. Hausfrauen (und -männer) werden ja nicht pensioniert. In ökonomisierten Gesellschaften gilt halt doch eher: Man ist, was man verdient.

Der Gleichstellungsbeauftragte von der Zürcher Förrlibuckstrasse (Redaktionadresse Weltwoche), das sei zugegeben, hat Ideen. Sogar kühne. Während Linke & Gewerkschafter ihren Frauen noch ein zähneknirschendes Ja zum Rentenkompromiss, AHV für Frauen ab 65 inklusive, abzuringen versuchen, denkt der Gut schon weiter. Viel weiter. «Unter dem Aspekt der Gleichstellung müssten die langlebigeren Frauen sogar bis 74 arbeiten.» Schreibt er. «Dann wären beide [Frauen & Männer, meint er] genau zehn Jahre lang in Pension.» Rechnen: Sechs. «Die Frauen» leben hierzulande durchschnittlich tatsächlich immer noch rund vier Jahre länger als «die Männer».

Die kreative Verknüpfung des Pensionsalters mit der Lebenserwartung ergäbe, zu Ende gedacht, eine ganz neue Rentenformel. Denn: Menschen mit höherem sozioökonomischem Status (Einkommen, Bildung, berufliche Stellung) leben in allen Ländern der Welt länger als jene mit tiefen Löhnen, wenig anerkannten Berufen und Bildungswegen. Bei Anwendung der Gutschen Gerechtigkeitslogik würden die langlebigeren Höhergestellten & Gutverdienenden – ganz im Gegensatz zu heute – deutlich länger erwerbstätig bleiben als die Geringgeschätzten & Armen. Das heisst, Professor*innen & Einkommensmillionär*innen, zum Beispiel, müssten bis 90 auf AHV & Pension warten, während Bau- & Forstarbeiter*innen schon pensioniert würden, bevor sie ihre Berufsausbildung abgeschlossen hätten. Und die Allerärmsten der Welt bekämen, kaum geboren, schon eine Maximalrente.

siehe Infosperber

Das letzte Wort

Ein typischer Mensch – Nationalität
vor Qualität (Fällander Tagebuch 7)

Ein Tessiner ist ein Mensch, in St. Moritz wird ein Kugelblitz Weltmeister, logiert einer im Turm & will kein Kostverächter sein.

27. Januar 2017

Wenn der Boss & die grösste Schweizer Bank ihr fünfjähriges haben, ist das für 10 vor 10 einen Beitrag wert. «Fünf Jahre Sergio Ermotti – eine Bilanz» sagt allerdings fast mehr über die Macher*innen als über den Porträtierten aus. Nach ein paar Rückblenden auf Ermottis Werdegang will der 10-vor-10-Mitarbeiter vom Finanzjournalisten Claude Baumann wissen, welchen «Führungsstil» Ermotti habe. Der zögert nicht – das Wort «Führungsstil» geht, von rechts bis links, den meisten längst & leicht über die Lippen – und attestiert dem Chef der UBS «grundsätzlich einen guten». Was immer das heisst. Dann greift er unvermittelt & tief in die Kiste kultureller Zuschreibungen: «Gleichzeitig weiss man natürlich auch, er ist ein Südländer, ein Tessiner, er hat Temperament, und dieses Temperament geht manchmal auch mit ihm durch.» Diesen Steilpass will der Reporter versenken und vom Chief Executive Officer wissen, wie man es sich vorzustellen habe, «wenn der Tessiner bei Ihnen durchschlägt». Der bleibt, untypisch, cool und erteilt dem Medienmann eine kulturtheoretische Lektion: «Ich glaube, dass Emotionen nichts zu tun haben mit Tessin oder irgendetwas anderem, ich kenne sehr viele emotionelle Leute, die aus Schweden kommen.» Der Interviewer – der sich in den hingeworfenen Klischeebrocken verbeisst wie der Pitbull in ein Schienbein – lässt, ganz investigativer Journalist, nicht locker: «Also, Sie sind nicht der typische Südländer?» Ermotti lässt sich nicht zu einem Gefühlsausbruch provozieren: «Ich bin ein typischer Mensch.» Da freut sich sogar der Gutmensch – der sein Geld nicht für die Bank arbeiten lassen, nicht auf Kursstürze irgendwelcher Nonfood- oder Food-Aktien setzen will – über den Chefbanker.

1. Februar 2017

Ab & zu, wenn auch nicht allzu oft, lohnt es sich, am Nachmittag im BlickamAbend die Witze zu lesen. Zum Beispiel heute. «Die Lehrerin fragt Anna: ‹Was gibt 3+4?› Darauf Anna: ‹Was, Sie können nicht rechnen?›» Das ist Schule. Oder stellen Sie sich vor, so ein Einheimischer, der aus einer dieser Familien stammt, die schon in einer Zürcher Zunft waren, als noch keine Juden aufgenommen wurden – Jüdinnen können, wie alle anderen Frauen, in diesen ursprünglichen Handwerkervereinigungen noch heute nicht Mitglied werden –, so ein Urzürcher fragt eine vermutlich chinesische Touristin, die das Grossmünster von der Quaibrücke aus blitzt und vielleicht sogar Züridütsch versteht: «Können Sie mir sagen, wo das Bellevue ist?» Die deutet mit dem Arm Richtung Sternengrill, und der Mann, der im Niederdorf als Vierjähriger dem Nachbarsmeitli einen Heiratsantrag machte, grinst: «Ich wollte nur schauen, ob Sie gut auf Ihr Städteweekend vorbereitet sind.» So funktioniert Schule. Eine oder einer stellt anderen Fragen. Die geben, wenn, mehr oder weniger widerwillig eine Antwort. Sie wissen, der Fragende kennt, im Allgemeinen, die Antwort. Die beste. Die einzige, die sie gelten lässt. Es sind keine echten, es sind, womöglich, Fangfragen, vor allem sind es nicht ihre Fragen. Nicht die Fragen derer, für die Schule, angeblich, gedacht ist. Und die Chinesin wird keinem & keiner mehr zeigen, wo der Achter fährt.

5. Februar 2017

«Das hat etwas mit essen zu tun, oder?» Fragt S. Als ich ihr beim Sonntagszmorge erzähle, was der Schweizer Verleger & ehemalige «Mister Pop» mit dem US-amerikanischen Präsidenten – auf den sich im Moment die ganze Aufmerksamkeits- und Empörungsmaschinerie stürzt, damit alles andere Elend, alle anderen Konflikte verdrängend – gemeinsam haben will. Ausser der Reality-Serie Traumjob beziehungsweise The Apprentice. Beide werden immer älter. Beide sind zum dritten Mal verheiratet. Und: «In unseren Vor- und Zwischenphasen waren wir keine Kostverächter.» Verrät Marquard dem Blick. Der Allesfresser geniesst im Moment Kost & Logis «im Turm von St. Moritz». Im Palace. Aber das meint er nicht, der «Kostverächter», der keiner sein will. Trotzdem hat S., der das K-Wort fremd ist, recht. Auch das Deutsche Universalwörterbuch des Dudens definiert Kost als «[zubereitete] Nahrung, Lebensmittel», erinnert an «schmale Kost» und daran, dass die einen «nur leichte K. vertragen». Vergisst nicht die «geistige, ideologische K.». Nimmt die als scherzhaft eingestufte Formulierung «kein Kostverächter sein» ins Alphabet auf, um dann explizit an Trump & Marquard zu erinnern: «Was Frauen betraf, so war er kein K.» Ein Paradox. Wer, allzeit potent, Frauen als «Kost» bezeichnet, wird zum Frauenverachter=Kostverächter.

29. April 2002

Ich habe einen Traum. Dass Menschen endlich wie Waren behandelt werden. Wir leben in zwiespältigen Zeiten. Weltweit werden Zollschranken entsorgt, fallen Grenzen – für Hamburger & Computerchips, Schweizer Uhren made in Taiwan & amerikanische Badeshorts, neuseeländisches Lammfilet & philippinische Bräute. Alles, was als Ware deklariert werden kann, hat freie Fahrt. Nur bei Menschen fällt der Schlagbaum wie eh und je. [Ausser sie reisten zum Vergnügen, nicht aus Not.] Für den freyen Fluss der Waren blochern sie alle Hindernisse weg & ebnern alles ein. Gegen die Menschenflut aber maurern sie höhere Dämme, dass es schlüert. Da bleibt uns nur die Hoffnung, dass Menschen endlich wie Zitronen & Handys behandelt werden. Auf dass jede & jeder überall ihr Glück versuchen kann [für Bulletin Solidarité sans frontières geschrieben].  

5. Februar 2017

An diesem Sonntagmorgen schreibt Alt-Botschafter Paul Widmer in der NZZ am Sonntag (wieder einmal), was Sache ist: «Das Problem heisst Migration. Höchste Zeit es anzupacken!» Und verweist genüsslich auf das «angesehene Bruegel-Institut, eine unabhängige Denkfabrik in Brüssel». Die mache klar, «ein Binnenmarkt könne auch nur mit den drei Freiheiten für Waren, Dienstleistungen und Kapital», aber, im Gegensatz zum «EU-Credo», ohne die vierte, die Personenfreizügigkeit funktionieren. Das heisst, Freihandel gibt’s auch ohne freie Menschen. Und was Anfang des 21. Jahrhunderts geschrieben, scheint noch immer aktuell, der Traum eine Illusion geblieben. Nur die Wiedergänger der teilweise in die Jahre Gekommenen haben andere Namen.

In einer Welt, in der die «Erfolgreichen» & «Grossen» ihren Schnitt auf allen Kontinenten machen, bekommen es «die Kleinen» & «Erfolglosen» mit der Angst zu tun; in einer Welt, in der vermeintliche Sicherheiten & Trostgemeinschaften, die immer schon mit beschränkter Haftung operierten, zusammenbrechen; in der das Prinzip «Nationalität vor Qualität» durch die Formel «Qualität vor Nationalität» ersetzt wird, wächst bei denen, die dem Konzept der grossen Freiheit nicht gewachsen sind, und das sind die meisten von uns nicht, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach der Nation als warmem Mutterschoss. Der einen vor global players, UNO und EU schützt. Der uns die fremden Vögte vom Leibe hält, nachdem wir vor den eigenen, und die kommen auch nicht immer aus dem Maderanertal, längst kapituliert haben [aus einem Referat, im November 2000 gehalten an einer Tagung der Vereinigung für Jugendfragen im Kanton Zug].

Globalisierung – das ist, so unterstellt das Credo des freien Marktes, die Freiheit, weltweit sein Glück zu versuchen. Qualität vor Nationalität. Aber die Papierlosen erhalten auf dem Weltmarkt keine Handelsgenehmigung. Die um ihr Leben Laufenden werden aus der Freihandelszone vertrieben. Da, wo sie hungern, da, wo ihre Häuser in Schutt & Asche liegen, da, wo sie oder ihre Liebsten vergewaltigt, gefoltert oder gemordet werden, da, werden sie ermahnt, ist ihre Heimat. Fahnenflüchtige, die, flexibel & mobil, für ihre Kinder auf dem freien Markt ein warmes Plätzchen suchen [2002 für Bulletin von Solidarité sans frontières geschrieben].

12. Februar 2017

«Massakriert» (Christian Levrat, SP), «Massaker» (Regula Rytz, Grüne), «Blutbad» (Thomas Matter, SVP). Worte, die an diesem Sonntag – an dem der «Kugelblitz», Beat Feuz, Abfahrtsweltmeister wurde – zwischen 16.00 und 17.30h fallen. Was ist im friedlichen Skiland Schweiz geschehen? Ein terroristischer Anschlag, ein Massenmord, eine ethnische «Säuberung»? Nein, die Unternehmenssteuerreform III ist trotz Unterstützung durch Bundesrat, Parlamentsmehrheit, durch die meisten (bürgerlichen) Parteien und die Wirtschaftsverbände mit einer Volksmehrheit von beinahe 60% abgelehnt worden. Irgendeine Elite hat verloren. Irgendein Volk hat sich emotional leiten lassen. Und im Schweizer Fernsehen werden Ursachen, Folgen & Zukünfte diskutiert.

Siehe auch Infosperber