WS 17_18 ab 23.8.2017:

Gesprächs- und Selbsterfahrungs-gruppe für Männer

■ ■ Das letzte Wort ■ ■

Unternehmen W

Geschriebenes W
Gesprochenes W
Beratendes W
Verhandelndes W
Projektierend. W

Aktuelles
Publikationen
Texte
Referate

Links

Soziokulturelles
Gendereien
Gewaltiges
Verhandeln
Lernen

Home

Newsletter

Zur Person
Kontakt

■ ■ ■ ■ Unternehmen Wort ■ ■
■ ■ ■ © Jürgmeier ■ ■
Kopien_Abdruck nach Absprache

Fünf nach zwölf – na und? Weltuntergangsgespräch 4
(Theo Pinkus)
_«Infosperber»

Fünf nach zwölf – na und? Weltuntergangsgespräch 3
(Gret Haller)
_«Infosperber»

Fünf nach zwölf – na und? Weltuntergangsgespräch 2
(Paul Parin)
_«Infosperber»

Fünf nach zwölf – na und? Weltuntergangsgespräch 1
(Ursula Koch)
_«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Krieg
oder Blut tut gut
_«Infosperber»

Von Weinstein bis Buttet
– ein sexueller Herbst
_«Infosperber»

Arvenholz gegen Fluchtfliegen,
aber nur 1. Klasse
_«Infosperber»

Die Schule macht keine Männer_«Infosperber»

Wer nichts zu sagen hat, ist in jedem Land fremd_ Kurzfassung im «P.S.» (13.10.2017), als 3-Teiler
auf «Infosperber»

Giftiger Weltwoche-Mix
– Köppel will nicht malen
_«Infosperber»

(AfD-)Wählende ernst nehmen
= ihnen widersprechen
_«Infosperber»

(Keine) Toleranz für Intoleranz
– auch für die AfD
_«Infosperber»

AfD: 12.6%. Das sind die Sieger.
Das ist das Volk.
_«Infosperber»

Ein Bundesrat muss nicht
unbedingt ein Fisch sein
_«Infosperber»

Auch Basler müssen duschen und das absehbare Glück_«Infosperber»

«Der brave Herr Schulz» kann nicht Kanzler_«Infosperber»

Wenn der Fels sich rötet – betet, freie Schweizer_«Infosperber»

Humanität à la carte oder alles hat seine Grenzen_«Infosperber»

Wenn Identitäten an gestopften Gänselebern hängen_ «Infosperber»

Klaus Rózsa, Fotograf: Budapest – Zürich retour_«Infosperber»

Lieber Kohl in Speyer als Vagabund in Hinterau_«Infosperber»

Vom Knaben zum Mann – Die Angst vor der Gleichheit_«Infosperber»

Schluss mit politischer Korrektheit,
aber richtig
_«Infosperber», «P.S.»

Der Islamist ein Spekulant,
der Unsterbliche tot
_«Infosperber»

Mit Trommeln und Geschrei gegen dunkle Seiten_«Infosperber»

Wenn der «Blick» auf Politik macht_«Infosperber»

Wenn «Miss Europa» sich nicht fotografieren lässt_«Infosperber»

Rentenalter 90 – aber nur für die Allerreichsten_«Infosperber»

Mit Trump zum Züri Zoo. Höcke ist auch ein Zebra.
(Fällander Tagebuch 8)_«Infosperber»

Ein typischer Mensch – Nationalität vor Qualität
(Fällander Tagebuch 7)_ «Infosperber»

Mehr als eine «Schande» – Höckes AfD-Deutschland_«Infosperber»

5000 namenlose Tote oder Tripptrapp für Xi Jinping
(Fällander Tagebuch 6)_«Infosperber»

Happy to you: Auch für Flüchtlinge, Meere und Frauen
(Fällander Tagebuch 5)_«Infosperber»

Die Heimkehr in den VPOD_Die Schiwoff-Affäre 10_10, «Infosperber»

Der Prozess & das Urteil_Die Schiwoff-Affäre 9_10, «Infosperber»

Lassen Sie sich scheiden_Die Schiwoff-Affäre 8_10, «Infosperber»

Keine Kollege mehr_Die Schiwoff-Affäre 7_10_«Infosperber»

Wer ins Gymi will, soll sich konform verhalten_«Infosperber»

Die Verhaftung_Die Schiwoff-Affäre 6_10_«Infosperber»

Feindpropaganda bestätigt_Die Schiwoff-Affäre 5_10_«Infosperber»

Folgenschwere Übergabe_Die Schiwoff-Affäre 4_10_«Infosperber»

Berliner Tage_Die Schiwoff-Affäre 3_10_«Infosperber»

Die ersten Bilder fallen_Die Schiwoff-Affäre 2_10_«Infosperber»

Der Krieg und sein Ende_Die Schiwoff-Affäre 1_10_«Infosperber»

Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln
(Mailwechsel mit Stefan Howald 4_4)_«Infosperber», «Theoriekritik»

Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie
(Mailwechsel mit Stefan Howald 3_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratische Bewegung von unten aufbauen»
(Mailwechsel mit Stefan Howald 2_4)_«Infosperber»,
«Theoriekritik»

«Demokratie ist eine Praxis»
(Mail-Wechsel mit Stefan Howald 1_4)_
«Infosperber», «Theoriekritik»

Hans ist nicht Bhumibol oder Abhitlern & Toleranz
(Fällander Tagebuch 4) _«Infosperber»

US-Wahlen: Grossmaul schlägt Musterschülerin__«Infosperber»

«Terror». 164:70'000. Voten, Quoten und Optionen._«Infosperber», «PS»

Schwindel am Matterhorn
(Fällander Tagebuch 3) «Infosperber»

Trump, Gilli, Köppel, Houellebecq – alle «Araber»_«Infosperber»

Katzenscheisse, Gämsen, Fussabdrücke und Bigbang
(Fällander Tagebuch 2)_«Infosperber»

Tränen und die letzten Cowboys im zahmen Westen_«Infosperber», «PS»

Burka verbieten – und das Abendland ist gerettet_«Infosperber»

Clinton. Trump. Shoemaker. Die Geschlechterwahl
(Fällander Tagebuch 1)_«Infosperber»

NZZ, (K)alter Krieg & die nützlichen Idioten 2016_«Infosperber»

Der Nackte oder Im Engadin steht die Welt kopf
(Engadiner Tagebuch 7=Schluss)_«Infosperber»

Im Namen der Natur zum Zweiten
(Engadiner Tagebuch 6)_«Infosperber»

1. August 2016 oder Im Namen der Natur zum Ersten
(Engadiner Tagebuch 5) _«Infosperber»

Das zunehmende Erschrecken in den Alpen
(Engadiner Tagebuch 4)_«Infosperber»

Keine Ferien von der Welt oder Bündner Gendereien
(Engadiner Tagebuch_3)_«Infosperber»

Ein Tag im Original-Sylter-XXL-Sonnenkorb: 70 Fr.
(Engadiner Tagebuch 2)_ «Infosperber»

Im Engadin wird vor Schüssen noch gewarnt
(Engadiner Tagebuch 1)
_ «Infosperber»

Verschleiern oder «köpfen».
Das ist hier die Frage.
_«Infosperber»

Typischtypisch oder unser Roger ist ein Deutscher_«Infosperber»

Ab mit der «Scheisse» in den (Fernen) Osten_«Infosperber»

«Einen Boateng» oder die Gaulandsche Verteidigung_«Infosperber»

Wenn der «SonntagsZeitungs»-Chef Lehrerlis spielt_«Infosperber»

Fussball & Gewalt machen «Männer»_«Infosperber»

Ein Schlag – Islam gestoppt & Integration gerettet_«Infosperber»

Blick, Bestie, Bin Laden: 3xB und ein Gesicht oder Rupperswil: Die Sehnsucht nach der «Bestie» I & II _«Infosperber»

Die Welt überfordert uns. Andere bringt sie um._
«Bulletin Solidarité sans frontières»

Nicht totzukriegen – Die ewige Rückkehr der Götter_«Infosperber»

Überdruck und andere einfache Erklärungen_«Infosperber»

SVP: Inszenierung einer Ausgegrenzten & Verfolgten_«Infosperber»

Verzweifelte LehrerInnen filmen – verboten_«Infosperber», «P.S.»

Köppels Grinsen und Glättlis Befreiungsschlag_«Infosperber»

Wenn Menschenrechte für Religionen nicht gelten_«Infosperber»

Brüsseler Hokuspokus: Der liebe Gott hat gepfuscht_«Infosperber»

Schule & Gesellschaft scheitern an der Integration_«Infosperber»

Unterwerfung oder Die Aufklärung ist dem Menschen zumutbar_«Die Gazette»

Lieber Seniorenschwemme als Flüchtlingsflut_«Infosperber», «P.S.»

«Pfefferscharf» gegen Menschenrechte I + II _«Infosperber»

Durchsetzen – Jedem & jeder die eigene Verfassung_«Infosperber», «P.S.»

Volk ohne Kopf oder Einfamilienhaus- & Blockkinder_«Infosperber»

Alles hat seine Obergrenze, selbst der Hunger_«Infosperber»

Die SVP, der Wunschzettel & der Mut zur Opposition_«Infosperber»

Lieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack_«Infosperber»

Economiesuisse und der Besuch der alten Dame_«Infosperber»

Integration in Zeiten des Terrors_«Infosperber», «P.S.»

Sexuelle Lehrjahre im «Puff» – aber nur für Männer_«Infosperber», «P.S.»

Geld oder Deutsch! Der Zuger Handel_«Infosperber»

Wer hat in der Schweiz das Sagen? Frauen nicht._ «Infosperber»

(Rechts-)bürgerliche Opposition am Ende_«Infosperber», «P.S.»

Der «Medienberater» des «Tagi» und «das Klageweib»_«Infosperber»

Kunst & Politik = Sich das ganz andere vorstellen_«Infosperber», «P.S.»

Feindbild Mann – fremd, jung, alleinstehend_«Infosperber»

Freie Rede für Köppel. Andersgläubige. Hassprediger_«Infosperber»

«NZZ a. S.» fordert Aussenpolitik in Militärstiefeln_«Infosperber»

Für wie viel nehmen Sie FialaMörgeliWermuth & Co.?_«Infosperber»

Urlaub von Flüchtlingen & anderen Unbilden_ «Infosperber», «p.s.»

Der Ausweis: das Original – der Mensch:
die Kopie
_«Infosperber», «entwürfe»

Griechenland, das missratene Kind – Eine Nachlese_«Infosperber»

Eltern können für ein Kind eine Katastrophe sein_«Infosperber»

Die faulen Griechen oder Der Neid der Tüchtigen_«Infosperber», «p.s.»

Kriminelle Nationalitäten, Kantone & Co._«Infosperber»

Zeitreise Zürich – SchülerInnen kommen zu Wort_«Infosperber»

Israel, z.B., und die uniformierten VerräterInnen_«Infosperber»

«Kill Zone USA» oder Männliche Waffenlogiken_«Infosperber»

Lehrplan 21 oder die Angst vor den SchülerInnen_«Infosperber», «p.s.»

Bacholerette: Mensch Mann, Frau – schön blöd_«Infosperber», «p.s.»

Detektoren statt Psychiater: Blicke in die Zukunft_«Infosperber»

Der Maurer wird nicht Metzger, sondern Bundesrat_«Infosperber»

Ich & Du & «die Schweiz» gehen k.o._«Infosperber»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation_«Infosperber»

Wer nicht arbeitet, soll sterben_ «Infosperber»

Die Schule macht keine Männer (I + II)_ «Infosperber»

Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. _«Infosperber»

Freiheitskämpfer. Soldaten. Mörder. Unmenschen._«Infosperber»

Die Natur- und Mutter-Mythen des Roger K. _«Infosperber»

Mörder(innen) verstehen = selbst Mörder(in) werden_«Infosperber»

Männer oder Opfer, Frauen oder TäterInnen (I + II)_«Infosperber», «p.s.»

Bedroht von Ökonomisierung & Ökologisierung_«Infosperber.ch»

Das böse Spiel am Runden Tisch_ «www.Infosperber»

Vollbeschäftigung für fünf Franken in der Stunde_«Infosperber»

Weniger degustieren – mehr lesen_«Infosperber»

Kauf&Nutzung – Nur mit Bedarfsnachweis _«Infosperber»

Aufklären, aufgeilen, aufhetzen – Paradoxe Bilder _«Infosperber»

«Carlos» oder Es wird weiter «geblickelt» _«Infosperber»

Wenn der Einzelfall öffentlich wird_«Infosperber», «P.S.»

Wer, ganz nebenbei, ist «die Wirtschaft»?_«Infosperber», «p.s.»

Wir lassen Menschen auch verhungern_«Infosperber»

Parallelwelten oder Wenn Not erfinderisch macht _«Infosperber»

«Notnagel» Frauen _«Infosperber»

Eine Goldmedaille macht noch keine Inklusion _«Infosperber»

Wenn eine Baden-Reise öffentlich bedeutsam wird _«Infosperber»

Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen _«Infosperber

Wenn sich nur noch SiegerInnen aufs Podest drängen _«Infosperber»

Betet, freie Schweizerinnen, betet! _«Infosperber»

«… im Zweifel für die (potenziellen) Opfer» _«Infosperber»

Merkblatt für Flüchtlinge und andere Asylanten _«Infosperber»

Schwingerkönig oder Mister Schweiz sind Wurst _«Infosperber»

Die Sehnsucht nach dem Bild, das den Krieg beendet _«Infosperber»

Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten _«Infosperber

Wann ist ein Vater (m)ein Vater?_«Infosperber»

Das Stockholm-Syndrom oder Sich vorstellen können, dass es auch ganz anders sein könnte (auf «Infosperber»)
_In: «Schlafes Bruder, wann stirbst du endlich?» «Der Bund» Essay-Wettbewerb - Die 20 Besten. Zürich: Offizin, 2014

Abseits des normierten Schulparcours lernen
_«WOZ - Die Wochenzeitung»

Menschen sind gefragt, wenn sie gebraucht werden _«Infosperber

Eine gesunde Schule wäre eine andere Schule _«Infosperber»

Wenn das Volk zu aktiv wird_«Infosperber»

Wer braucht einen wie Blocher _«Infosperber»

Taten statt Worte oder Die Schule macht keine Männer_Knaben und Mädchen - heute gleichgestellt? Referate und Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule, Chur, 10.4.2014

Das individuelle Treatment oder Der Tag, an dem ich das Telefon abnahm - Ein Dank_unveröffentlicht

Prostitution beschädigt auch den Käufer_«Infosperber» und «p.s.»

Wenn Menschen als Belastung der Natur erscheinen_«Infosperber»

Als gäbe es sie nicht _«Infosperber»

Moralische Konsequenzen_«Infosperber»

Die Angst vor der Gleichheit - Buch-Beitrag zu «Ein Haus verändert das Leben - Geschichten und Visionen», Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Kein Geld für Psychotherapien mit Goldfischen_«Infosperber»

Weniger Staat, mehr Staatsschutz_«Infosperber»

Tarnkappen für alle_«Infosperber»

Verantwortungs-Los_«Infosperber»

Frau Präsidentin - Sie sind der schönste aller oder Herrenwitze und andere Übergriffe_Jahresbericht Frauenberatung Sexuelle Gewalt

Der Mörder steht immer draussen vor der Tür_«Infosperber»

Unbekannt_unveröffentlicht

Das individuelle Treatment
- Ein Dank

Das letzte Wort

Die Sehnsucht nach dem Krieg
oder Blut tut gut

Eine Sekunde für eine Tote. Ein Oberst freut sich auf den Krieg. Wenn Eltern diejenigen sind, vor denen sie ihre Kinder warnen.

22. Oktober 2017

Ich bin zu früh. Der Freund noch nicht da. Mit dem ich verabredet bin. In der Stadt. Zürich. Im Hauptbahnhof. Vor der Buchhandlung Barth. Wie immer. Ich nutze die unverplante Zeit. Betrete den kleinen Laden. Ursprünglich nur die Shopville-Filiale des Hauptgeschäfts über dem Zürcher Untergrund. Einem Eldorado für alle Reisenden und Wandernden. Die ganze Schweiz, die gesamte Welt war da in verschiedensten Massstäben und Formaten zu kaufen. Der Boden an der Bahnhofstrasse ist für Belletristik und Fachbücher längst zu teuer geworden. Jetzt quetschen sie im ehemaligen Taschenbuchladen zwischen den Zürcher Geleisen nur noch ein paar wenige Landkarten und Reiseführer neben Romanen, Sach- und Lebenshilfebüchern in die Gestelle.

Normalerweise komme ich nur, um die per Mail bestellten Bücher abzuholen, stürme zur Kasse, lasse die Preisetiketten in das blaue Rechnungsheft mit meinem Namen kleben und gehe wieder. Ohne nach links oder rechts zu schauen. Eigentlich liebe ich es, in Buchläden den Gestellen entlang zu flanieren, Covers und Klappentexte zu überfliegen, da und dort ein paar Passagen zu lesen, das eine oder andere Buch unter den Arm und nach Hause zu nehmen. Aber seit die Zahl der Bücher, die ich besitze – Kaufen geht schneller als Lesen – längst die Zahl derer übersteigt, die ich gelesen habe und noch lesen werde, vermeide ich den gefährlichen Blick auf das gesammelte Wissen und den gestapelten Liebeskummer.

Die Angst des Kindes, der Lesestoff könnte mir – trotz zwei Bibliothekskarten, eines Schulkollegen mit vollem Regal, trotz der obligaten Geburtstags- und Weihnachtsbücher sowie des grösstenteils in der nahen Papeterie mit Karl-May-Büchern verjubelten Taschengeldes – ausgehen, hat den Erwachsenen zum zwanghaften Sammler von Geschichten, Hoffnungen und Welterklärungen gemacht, dem Büchergestelle – trotz einsichtiger Beschränkung auf immer weniger Interessen – täglich demonstrieren, dass sein Leben, auch seines, ein unvollendetes bleiben wird. Nicht alles gelesen. Nicht alles geschrieben.

Von den Tablaren raunt es dem Leser mehrstimmig entgegen: «Bei mir findest du letzte Erkenntnis, Freundschaft in einsamen Stunden, Aufmunterung in traurigen Tagen, Verunsicherung in hoffnungsvollen Zeiten und (Welt-)Geschichten – spannender erzählt, als sie wirklich waren.» Dem Schreibenden flüstern RomaneKurzprosaGedichteEssaysTheaterstücke zu, was, damals, an der Frankfurter Buchmesse, auch die Chöre aus Fiction und Non-Fiction skandierten: «Was schreibst du noch? Alles längst bei uns nachzulesen. Tausendfach variiert.» Obwohl es äusserst unwahrscheinlich ist, dass jemand auch nur fünf identische Sätze in Folge schreibt, wie sie schon irgendwo zu lesen sind, ist eine Buchhandlung für einen Schreibenden Anlass zu einer mittelschweren, exogenen Depression.

Wie viele Leser bleiben einer Autorin in digitalen Zeiten, die das Publizieren (technisch) endgültig demokratisiert haben, in denen (fast) alle (fast) täglichstündlichminütlich irgendetwas posten oder twittern? Aber war das nicht die Utopie, damals und immer wieder – dass alle zu Wort kommen? Jede Leserin auch ein Schriftsteller? Wer wird dann noch meine Texte beachten? Was habe ich von meinen schreibenden Kollegen und dichtenden Kolleginnen gelesen?

23. Oktober 2017

In einem Land, in dem sich weder die Urgrossmütter noch die Urgrossväter – die «Aktivdienst» geleistet haben oder von ihm befreit wurden – daran erinnern können, wann Schweizer zum letzten Mal in einem (analogen) Krieg fürs Vaterland gefallen, müssen sich Obersten und Generäle irgendwie nutzlos vorkommen. «Im Krieg bin ich der Oberste auf dem Flughafen Kloten.» Tröstete sich in den Achtzigerjahren so ein militärisches Kadermitglied über seine Bedeutungslosigkeit in Friedenszeiten hinweg. Und verriet geheime Sehnsüchte. So ganz ohne kriegerische Spannung ertragen Schweizer (und vielleicht auch Schweizerinnen) die langweilige Gemütlichkeit denn doch nicht. Allerdings: «Schweizer sitzen Kriege lieber aus.» Wird Michael Hermann in seiner morgigen Tagesanzeiger-Kolumne schreiben. Und meint doch nur das Verhältnis zur EU.

Zum Glück gibt’s heute den «Cyberkrieg». Da ist auch der Schweizer Verteidigungsminister, Guy Parmelin, gefordert und gefragt. «Wir haben beim Bund praktisch jeden Tag Cyberangriffe.» Verrät er dem Journalisten Christoph Lenz im heutigen Tagesanzeiger-Gespräch militärisches Geheimnis. Der in der Schweiz verbreitete Glaube, «der Cyberkrieg» fände «anderswo statt», sei leider «nicht richtig». Immerhin, noch befänden wir uns nicht wirklich im Krieg. Beruhigt er den verschreckten Interviewer. «Aber es kommt der Moment, wo unsere vitalen Interessen betroffen sind, wie bei einer Bombardierung. In diesem Moment herrscht wirklich Krieg.»

Um das Lahmlegen zentraler Infrastrukturen zu verhindern, braucht es «Cyberkrieger». Das ist den beiden klar. «Wie viele Cyberkrieger haben Sie heute?» Will der eine wissen. «Nicht genug!», beklagt der andere. «Wie wollen Sie diese Cyberkrieger finden?» Fragt der eine besorgt. «Wir müssen erfinderisch sein.» Erklärt der Bundesrat. «Vielleicht mögen Cyberspezialisten es nicht, wenn man ihnen Dinge befiehlt. Hier können wir offener und flexibler werden. Aber der Rahmen muss klar und präzis sein. Es ist immer noch die Armee.» Ein Krieg ist immer noch ein Krieg. Und kein Spiel. Auch in der Cyberschweiz.

9. November 2017

Im Tagesspiegel auf die Liste der Künstlerin Banu Cennetoglu gestossen. «The List» erinnert an Menschen, «die auf der Flucht nach Europa [oder innerhalb Europas] gestorben sind» (www.tagesspiegel.de, 9.11.2017). Ich nehme mir vor, die ab 1993 nachgeführte Liste zu lesen. Irgendwann. Wahrscheinlich erst nach den «Festtagen», womöglich erst im neuen Jahr. Vollständig. Eine Sekunde, mindestens, für eine Tote. Manchmal auch, «Aktion», 10, selten 80 für einen. Total rund 500 Minuten. Knapp 8.5 Stunden. Soviel Zeit für all die Toten – 33'293, Stand 15.6.2017 – müsste sein. Jeder Eintrag ein Datum, die Anzahl Toter, wenn bekannt GeschlechtAlterName, häufig nur N.N., no Name, dann die Herkunftsregion, die Todesursache und die Quelle der Information. Jeder Tote ein Anlass, nicht weiterzumachen, als ob nichts geschehen. Ein verpasster.

24. November 2017

Auf dem Weg zum Migros. Das kleine Mädchen. Das mich grüsst. Wir gehen zusammen weiter. Wechseln ein paar Worte. Schweigen. Abwechslungsweise. «Ja», sagt sie, gefragt, sie gehe in den Kindergarten, aber sie sei zu spät. Ich ermutige sie, trotzdem weiterzugehen. «Übergestern», erzählt sie, habe sie Geburtstag gehabt. Sechs sei sie geworden. Dann müsse sie ja bald zur Schule. Ja, nächsten Sommer. Meint sie. Als ich mich von ihr verabschiede, streckt sie mir das Händchen entgegen. Ich gebe ihr meine Hand – oder war es umgekehrt? – und wünsche ihr einen schönen Tag. Als sie schon ein paar Schritte von mir weg ist, dreht sie sich nochmals um und ruft: «Ihnen auch.»

Ich stelle mir vor, am nächsten Tag träfe ich die Kleine wieder, und dann würde sie während der restlichen Woche jeden Morgen auf mich warten. Einmal würde ich sie vielleicht sogar über die Strasse beim Kreisel begleiten und sie dabei an der Hand nehmen. Nach einer Woche, denke ich mir aus, würde das Mädchen verschwinden. Der Polizei würde aufgrund eines Zeugenaufrufs zugetragen, in den letzten Tagen sei ein alter Mann gesehen worden, der das Mädchen immer bis zum Kreisel beim Migros begleitet habe und auffallend freundlich mit ihm gewesen sei. Die Suche wäre schnell erfolgreich, meine Nachbarinnen und Nachbarn würden den Mann verraten. Obwohl die Gefahr, dass dem Mädchen in der eigenen Familie oder Verwandtschaft etwas angetan wird, signifikant grösser ist als bei unbekannten Männern, vor denen Kinder regelmässig gewarnt werden. Gehe nie mit einem Fremden. Lass’ dich nur von Verwandten und Bekannten berühren. Sie sind die, vor denen sie euch immer gewarnt haben.

Zum Glück kaufe ich MilchYogurtOrangen normalerweise beim COOP und gehe selten zu Fuss einkaufen. Das Velo – mein Alibi.  

30. November 2017

In meinen Papierstapeln finde ich eine Meldung vom 7. Oktober. «Jedes fünfte Kind wird geschlagen.» Der Tagesanzeiger schreibt aufgrund einer laufenden Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW): «Ein Fünftel der Jugendlichen in der Schweiz erlebt zu Hause schwere Gewalt… Eltern schlagen Kinder mit einem Gegenstand oder mit der Faust. Sie treten oder prügeln sie. Weitere zwei von fünf Kindern sind leichter Gewalt ausgesetzt wie einer Ohrfeige. 40 Prozent der auch mit Schlägen erziehenden Eltern stammen aus Balkanländern, 37 Prozent sind portugiesischer Herkunft. Jedes zehnte Kind von Schweizer Eltern erlebt schwere Gewalt.»

Wieso eigentlich ist das Schlagen von Kindern sozial akzeptierter als das Schlagen von VorgesetztenArbeitskolleginnenKunden? Und warum lanciert das Egerkinger Komitee – das mit einem Verhüllungsverbot symbolisch den politischen Islam und den Terrorismus bekämpfen will – eigentlich keine Initiative zum Verbot der körperlichen Züchtigung? (*) Oder unterstützt wenigstens die «Petition gegen Körperstrafen und psychische Gewalt an Kindern»? Weil dann auch eidgenössische und christliche Eltern mit ihren Kindern nicht mehr machen könnten, was sie wollen? Schliesslich wissen die leiblichen Eltern immer noch am besten, was gut für Kinder ist. Blut tut gut.

Selbst jene, die ihre Kinder in KrippeHortSchule nie und nimmer einem «Naturtalent» oder einer auf nicht anerkannten Wegen pädagogisch Gebildeten überlassen würden, mit ihrem Hündli selbstverständlich den obligaten Welpenkurs, inklusive WK, besuchen, keine Elektrikerin ohne Eidgenössischen Fähigkeitsausweis an ihre Steckdosen liessen, von ihren Mitarbeitenden im Lager einen Staplerkurs verlangen und sich niemals ohne Segelschein auf den Greifensee wagen würden, selbst diese Kürsli- und Diplomgläubigen halten Eltern ohne ErfahrungVorwissenAusbildung immer noch generell und gegen alle Bedenken der Kindes- und Erwachsenenschutz-Behörden (KESB) im Einzelfall für die geeignetsten Bezugspersonen ihrer Nachkommen. Blut ist der beste Erzieher.

(*) «Das Recht der Eltern, ihre Kinder zu züchtigen, wurde hier 1978 abgeschafft. Ausdrücklich verboten ist es aber nicht» (Tagesanzeiger)

Siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Giftiger Weltwoche-Mix –
Köppel will nicht malen.

Wer die Nazikeule schwingt, instrumentalisiert Opfer von gestern für aktuelle Skandalisierungen. Die Folgen sind parteiabhängig.

Wer ab und zu oder auch regelmässig kocht, kennt das: Nicht richtig eingekauft. Der Kühlschrank etwas zu aufgeräumt. Also mixen, was der zufällige Notvorrat hergibt. So werden neue Delikatessen gefunden. Aber auch Ungeniessbares oder Giftiges kreiert. Letzteres ist dem promovierten Literaturwissenschaftler Philipp Gut in der neusten Ausgabe des Magazins von der Zürcher Förrlibuckstrasse passiert. Aus den landesweit verhandelten «Fällen» Geri Müller, Jolanda Spiess-Hegglin und Jonas Fricker mischt der stellvertretende Chefredaktor der Weltwoche, vermutlich ohne künstlerische Ambitionen, die «Skandalfarbe Grün». Und verallgemeinert dann, vielleicht durch Farbenblindheit beeinträchtigt, aufgrund dieser für ihn offensichtlich repräsentativen Auswahl kühn: «Die saftigsten Polit-Affären der letzten Jahre haben grüne Hauptdarsteller.»

Zutaten zu einem politischen Süppchen

Blöd nur, dass in zwei der drei Eklats der Schweizer Presserat eine Verletzung der Privat- und Intimsphäre – Ziffer 7 der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» – durch die Schweiz am Sonntag beziehungsweise den Blick festgestellt und entsprechende Beschwerden gutgeheissen hat. Gut selbst ist im Mai dieses Jahres, nicht zum ersten Mal, «wegen übler Nachrede verurteilt» worden (Tagesanzeiger, 16.5.2017). Der Richter hielt fest: «Der Beschuldigte stellte knallharte Tatsachenbehauptungen auf, die er nicht beweisen konnte.» Dies in der sogenannten «Zuger Sex-Affäre», in der bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist, ob es sich um eine Vergewaltigung oder einen «Fehltritt» handelt. So und so – zwei der Politskandale erweisen sich als mediales Foulspiel, und das Skandalgrün blättert, noch bevor es trocken ist. Guts Artikel – ein durchschaubarer Versuch, aus den zufällig verfügbaren Zutaten ein politisches Süppchen zu kochen und der Grünen Partei eine äusserst «positive» Skandalbilanz zuzuschreiben.

Immerhin lässt der Journalist mit Grünfilter vor den Augen den Politologie-Professor Adrian Vatter darauf hinweisen, dass auch die Partei am anderen Ende des Farbenspektrums «einige Skandale zu verzeichnen hatte». Allerdings ohne den Mann zu erwähnen, der sich mehrfach in einer Art und Weise geäussert hat, die am ehesten dem unseligen Schweine-Vergleich Jonas Frickers gleicht, sich aber dafür noch nie auch nur ansatzweise entschuldigt hat: Christoph Blocher. Kein Grund allerdings, mit dem grünen Nationalrat Mitleid zu haben (weil er in der falschen Partei ist) oder ihn, aufgrund seines Rücktritts, schon fast als Helden zu feiern. Wer die Ermordung von Millionen von Menschen instrumentalisiert, um die Massentierhaltung zu skandalisieren (das zu Recht); wer nicht bedenkt, dass die Gleichsetzung von Mensch und Tier – bei aller berechtigten Kritik an der Überordnung des Menschen – selten der besseren Behandlung von Tieren, sondern dem Abschlachten von Menschen den Boden bereitete, kann sich nicht mit Naivität und eilfertigen Entschuldigungen entlasten. Ein «Fauxpas» (Fricker im Interview mit der Aargauer Zeitung, 29.9.) ist solche Rede an einem nationalrätlichen Mikrofon nicht. Da müssten ernsthaftere Konsequenzen gezogen werden. Das, immerhin, hat Jonas Fricker, anders als andere, getan.

Jedem seine Nazikeule

Ganz im Gegensatz zu Christoph Blocher (siehe Infosperber, 10.5.2016). Der bestätigte im April 2016 bei Schawinski und auf Teleblocher, seine Aussagen «wohlüberlegt» und «mit Bedacht» gemacht zu haben. Nach der unerwarteten Abstimmungsniederlage im Februar 2016 (Durchsetzungsinitiative) erklärte er in einem in der Zürichsee- und in der Berner Zeitung veröffentlichten Interview: «Der Kampf gegen die SVP vonseiten der Staatsmedien und von Blick bis zur NZZ hat mich in ihrer Radikalität an die Methoden der Nationalsozialisten den Juden gegenüber erinnert.» Im Blick setzte er noch einen drauf: «Statt ‹Kauft nicht bei Juden› heisst es heute ‹Stellt keine SVP-ler als Uni-Professoren an.›» Trotz kurzer medialer Aufregung und einiger empörter Zwischenrufe in der eigenen Partei hielt er fest: «Was soll ich bedauern? Die Aussage ist richtig. Man kann natürlich darüber streiten, ob man das Richtige auch öffentlich sagen soll. Ich habe mich dazu entschlossen, um weiteres Unheil zu verhindern» (Blick, 18.4.2016). Dem (un)heimlichen Vorsitzenden der SVP, der sich da als Winkelried inszeniert, hat das wiederholte Schwingen der Nazikeule nicht wirklich geschadet.

Dass Gut ihn in seiner (grünen) «Skandalbilanz» in der aktuellsten Nummer der Weltwoche nicht erwähnt, hat nicht nur farbästhetische Gründe – in der vorletzten Ausgabe hat auch der Chefredaktor und Besitzer des rechten Kampfblatts bei seinem neusten Intellektuellenbashing mit dem Titel «Die Dummheit der Gescheiten» den grössten Diffamierungshammer ausgepackt, den die Welt seit 1945 kennt. (Immerhin lässt er sich eine Woche später in einer «Replik auf seine Philippika voller Irrtümer» im eigenen Blatt von René Zeyer als Intellektuellen apostrophieren.)

In der Weltwoche 1/2016 tippte der Journalist Köppel noch fasziniert den IQ des Hauptkriegsverbrechers Hermann Göring in sein Neujahrs-Editorial, 140, und bezog dafür verbale Prügel. Vor allem von Intellektuellen. Im Tagi-Gespräch zum Jahreswechsel 2016/17 (mit SP-Ständerat Daniel Jositsch) verabschiedete sich der SVP-Nationalrat aus der sogenannten Elite, zu der alle andern gehörten – «die Medien, die Intellektuellen, die Politiker – so ziemlich alle. Ausser ich» (siehe Infosperber, 25.1.2017). Im Oktober 2017 rechnet der studierte Köppel – späte Rache? – mit den Intellektuellen, teilweise namentlich, definitiv ab: «Intellektuelle sind nachweislich irrtumsanfälliger als Nichtintellektuelle.» Mit Blick auf jene «Geistesfürsten», die sich für den Nationalsozialismus und andere Totalitarismen begeisterten, notiert er: «Wenn es eine Lektion aus der Geschichte gibt, dann ist es die: Niemand lässt sich einfacher verführen als eine Gruppe eingebildeter Intellektueller.» Über all jene Schriftstellerinnen, Schauspieler, Akademikerinnen und anderen Intellektuellen, die heimlich oder offen widersprochen, innerhalb und ausserhalb Deutschlands Widerstand geleistet haben, aus dem «Tausendjährigen Reich» geflohen oder in dessen Lagern umgekommen sind – kein Wort. Dafür lässt er das ultimative Fallbeil niederdonnern: «Hitler war ein Intellektueller.»

Was will er damit suggerieren? Auch Hitler hat sich (nur) geirrt? Alle Intellektuellen – kleine Hitler? Was wäre schlimmer? – Ein Schelm, wer denkt, die Köppels wären besser (Flach )Maler geworden.

siehe auch Infosperber

Das letzte Wort

Von Weinstein bis Buttet
– ein sexueller Herbst.

«Am Ende entscheidet die Frau. Sie lässt
ihn ran oder sie lässt ihn nicht ran. So geht das.»
So verraten sich Unbewusstheiten.

In diesen Wochen von #MeToo, Weinstein, Buttet & Co. scheint es, als würden sich die Verhältnisse – trotz der pessimistischen Reden über die Unlösbarkeit globalisierter Problemlagen – doch noch ändern, und zwar radikal. Früher waren es vor allem «die Frauen», die ein mulmiges Gefühl bekamen, wenn sie einen Lift bestiegen und – kaum begannen sich die gut gefetteten Rollen zu drehen – feststellten, sie waren allein mit einem fremden oder, fast noch heikler, einem ihnen bekannten Mann. Heute sind es «die Männer», die beklagen, sie trauten sich nicht mehr, allein mit einer Frau in einen Aufzug zu steigen. (Dann noch eher in eine Badewanne.) Die einen befürchten, ihnen werde, zu Unrecht, vorgeworfen, wovor die andern, zu Recht, Angst haben – sexuelle BelästigungÜbergriffeGewalt. Immer wieder taucht mit den wellenweise in die Öffentlichkeit gespülten «Normalitäten» sexueller Nötigungs- und Gewaltkulturen dieser Topos des eingeschüchterten Mannes in einem Lift, allein mit einer Frau, auf. Wie viele Frauen kennen Sie, die von einem Mann in einem Lift sexuell belästigt oder attackiert wurden? Wie viele Männer, die nach einer zweisamen Liftfahrt von der Frau, die sie kaum anzusehen gewagt, der sexuellen Belästigung oder Gewalt bezichtigt wurden? Was schliessen Sie daraus? In Bezug auf die sexuellen Verhältnisse zwischen FrauundMann? Bezüglich Ihres Bekanntenkreises?

«Als ob dich jemand begrabschen würde.
Das ist Wunschdenken.»

Bemerkenswert, wie schnell, selbst 2017, die Opfer in Verdacht geraten. Jetzt wolle sich, nach Jahrzehnten des Schweigens, jede ein Stück vom warmen Opferkuchen abschneiden. Heisst es nicht nur an Stammtischen der bekannten Art. Wenn sie öffentlich sage, sie sei auch schon mal auf Partys begrabscht worden, erzählt die Komikerin Carolin Kebekus im Interview mit der Zeit am 18. November 2017, dann schrieben sie im Netz: «‹Jetzt kommen sie aus allen Löchern. Jetzt will die Kebekus auch noch was vom Kuchen ab.› Da denke ich: Ja, das ist ja eine so tolle Sache, sexuell belästigt worden zu sein. Da will ich auch ein Stück ab vom Kuchen. Geil fand ich auch: ‹Jaja, als ob dich jemand begrabschen würde. Das ist Wunschdenken.› Es ist erstaunlich, wie sehr mir bei solch normalen Erlebnissen nicht geglaubt wird.»

Natürlich wird das Blamingthevictim (das Opfer beschuldigen) nicht mehr so plump praktiziert wie zu Beginn der Siebzigerjahre, als der US-amerikanische Soziologe und Schriftsteller William Ryan diesen Begriff in die Debatten über Rassismus und sexuelle Gewalt einführte. Damals genügte der kurze Rock, um einer Frau die Schuld an der erlittenen Vergewaltigung zuzuschreiben. «Eine Politikerin, die ich noch nie ohne kurzen Rock oder hautenge Bluse gesehen habe, beschwert sich, sie würde mit gewissen Herren niemals in den Lift steigen.» Spöttelt SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chef Roger Köppel in seinem Samichlaus-Editorial «Duschen mit Doris» 2017. Am 2. November fühlt er sich noch genötigt, eine «Unangreifbarkeitserklärung» (Köppel wörtlich) abzugeben: «Selbstverständlich verurteile ich sexuelle Belästigung in aller Form.» Bevor er den «weltfremden Opferkult» in Zusammenhang mit dem Fall Weinstein geisselt: «Alle wollen Opfer sein… Als Opfer ist man gefragt, man kommt im Fernsehen, redet aus moralisch erhöhter Position.» Dafür lässt sich frau, suggeriert Köppel, ohne es zu sagen, auch gerne mal flachlegen, um hinterher «gepampert und betrauert», zum «Idol» oder zur «gesellschaftlichen Autorität» zu werden.

«Sie gleitet nur, wenn sie will.»

Jean-Martin Büttner hält im Tagesanzeiger vom 19. Oktober unter dem Titel «Das Lärmen der Frauen» zuerst fest: «Die weiblichen Klagen gegen das Männerverhalten sind berechtigt.» Um dann seine eigentliche Gefühlslage freizulegen: «Trotzdem können sie nerven.» Besonders der «humorlose Verzichtston» und «die Verbissenheit, die einem beim Diskutieren über das ganze Thema immer wieder entgegenfletscht». Wünscht er sich das gute alte Schweigen «der Frauen» zurück? Würden sie nicht so «lärmen», «die Frauen» – die Geschlechterwelten wären auch 2017 noch in Ordnung. Wie in der SRF-Autosendung Tacho. Da sagt es ein sogenannter «Alfista» am 21. Oktober stolz in die Kamera: «Der Alfa ist etwas Spezielles, das ist fast wie eine Frau, du musst warten, bis der Alfa warm ist, und dann kannst du mit ihm machen, was du willst.» Und was hat der Trumpel in dem ominösen locker room herausposaunt? «Ich fange einfach an, sie zu küssen. Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu… Berühre ihre Vagina. Du kannst alles machen…» (Blick online, 8.10.2016). Es hat ihm, bei den Wahlen 2016, nicht geschadet, sondern sein Image als zupackender Mann gestärkt.

2017 haben es die Opfer in der eigenen Hand oder in irgendeinem anderen Körperteil, was ihnen zugemutet oder angetan wird. «Das vielzitierte Machtgefälle», analysiert Philipp Gut unter dem Titel «Liebe in Zeiten der Hysterie» am 9. November in der Weltwoche, «ist doch keine Rutschbahn, auf der die Frau automatisch in die Arme des mächtigen Mannes gleitet. Sie gleitet nur, wenn sie will.» Natürlich verrät mann eigene Utopien und Kameraden selbst bei vorgehaltener Maschinenpistole nur, wenn mann es wirklich will. Köppel erinnert an das «uralte Gegengeschäft»: «Der Mann will Sex. Die Frau will Geld und Karriere. Der Mann setzt auf die Macht seiner Position. Die Frau setzt auf die Macht ihrer Schönheit. Der Tauschhandel funktioniert, solange beide profitieren. Willkommen in der Wirklichkeit.» In der Köppelschen Geschlechterrealität, in der Männer nicht darauf hoffen dürfen, um ihretwillen begehrt zu werden. Was ist mit jenen, die Frauen weder Geld noch Karriere bieten können? Bleibt ihnen nur der Zauberstab der Gewalt?

Die renommierte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen hat «die Frauen» schon im Mai 2011 in die Pflicht genommen. In einem Interview mit dem Spiegel wird sie, auf die Affäre Strauss-Kahn angesprochen, «ganz persönlich»: «Ich muss nicht unbedingt Oralsex bei einem Mann machen, wenn ich nicht will, und auch wenn er mich an den Haaren packt, muss ich’s nicht machen, ich kann [sie lacht], ich kann auch mal zubeissen. Entschuldigung, aber ich meine, ich bin dem nicht ausgeliefert, ich kann mich da durchaus wehren.» Was hätte sie der Kollegin meiner Freundin in Jugendjahren geraten, die von einem Mann mit zwei Schäferhunden von der Strasse in seine Wohnung gedrängt und dort vergewaltigt wurde, immer die beiden knurrenden Hunde neben ihr stehend? Zubeissen? Ob der Mann sie zu «gewöhnlichem» oder Oralsex gezwungen hat, weiss ich nicht (mehr). Das könnte einer Frau heute, nach all den feministischen Jahrzehnten, nicht mehr zustossen. Neuerdings führen die «echten Kerle» gerne Hunde spazieren, die eher Tanzmäusen gleichen.

«Am Ende entscheidet die Frau. Sie
lässt ihn ran oder sie lässt ihn nicht ran.»

Die Aussagen von Friedrichsen machen verständlich, weshalb selbst Frauen zuweilen in das Blamingthevictim einstimmen: Es verhilft ihnen zum beruhigenden Gefühl, ihnen könne, wenn sie nicht wollten, nichts passieren. Wenn ich selber schuld bin, so die magische Denkfigur, bin ich kein Opfer, bin ich nicht ohnmächtighilflosausgeliefert. Ich kann es jederzeit verhindern. Wenn ich nur will. Umgekehrt verhilft das Blamingthevictim «den Männern» dazu, die Geschlechterverhältnisse auf den Kopf zu stellen. «Der Mann», klagt Philipp Gut – «Alle wollen Opfer sein», hat der Förrlibucker Büronachbar eine Woche früher in die Tasten gehauen, und im Club vom 5. Dezember betet er einmal mehr sein fast schon traumatisches Mantra herunter, «die Frauen» seien das «starke Geschlecht» –, «der Mann», betet Gut mit, «kann sich noch so sehr abmühen, er kann noch soviel Geist, Humor und Muskelkraft vorführen – am Ende entscheidet die Frau. Sie lässt ihn ran, oder sie lässt ihn nicht ran. So geht das.» Sein Chef hat schon im Januar 2015 beklagt: «Der Mann ist am verwundbarsten, wenn er begehrt. Nie ist die Macht der Frau, nie ist die Ohnmacht des Mannes grösser.» Da verraten sich, der Weltwoche sei Dank, «männliche» Unbewusstheiten. Wenn «die Frauen» diese Macht haben, so scheint sich solche Logik in manchen Männerköpfen zuzuspitzen, bin ich das eigentliche Opfer.

Gut und Köppel können sich offensichtlich nicht vorstellen, dass sich Männer und Frauen als Gleiche begegnen, beide Schauende und Beschaute, Begehrte und Begehrende, Subjekte und Objekte. Was sie beklagen, ist die ganz gewöhnliche Ohnmacht derer, die in freien Beziehungsverhältnissen, welcher sexuellen Orientierung auch immer, GefühleBegehrenWünsche ins Ungewisse offenbaren und sich dem Ja (oder Nein) anderer ausliefern. Auch «die Frauen», die nicht mehr wie in den guten alten Zeiten in der geschützten Wartezone verharren können und wollen. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei (oder mehrere) freie Menschen zu gleicher Zeit am gleichen Ort Lust haben, einander zuzufallen? In diesen erotischen Unwägbarkeiten ist es manchmal ganz schön einfach. Manchmal auch nicht. Das Unberechenbare bedroht ganz besonders das «Konzept Mann», das alles im Griff haben will und kein Nein kennt. Da erscheinen BelästigungNötigungVergewaltigung als Notwehr des ausgelieferten Mannes.

Sex nur gegen Sex

Warum fehlt vielen Männern in erotischen Angelegenheiten der oft beschworene «männliche» Stolz und Mut, den sie auf schnellen Strassen, eisigen Gräten und in blutigen Schlachten so bereitwillig unter Beweis zu stellen versuchen? Der Stolz, der sich nur mit Liebe und Leidenschaft zufriedengibt, die ihm aus Freiheit zufallen? Der Mut, Verliebtheit und Begehren ohne das Netz von MachtGeldGewalt zu zeigen und sich in unsicheres Gelände zu begeben? Warum glauben sie nicht daran, dass sie begehrt werden könnten – einfach so, ohne sich «abzumühen»? Sex nur gegen Sex.

PS. Warum wird eigentlich – Blamingthevictim – «den Reichen» kaum je vorgehalten, wer so viel Geld und Gold anhäufe, dürfe sich nicht wundern, wenn sie überfallen und ausgeraubt, wenn ihm der Pelzmantel vom Leib gerissen und das Konto geplündert werde?

Siehe auch Infosperber