■ Jürgmeier_www.wort.ch ■ ■ ■ ■ ■
Schriftsteller ■ MAS Cultural/Gender Studies
Berufsschullehrer ■ Erwachsenenbildner
Publikationen
■ «Tatort», Fussball und andere Gendereien
■ Staatsfeinde oder SchwarzundWeiss
■ Der Mann, dem die Welt zu gross wurde
■ Weitere Publikationen
■ Essays // Kolumnen
■ Prosa // Gedichte
Bildung // Beratung
■ Referate // Weiterbildungen
■ Einzelberatungen
■ Männergruppe
Verschiedenes
■ Zur Person
■ Links
© Für sämtliche Texte: Jürgmeier
(Kopien // Veröffentlichungen nach Absprache)
■ ■ ■ ■ ■ Unternehmen Wort ■
Bietet eigene Texte und Dienstleistungen im Bereich des geschriebenen, gesprochenen und beratenden Wortes an.
■ Kontakt
|
Das letzte Wort:
Subito und andere Erinnerungen (an die Zukunft)
Der Satz stammt nicht von Simon Ammann, nicht von Simone Niggli-Luder. «Sport ist mein Leben», so einer meiner Berufsschüler, dem nach Erledigung aller minuziös aufgelisteten Notwendigkeiten, bei grosszügiger Schätzung, von den total 168 gerade noch zwanzig Stunden Leben pro Woche bleiben. Eigentlich hatten wir herausfinden wollen, weshalb es ihm nicht gelingt, den Vorsatz umzusetzen, regelmässig für die Schule zu lernen. Die Antwort ist dank Zeitanalyse schnell gefunden – er müsste sich jede Minute dafür vom Leben absparen. «Der Sport ist mein Leben.» Das könnte auch die eine meiner beiden Stieftöchter gesagt haben, sie möchte am liebsten die Arbeit streichen, wenn es um die Frage geht, woher sie die Zeit für eine Weiterbildung nehmen soll. Aber sie braucht das Geld, weil sie nicht so hoch springt, dass sie davon leben kann.
«Bewegung ist gesund», schrieb ich, eine Art beobachtender und aktiver Sympathisant, vor dreissig Jahren, im Zusammenhang mit «de Bewegig», welche die so genannten «Zürcher Unruhen» provozierte, die zum einen autonome Räume, zum anderen das ganze (autonome) Leben forderte – subito. «Wir brauchen einen Ort, um unsere Kultur zu leben … Dem Opernhaus geben sie Platz, da stellen sie Millionen ‹use›, und die Autos haben auch immer Platz, aber ich finde, wir sollten auch noch Platz haben auf dieser Welt», formulierte es einer von ihnen an einem der vielen offenen Mikrofone, vermutlich direkt vor dem Opernhaus, in jenem Mai 1980. Bewegung – das war, zumindest für einen kleineren Teil der damaligen Jugend, der Versuch des aufrechten Gangs; Bewegung – das war auch das über Wochen und Monate mit grosser Regelmässigkeit veranstaltete Verfolgungsritual zwischen Polizei und Jugendlichen. Meist stand ich mit leiser Trauer am Strassenrand, ahnend, was da kommen, was am Ende bleiben würde, lernte die Strassen und Gassen der Stadt, die einer in jenen Zeiten Zureich taufte, besser kennen. Irgendwann standen sie sich gegenüber, die Polizisten mit Helm, Stiefeln, Schild, Knüppel und Tränengaspatronen in geweiteten Hosen, die Jugendlichen, zum Teil vermummt, einander gegenseitig Provokation, und dann begannen sie zu trommeln, die schlecht «Gerüsteten», mit Gegenständen, die sie grad in die Hand bekamen; irgendwann flogen die ersten Steine, die ersten Tränengaspatronen, hinterher wusste keine und keiner mehr zu sagen, wer auf wen reagiert hatte, am Schluss wurden die gerichtlich abgeurteilt, die nicht in staatlichem Dienst standen – für das Brechen des Friedens im Land.
So gesund Bewegung war und ist, der Satz hatte noch einen zweiten Teil - «aber wer gesund lebt, lebt gefährlich». Es war der Text für das Plakat zu einem von uns so genannten Tribunal, an dem Repressionen verschiedenster Art öffentlich gemacht wurden; das Plakat selbst wurde verboten, weil es ein Bild von Polizisten zeigte, die einen Jugendlichen über die Strasse schleiften. Es bestünde die Gefahr, begründete die Verwaltungspolizei die Zensur, dass die BesucherInnen des Tribunals «in unsachlicher Art und Weise emotional aufgeladen werden und sich im Anschluss daran unbewilligte Demonstrationszüge durch die Stadt mit entsprechenden Sachbeschädigungen ereignen können». Beteiligte, aber auch Unbeteiligte an wiederkehrenden Demonstrationen und Aktionen, die auch schon mal ganze Häuserreihen in Scherben legten, mussten zu jenen Zeiten mit Tränengas, Gummigeschossen, Knüppelschlägen, zum Teil mit lebenslänglichen Folgen, rechnen. Bewegung war und ist, eben, manchmal ganz schön gefährlich ...
Fortsetzung in «Zur(e)ich brennt » ■ Bestellen
|
Publikationen
Pflastersteinballade // «Subito» und andere Erinnerungen (an die Zukunft)
In:

Sophie von Vogel // Lars Schultze-Kossack:
Zur(e)ich brennt, Zürich: Europa Verlag, 2010
■ Bestellen.
■ «Hört auf, zurückzuschlagen»
«Wochen-Zeitung», 25. März 2010
Eine Zugreise zum Vergessen
■ Leseprobe, iIn:

Heidi Schänzle-Geiger // Gerhard Dammann (Hrsg.): Alois und Auguste - Alzheimer und Demenz - Geschichten über das Vergessen, Frauenfeld: verlag huber, 2009 ■ Bestellen.
Termine
Autorenveranstaltung und Lesung zu «Zur(e)ich brennt»: 24. Juni 2010, 19.00h, Buchhandlung Bodmer, Stadelhoferstr. 34, Zürich
|